Geschwindigkeitsrausch: Fondsmanager Leo Willert gibt nicht nur beruflich gerne Gas

Leo Willert, erfolgreicher Fondsmanager von Arts Asset Management, hat sich einen Bubentraum erfüllt. Mit seinem Aston Martin Vantage gibt er auf Profi-Rennstrecken kräftig Gas.

Leo Willert, 47, Gesellschafter von Arts Asset Management, hat sich zwei Träume erfüllt: Er ist finanziell unabhängig, und er fährt schnelle Autos. Reich geworden ist der gebürtige Wiener als Fondsmanager. Willert berät insgesamt 13 verschiedene Fonds und verwaltet 1,5 Milliarden Euro. Mit seiner computerbasierten Trendfolge-Strategie platziert er sich mit seinen Fonds regelmäßig unter den Besten. Vor allem 2009 lieferte er eine hervorragende Performance. „Willert ist ein Vielkönner“, schrieb das deutsche Wirtschaftsmagazin „WirtschaftsWoche“ im April.

Selfmade-Millionär

In die Wiege gelegt wurde ihm das nicht. Der Mann hat Soziologie studiert, in Werbeagenturen gearbeitet, danach für die österreichische Fondsgesellschaft C-Quadrat Factsheets erstellt. Nebenbei entstand eine Datenbank, die Willert für die Verwaltung seines ­eigenen Geldes nutzte. Als er sich 2003 mit dem Wunsch an die C-Quadrat-Bosse wandte, einen eigenen Dachfonds zu managen, hielt ihn dort mancher für einen Spinner. Er absolvierte eine Ausbildung in den USA und durfte dann doch einmal probieren. Der Rest ist (Erfolgs-)Geschichte.

Zum Autorennsport kam der Selfmademan wie Michael Schumacher: durch Gokart-Rennen. Heute fährt Willert mit einem 440 PS starken Aston Martin Vantage an den Wochenenden in der GT4-Klage auf den Rennstrecken Europas. 2008 trug sich Willert auf der berühmten Strecke im britischen Silverstone als 14. in die Rangliste ein. „Ich fahre in dieser Klasse erst seit drei Jahren. Schlagzeug spielen, was ich auch tue, kann ich unvergleichlich besser, als Rennen zu fahren“, relativiert er. Doch der Fondsmanager lässt nichts unversucht, damit er das Spiel von Lenkung, Gaspedal, Bremse und Schalthebel bald ebenso rhythmisch beherrscht wie die Bearbeitung seiner Trommeln.

Die Wandlung zum Hobby-Schumi

Sein „erstes Mal“ am Nürburgring ist Willert unvergesslich geblieben. Vor drei Jahren erwarb er bei der Karner Group, die so edle Boliden wie Rolls-Royce, Maserati und Ferrari betuchten Kunden feilbietet, einen Aston ­Martin. Als kleine Draufgabe durfte Willert dann am Nürburgring mit einem Instruktor als Beifahrer ein paar Runden mit dem britischen Rassewagen drehen. „Man attestierte mir, dass ich eine Superzeit gefahren bin“, erinnert sich der Hobby-Schumi. Und schon war es passiert, er war Feuer und Flamme für die Raserei. Heute gibt er zwischen März und Oktober Gas, was das Zeug hält.

Bei Willerts Aston Martin, mit dem viele Testfahrten absolviert werden, handelt es sich um einen reinen Rennwagen. Überall am und im Wagen sind Sensoren montiert, die jede nur erdenkliche Veränderung wahrnehmen und aufzeichnen: Querbeschleunigung und Fliehkraft werden gemessen, die Gaspedalstellung oder der Druck auf die Reifen aufgezeichnet. Auch „Sonntagsfahrer“ gehen wissenschaftlich an die Sache heran.
Ob manchmal die Angst mitfährt? „Nein, überhaupt nicht, aber vielleicht ist das ja auf einen Gen-Defekt zurückzuführen“, gibt sich Willert selbstironisch.

Training mit dem Europameister

Um diese Passion entsprechend ausleben zu können, braucht man nicht nur das nötige Kleingeld, sondern Profis, die zum ­einen den Boliden servicieren und zum anderen den Fahrer coachen. Die hat der Fondsmanager im Lechner Racing Team in Salzburg gefunden. Walter Lechner, der siebenfache Rallye-Europameister, der gemeinsam mit seinem Bruder Robert den Rennstall betreibt, bietet vom Rennfieber Infizierten von ersten Schnupperkursen bis zu Intensivprogrammen alles an. Ab 700 Euro für einen halben Tag ist man dabei. ­Fortgeschrittene zahlen allerdings pro Monat ­mehrere tausend Euro für ihren Bubentraum ein.

Bei den Trainings fährt beispielsweise einer der Lechner-Brüder die Strecke gleichmäßig ab, danach dreht Willert seine Runden. „Beide Ergebnisse werden dann quasi übereinander gelegt, und in der Analyse sieht man, warum ich dem Lechner eine Zehntelsekunde in der ersten Kurve abgenommen habe oder wo ich signifikant Zeit liegen gelassen habe“, erklärt der Lehrling.

Parallele zwischen Fonds und schnellen Rundenzeiten

Die kurzfristige Wertentwicklung eines Fonds hat für Willert eine Parallele zur schnellsten Runde bei einem Autorennen, das über viele Stunden geht. „Wichtiger ist, das Material gleichmäßig zu belasten und das Auto sicher durchzubringen“, resümiert er. Ähnlich nüchtern lässt er in seinem Brotberuf den Computer Trends nach oben und nach unten auf­spüren – und versucht, rechtzeitig auszusteigen oder früh genug dabei zu sein.

Klar, Pannen passieren. Wenn beispielsweise die Bremsen versagen. „Du fährst eine Gerade mit 200 Stundenkilometern, merkst, dass das Bremspedal praktisch ohne Widerstand bis zur Bodenplatte durchfällt, pumpst und pumpst, nimmst die Linkskurve mit vollem Tempo und rutschst dann 200 Meter, bis dich ein Reifenstapel abbremst.“ Doch laut Willert gibt es immer Sicherheitspolster. Und ein bisserl Glück ist auch immer dabei, ob beim Wetten an den Börsen oder beim Hochgeschwindigkeitssport.

Gabriela Schnabel

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