Volksbank-Invest-Vorstand Fritz Strobl hat den Weinberg fest im Griff

Der Volksbank-Invest-Vorstand Fritz Strobl, 41, entspannt sich im Weingarten in Hollabrunn. Derzeit steht das Aufbinden der jungen Triebe im Familienbetrieb auf dem Programm.

Gemächlich lenkt der grau melierte Manager seinen Wagen Richtung Hollabrunn. Bald wird Fritz Strobl die lärmende Großstadt hinter sich gelassen haben und in das niederösterreichische Weinviertel mit seinen sanft abfallenden Hügeln eintauchen. Doch die Rebzeilen dienen dem Chef der Volksbank-Invest nicht nur als idyllische Kulisse für sein privates Domizil. Er geht auch seinem Bruder zur Hand, der kaum zehn Minuten entfernt einen sechs Hektar großen Weinberg bewirtschaftet. Dort, zwischen den Stöcken, ist für ihn der beste Platz, um das hektische Berufsleben, in dem er von Sitzung zu Sitzung hetzt, beiseite zu schieben. „Bei uns tickt die Welt in einer anderen Manier. Auf der Fahrt nachhause komm ich schön langsam herunter. Ich habe zwei Festplatten in meinem Kopf. Auf einer ist alles für Strobl, den Manager, abgespeichert, auf der anderen Fritz privat.“ Und je mehr Landschaft und Kellergassen dem Rayon des Roman-Inspektors Simon Polt ähneln, ­desto dominanter wird der private Datenspeicher.

90 Tage für den Veltliner

Bevor es über Schotterstraßen zu dem etwas abseits gelegenen Weinberg geht, macht der BMW-Fahrer noch einen Abstecher in sein Haus. Es ist erst vor kurzem fertig geworden und – ganz im Sinne der Nachhaltigkeit – mit Stroh gedämmt. Das Gebäude ist groß, aber nicht überdimensioniert. Schlichte Formen stehen im Vordergrund. „Im Beruf ist vieles kompliziert, privat muss alles einfach sein.“ Und obwohl hier zwei Kinder leben, ist bis auf ein paar Spielsachen überall sorgfältig aufgeräumt. „Ich bin ein absoluter Familienmensch. Meine Familie ist mein Rückzugsresort. Wenn ich mit meiner Frau Michi und den Kindern zusammen bin, laden sich meine Batterien neu auf.“

Damit der Volksbanker möglichst viel Zeit mit seinen Liebsten verbringen kann, bindet er sie – ganz nach der Tradition seines Vaters, der den Weinbaubetrieb aufbaute – in seinen Nebenjob ein: „Bevor meine Kinder auf die Welt kamen, habe ich gemeinsam mit meiner Frau die Weinakademie abgeschlossen.“ Dieses Wissen kann er heute gut gebrauchen, schließlich sind die Aufgaben am Strobl-Weingut aufgeteilt. Während der Betrieb vom älteren Bruder Peter übernommen wurde – „er ist einfach der handwerklich Begabteste von uns vier Geschwistern“ –, kümmert sich Strobl um das Organisatorische. „Ich bin vor allem für zwei Dinge verantwortlich: Ich bestimme den Zeitpunkt der Ernte, und ich präsentiere den Wein bei Verkostungen.“

Vor allem Ersteres ist eine große Verantwortung, weil der Lesetermin ganz entscheidend für Alkoholgehalt, Extraktreichtum und damit für den Charakter des Weines ist. Dabei lässt sich der Teilzeitwinzer nicht von chemischen Tests leiten, sondern vertraut auf seine Erfahrung. „Viel wichtiger als der Zuckergehalt ist es, die Tage von der Blüte weg bis zur Ernte genau zu zählen.“ So brauchen etwa die Trauben für den Grünen Veltliner DAC (Anm.: regionale Qualitätskategorie) exakt 90 Tage, bis sie in der Presse landen. Damit die Qualität des Produkts am Ende stimmt, sollen pro Weinstock maximal zwölf Trauben reifen, was Strobl streng kontrolliert.
Der zweifache Vater hat im Job gern die Hosen an. Vielleicht liegt das ja daran, dass der Manager im Sternzeichen des Löwen geboren ist. Er will das Rudel anführen. „Auch wenn andere das oft nicht merken: In letzter Instanz entscheide ich.“

In der Volksbank werden Strobl enormes Engagement und Ehrgeiz nachgesagt. Der Anlageexperte strebt nach ständiger Bewegung und Veränderung. Vor drei Jahren hat der HAK-Absolvent seinen MBA für Führungskräfte abgeschlossen. „Wenn ich eine Leistung fordere, setze ich mich auch durch. Es macht mir große Freude, andere von meinen Ideen zu begeistern.“ Als Führungskraft gibt er sein Wissen heute an die jungen Kollegen weiter. „Nur so ist es möglich, Aufgaben zu delegieren. Immerhin ist das eine der wichtigsten ­Fähigkeiten, die ein Manager haben muss.“ Manchmal fühle er sich dabei aber schon fast wie ein Lehrer.

365 Meter über dem Meer

Strobl hat nicht nur im Beruf gerne alles unter Kontrolle, auch zwischen den Reben entgeht dem Hollabrunner nichts. Am Weinberg stehen zurzeit die neu gepflanzten Reben unter seiner Beobachtung. Sobald die jungen Stöcke etwas über einen Meter groß sind, werden sie an einem horizontalen Draht angebunden, sodass sie später in optimaler Form wachsen. Dieser Zeitpunkt ist gerade gekommen, vorsichtig bindet Strobl einen Zweig auf die Seite. Mit den jungen Weinreben ist er zufrieden.

Heuer werden die Trauben der erst dreijährigen Stöcke erstmals mitvermaischt und sich in jenen 30.000 Flaschen Wein wiederfinden, die die Strobls pro Jahr abfüllen. Doch das ist erst im Herbst der Fall. Ins­gesamt acht Wochenenden benötigt die Familie, unterstützt von Freunden, für die Lese. „Wir ernten in zwei Tagen zwischen 3.000 und 5.000 Kilogramm Wein. Das ist genau so viel, wie wir an einem Wochenende verarbeiten können.“ Zum Weinsortiment zählen Grüner Veltliner, Riesling und Zweigelt. Während ­dieser Zeit ist Strobl auch gerne volksbildend tätig und lädt Weininteressierte zu Riedenführungen ein, wo er Bodenbeschaffenheit, klimatische Einflüsse und Charakteristika der Rebsorten erklärt.

In den restlichen zehn Monaten sind die regelmäßigen sonntäglichen Rundgänge am Weinberg die wichtigste Auszeit. An besonders klaren Tagen sieht man von dem 365 Meter hoch gelegenen Hügel sogar bis nach Wien zum Millennium-Tower. Doch das erinnert den Börsenprofi schon wieder an seinen Job. Schnell kehrt die Aufmerksamkeit zu den sprießenden Pflänzchen zurück. Schließlich regiert hier Fritz-Privat.

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