Ganz hipp: Klaus Hipp

Manche Firmenchefs beginnen ihren Tag mit Sport. Claus Hipp, 73, nicht. Er schließt in aller Herrgottsfrüh die Wallfahrtskirche Herrenrast bei Pfaffenhofen in Oberbayern auf und betet. Andere Firmenchefs sitzen bis spät in die Nacht über ihren Ordnern. Claus Hipp nicht. Er beendet seinen Tag hinter der Staffelei in seinem Atelier. Er sagt: "Ich habe Gott sei Dank die Freiheit, so entscheiden zu können, wie ich es mit meinem Gewissen vereinbaren kann. Der Mensch lebt nicht von Brot allein. Wir brauchen auch einen Ausgleich zur Pflicht.“

Und den Ausgleich hat Herr Hipp gefunden. Neben seiner beruflichen Karriere als Babynahrungs-Hersteller ist Hipp unter seinem Geburtsnamen Nikolaus Hipp als freischaffender Künstler tätig. Die Werke des abstrakten Malers werden unter anderem in New York, Paris und Kiew erfolgreich ausgestellt. Sein Know-how gibt er an der Staatlichen Kunstakademie in Tiflis in Georgien weiter. Aber damit ist der künstlerischen Ader des Pioniers von Brei im Gläschen noch nicht Genüge getan. Jeden Mittwochabend probt Hipp beim Münchner Behördenorchester. Dort spielt er die zweite Oboe. "Es ist gut, nicht immer die erste Geige spielen zu müssen. Ich bin froh, dass einer neben mir sitzt, der es besser kann“, lacht Hipp.

Leben nach Werten

Der gebürtige Bayer hat offenbar Energie für zwei. Das zeigt sich auch, wenn er kräftig in die Pedale tritt, um zu seinen Terminen zu gelangen. "Wenn alle mit Chauffeur kommen, fahre ich mit dem Rad, ich finde das gut.“ Das sagt der Mann, der seit 47 Jahren die Geschicke der Firma Hipp lenkt und damit eine Erfolgsgeschichte schrieb. Schon seine Eltern lebten Claus Hipp vor, mit der Natur in Eintracht zu existieren, und auf diesem Wertefundament errichtete Claus Hipp ein 2.500-Mann-Unternehmen, das mittlerweile 500 Millionen Euro Umsatz erzielt, die Hälfte davon im Ausland. Und dort liegen auch die größten Wachstumschancen, "vor allem in Osteuropa“, sagt Hipp. Der Trend zu weniger Kindern, vor allem in Deutschland, ist evident. Der Firmenlenker selbst zog noch fünf Kinder groß, "doch das ist heute eine Ausnahme“. Wachstumsmärkte sieht Hipp noch in Spanien und Italien, aber auch Österreich hat Gewicht im Unternehmen. "Vor allem ist Österreich für uns als Biolieferant wichtig. Wir kaufen den österreichischen Biobauern mehr ab, als wir selber brauchen können“, stellt er unseren Landwirten ein gutes Zeugnis aus. "Und von Österreich aus machen wir auch unsere Geschäfte mit den Ostmärkten.“ Weltweit sind bereits mehr als 6.000 Biobauern bei Hipp unter Vertrag.

Als der Unternehmer sich vor 50 Jahren starkmachte für den biologischen Landbau, sagten die Bauern: "Der spinnt, der Hipp.“ Mittlerweile wird er für seine Verdienste um die Umwelt mit Auszeichnungen überschüttet: zum Beispiel "Ökomanager des Jahres“. Bio gehört zum Hipp-Alltag. In der Pfaffenhofener Firma dominiert Holz, Energie erzeugt das eigene Biomasse-Heizkraftwerk, und das Dienstauto von Hipp wird mit Pflanzenöl betrieben. Der Mann weiß eben, was er will, und setzt das auch durch, wenn es sein muss, gegen den Willen der anderen.

Freiräume entdecken

So war Hipp schon in seiner Jugend. Als er im Alter von 29 Jahren nach dem Tod des Vaters die Firmenleitung übernahm, hielt sich seine Begeisterung für seine Profession, die Juristerei, in Grenzen. Viel lieber widmete sich der Student der Kunst. In der Münchener Kunstschule weckte Heinrich Kropp in ihm die Liebe zur gegenstandslosen Malerei, der er bis heute treu geblieben ist. "In der gegenständlichen Kunst ist alles gesagt, was man sagen kann. In der gegenstandslosen Kunst hingegen gibt es noch Freiräume zu entdecken“, schwärmt Hipp. Malen ist für ihn aber auch "Zweitberuf, der anstrengend und ermüdend ist, weil er hohe Konzentration erfordert. Das ist kein gemütlicher Ausgleich für mich. Ich nehme das schon ernst, wenn ich mich an die Wand hänge und andere in mich hineinschauen.“ Mehr als 2.000 Ölbilder hat Hipp schon auf Leinwand gemalt. Es würde den Rahmen sprengen, all seine Ausstellungen hier aufzuzählen. Seine Werke schmücken Kirchen, Museen und Stadtgalerien in Deutschland, Österreich, Ungarn, der Türkei oder in Kiew.

Der Geruch der Farbe

Die erste Unterweisung im Malen erhielt Hipp von seinem Vater. "Aber auch schon mein Großvater, der Ur- und der Ururgroßvater haben wirklich schöne Sachen gemacht“, erinnert er sich. Seine Mutter kam aus der Schweiz, und auch in dieser Linie hat die Malerei ein große Tradition bis in die Gotik zurück. Da finden sich Kirchen-, Glas- und Dekorationsmaler. "Ich empfand die Wolken als sehr schön, die mein Vater gemalt hat. Aber auch der Geruch der Farbe hat mich schon als Kind beeinflusst und fasziniert.“ Selbstverständlich hat auch Claus Hipp erst mal gelernt, naturalistisch zu malen. Aber schon nach dem Abitur wandte er sich dem Abstrakten zu. "Bei meinem Meister musste ich beides beherrschen. Er war sehr streng und hat immer vor Gefälligkeit gewarnt und vor zu wenig Kritik.“

Hippe Bilder: 'Passe die Preise dem Markt an'

Bilder von Hipp sind bereits um weniger als tausend Euro zu erwerben, aber es gibt auch welche, die "eine zweistellige Tausenderzahl haben“. Je nach Größe und Dauer der Arbeit. "Ich tu die Preise schon dem Markt anpassen“, erklärt Hipp, "denn wenn ich zu billig bin, sind die Kollegen sauer, bin ich zu teuer, heißt es, jetzt überschätzt er sich aber.“ Ab und an legt der Pinselmeister beim Malen eine Schaffenspause ein. "Es gibt Zeiten, in denen ich keine Ideen habe, und zwangsweise male ich nicht.“ Dafür unterrichtet er regelmäßig in der Kunstakademie in Tiflis in Georgien. Dort hat er eine Klasse für Lithografie und eine Meisterklasse für Bühnenmalerei. Mit Letzterer wirkt er jedes Jahr an einer Operninszenierung in Bayern mit, die Studenten dürfen das Bühnenbild malen.

Seine Liebe zur Malerei und sein Wissen in diesem Bereich wollte Hipp seit je-her gerne an andere weitergeben, und so erstellte er ein Kompendium mit praktischen Tipps für Studenten, unter dem Titel "Es ist einfach, aber nicht leicht“. In dem dreisprachigen Werk (Deutsch, Englisch, Georgisch) bietet der Künstler mit jeweils einem Zitat pro Seite Nützliches für zukünftige Maler.

Mag sein, dass der gläubige Katholik polarisiert, aber er ist eben ein Mensch mit Grundsätzen. Er schwört auf die Kraft sokratischer Tugenden wie Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung. Seine Richtschnur sind die Zehn Gebote. All das hat Hipp, dem man bis heute Bescheidenheit nachsagt, in seinem Buch "Die Freiheit, es anders zu machen“ niedergeschrieben. Auch vor der Politik nimmt sich der Mann kein Blatt vor den Mund. Unter dem Titel "Agenda Mensch. Warum wir einen neuen Generationenvertrag brauchen“ legte er den Finger in die Wunden der Verantwortlichen.

In seiner ersten Lebenshälfte - das wäre beinahe untergegangen - feierte der Mann auch noch Siege bei internationalen Springreit- und bei Military-Turnieren. Heute bewegt er die Pferde nur noch, wenn ihm die Kinder eines leihen. Und wie lange wird Hipp noch an der Konzernspitze sitzen? "Solange mich meine Kinder brauchen, mache ich gerne weiter. Sie sind ehrlich und offen genug, dass sie mir sagen, wenn es Zeit ist zu gehen. Aber es ist wie auf dem Bauernhof, da arbeitet der Austragsbauer ja auch noch immer mit.“

Gabriela Schnabel

"Ich habe mein Leben selbst in die Hand genommen"

Hobby

"Ich habe mein Leben selbst in die Hand genommen"

Zum Abschied gibts noch eine große Party im Wiener Odeon Theater.

body and soul

 

Hermann Becker, Grandseigneur der Porsche-Holding, geht in Pension

Kommunikationsprofi Wolfgang Rosam stellt dem FORMAT seinen Weinkeller vor, der ihn jetzt so glücklich macht.

body and soul

 

"Ich hatte viel Geld und war trotzdem ein unglücklicher Mensch"