Mehr Cash für Einkäufer

Einkäufer werden noch nicht entsprechend ihrer strategischen ­Verantwortung bezahlt. Das wird sich ändern, meinen die ­Initiatoren der ersten heimischen Einkäufer-Gehaltsstudie.

Es war tatsächlich eine Expedition auf unerforschtem Terrain. „Bisher gab es in Österreich keine Benchmark, mit der Unternehmen die Möglichkeit hatten, ihre Einkäufer gehaltlich einzuordnen. Sie wussten nicht, zahle ich zu viel, oder zahle ich zu wenig“, sagt Bibiane Sibera vom Forum Einkauf des Österreichischen Produktivitäts- und Wirtschaftlichkeitszentrums (ÖPWZ). Dieses Dilemma ist nun behoben. Das ÖPWZ hat gemeinsam mit der in Düsseldorf ansässigen Personalberatung Penning Consulting und dem auf Einkauf und Supply Chain Management spezialisierten Unternehmensberater Kerkhoff Consulting die erste umfassende österreichische Einkäufer-Gehaltsstudie vorgelegt, für die Ende vorigen Jahres 175 heimische Betriebe aller Sparten und Größen befragt wurden.

„Einkaufsleiter als Führungskräfte der zweiten Ebene sind im Vergleich zu anderen Funktionen in Unternehmen schlechter entlohnt“, zeigt sich der auf die Besetzung von Positionen im Einkauf spezialisierte deutsche Personalberater Stephan Penning etwas überrascht von einem der Ergebnisse. Das jährliche Grundgehalt eines Einkaufsleiters in einem Großunternehmen beläuft sich im Schnitt auf etwas mehr als 100.000 Euro. 40 Prozent der Chefeinkäufer liegen im Bereich zwischen 72.000 und 90.000 Euro. In diesen Gehaltssphären befindet sich auch mehr als ein Drittel der Einkaufsleiter in kleineren und mittelgroßen Firmen – im Schnitt zahlen diese ihren Einkaufsleitern mit rund 63.000 Euro aber deutlich weniger als die großen Unternehmen.

Wenig Boni als Motivation

In der Gehaltsstudie werden nicht nur die Jahresbruttogehälter nach Tätigkeit und Hierarchieebene aufgelistet (s. Grafik rechts oben), sondern auch die Einflussfaktoren auf die Gehaltshöhe analysiert. „In Österreich bestimmt die Branche die Verdienstmöglichkeiten im Einkauf“, sagt Penning. Über alle Ebenen und Positionen hinweg werden Einkaufsspezialisten in der Energiewirtschaft mit 106.000 Euro brutto jährlich am besten bezahlt. Die meisten Industriebranchen zahlen ihren Einkäufern Jahresgehälter zwischen 60.000 und 70.000 Euro, im tertiären Sektor liegt das Gehaltsniveau teilweise noch deutlich dar­unter.

„Andere relevante Faktoren für die Gehaltshöhe sind das Gesamteinkaufsvolumen, das persönlich verantwortete Volumen, das Alter und die Führungsspanne. Der Faktor Performance spielt dagegen weniger eine Rolle“, erklärt Penning. Nur ein Drittel der Einkäufer in Österreich erhalten neben ihrem Grundgehalt eine variable Vergütung. Selbst bei den Einkaufsleitern hat gerade jeder Zweite eine Bonusvereinbarung. „Einkäufer werden nicht ausreichend motiviert, einen exzellenten Job zu machen. Das ist paradox, denn gerade die Performance im Einkauf hat maßgeblichen Einfluss auf den Unternehmens­erfolg“, konstatiert der Experte.

„In österreichischen Einkaufsabteilungen gibt es kaum differenzierte Vergütungssysteme“, bestätigt Gundula Jäger, Geschäftsführerin im Wiener Büro des Einkaufsberaters Kerkhoff Consulting. „Das liegt auch daran, dass Unternehmen noch immer nicht über ausreichende Kennzahlensysteme für die Erfolgsmessung im Einkauf verfügen“, ortet die Beraterin Nachholbedarf. „Einkäufer verdienen auch unter Berücksichtigung von Boni und Zusatzleistungen signifikant schlechter als Mitarbeiter in anderen betriebswirtschaftlichen Disziplinen“, fasst Personalexperte Penning zusammen.

Gehälter werden steigen. Er ist aber auch fest davon überzeugt, dass sich das schon bald ändern wird: „Das Einkaufsvolumen stellt je nach Branche bis zu 80 Prozent der Gesamtkosten dar. Die dafür Verantwortlichen werden paradoxerweise am schlechtesten bezahlt. Die größere strategische Bedeutung des Einkaufs wird in den kommenden Jahren dazu führen, dass die Gehälter steigen!“ Vergleichsweise niedrige Gehälter und wenig Chancen auf leistungsorientierte Boni haben laut ÖPWZ-Einkaufsexpertin Sibera negative Effekte auf die notwendige Rekrutierung fähiger Nachwuchskräfte: „High Potentials können so nur schwer für eine Karriere im Einkauf begeistert werden. Es gibt ohnehin wenig Absolventen, die ihre Karriereoptionen und Berufsmöglichkeiten im Einkauf sehen.“

Gefragte Experten. Tatsächlich tun sich Österreichs Unternehmen bereits ziemlich schwer, freie Stellen in ihren Einkaufs­abteilungen zu besetzen. „Die Besetzung dauert im Schnitt acht Monate und länger“, weiß Penning. Zudem geben 83 Prozent der befragten Unternehmen an, sie hätten keine Nachfolger für strategische Schlüsselpositionen im Einkauf.

Das eröffnet Chancen

„Die Zeiten, als der Einkauf ein Karriereabstellgleis war, sind vorbei. In Deutschland wachen die Unternehmen auf und erkennen die strategische Bedeutung. Dort gibt es schon die ersten Einkaufsvorstände“, sieht Berater Penning einen Paradigmenwechsel, der auch auf Österreich übergreifen wird. Auch Kerkhoff-Consulterin Jäger macht dem Managementnachwuchs den Einkauf schmackhaft: „Der Einkauf ist jedenfalls viel internationaler und kommunikativer als viele andere Bereiche.“

Michael Schmid

Investieren statt sparen: 5 Tipps, die persönliche Rendite bringen

Karriere

Investieren statt sparen: 5 Tipps, die persönliche Rendite bringen

Schule macht Wirtschaft: Die Junior-Unternehmer

Karriere

Schule macht Wirtschaft: Die Junior-Unternehmer