Internationale Wirtschaftsnachrichten

Reuters/hahn
11.06.201316:12 Uhr
Hochwasser-Katastrophe kostet Deutschland zwölf Milliarden Euro

Hochwasser-Katastrophe kostet Deutschland zwölf Milliarden Euro

  • Der volkswirtschaftliche Schaden durch die Hochwasser-Katastrophe in Deutschland dürfte sich laut Ratingagentur Fitch auf rund zwölf Milliarden Euro summieren.

Von den Hochwasser-Schäden in Deutschland müsse die Versicherungsbranche voraussichtlich 2,5 bis 3 Mrd. Euro tragen. Damit käme das Hochwasser die Versicherer teurer zu stehen als die Flut im Jahr 2002. Diese hatte der Branche rund 1,8 Mrd. Euro gekostet.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hatte zuletzt unterschiedliche Angaben dazu gemacht, ob der Schaden diesmal höher als vor elf Jahren liegen wird. Erste Schätzungen sollen Ende der Woche veröffentlicht werden.

Den Großteil der Belastungen erwartet Fitch bei den Versicherungen von Gebäuden, Hausrat und Autos. Geschädigte Unternehmen, die wegen der Wassermassen ihr Geschäft vorübergehend einstellen müssen, dürften zudem ihre Versicherungen gegen Betriebsausfälle in Anspruch nehmen. Fitch sieht vor allem öffentliche Versicherer wie die Versicherungskammer Bayern und die Sparkassen Versicherungen stark in der Haftung. Auch Branchenprimus Allianz, der im Osten Deutschlands stark engagiert ist, müsse voraussichtlich besonders tief in die Tasche greifen.

Dass die versicherten Schäden weit unterhalb des volkswirtschaftlichen Schadens liegen, schreiben die Fitch-Experten der Geschäftspolitik der Versicherer zu. In hochwassergefährdeten Gebieten sei Versicherungsschutz gegen Elementarschäden nur schwer oder nur zu sehr hohen Preisen zu erhalten.

Es seien zwar bei knapp ein Drittel aller Gebäudeversicherungen Elementarschäden etwa durch Hochwasser enthalten. Dieser Schutz sei allerdings bundesweit unterschiedlich verteilt. Unter den von der Flut betroffenen deutschen Bundesländern habe Bayern mit 21 Prozent die niedrigste Elementarschutz-Quote, Sachsen mit 42 Prozent die höchste. "Allerdings dürfte innerhalb der Hochwasserrisikogebiete die Abdeckung von Elementarrisiken aufgrund der oben beschriebenen Probleme deutlich niedriger sein", schätzt Fitch.

Keine existenzielle Gefahr für Versicherungen

Trotz der absehbaren Milliardenschäden sieht Fitch die Versicherer nicht in Gefahr. Die Bonität der Unternehmen werde kaum Schaden nehmen. Die Experten gehen davon aus, dass die Beitragseinnahmen in der Schaden- und Unfallversicherung die Aufwendungen für Schäden, Verwaltung und Vertrieb in der Branche weiterhin übersteigen würden. Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote der Erstversicherer dürfte unter der kritischen Marke von 100 Prozent bleiben, da Rückversicherer einen Teil der Schäden übernehmen würden.

Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re und der Branchendritte Hannover Rück hatten zu Wochenbeginn darauf verwiesen, dass es für eine Einschätzung der Flutschäden noch zu früh sei.

Schäden in Niederösterreich auf 100 Millionen Euro geschätzt

Ersten Schätzungen zufolge hat das Hochwasser in Niederösterreich Schäden in Höhe von rund 100 Millionen Euro verursacht, gab Landeshauptmann Erwin Pröll am Dienstag bekannt. Damit dürften die Schäden laut dem Landespressedienst geringer ausfallen als 2002, als sie sich auf 250 Millionen beliefen. Bereits heute seien die ersten Gelder an die Opfer ausbezahlt worden.

Pröll dankte zudem den tausenden freiwilligen Helfern, die in den vergangenen Tagen in den betroffenen Gebieten im Einsatz waren: "25.000 Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen sowie 1.700 Soldaten des österreichischen Bundesheeres waren bereit, für Menschen da zu sein, die in Not geraten sind."

 
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