Meinung

Gastkommentar: William D. Cohan
02.01.201311:40 Uhr

UBS sollte nach Libor-Skandal geschlossen werden

Es gibt eigentlich keinen Grund, das Kind nicht beim Namen zu nennen: Die UBS, die weltweit aktive Bank aus der Schweiz, hat die Bankenbranche seit Jahren mit Schande überzogen – und muss geschlossen werden, zumindest mit Blick auf die USA.

Die Regulierer, die dem Unternehmen den Betrieb in den USA erlauben - Federal Reserve, Securities and Exchange Commission, Commodity Futures Trading Commission (CFTC) und das Office of Comptroller of the Currency – sollten jene Grenze erkennen, die im Dezember überschritten worden ist.

Am 19. Dezember hatte die Bank 1,5 Mrd. Dollar an weltweite Regulierer gezahlt, um Anschuldigungen beizulegen, denen zufolge ihre Händler und Manager über sechs Jahre hinweg – speziell in der japanischen Wertpapiersparte – den Libor und andere Sätze manipuliert haben. Der Libor bildet die Grundlage für täglich ausgepreiste Kosten für Kredite, die ein Volumen von Billionen von Dollar haben.

UBS und schlechtes Verhalten sind inzwischen fast zu einer Art von Synonym geworden.

Während der Finanzkrise hatte die UBS bereits rund 50 Mrd. Dollar an Abschreibungen vorgenommen. Das veranlasste die Bank dazu, einen Transparenz-Bericht zu beauftragen. Im Nachgang der Finanzmarktkrise stellte sich heraus, heißt es in dem Papier, dass die UBS einen ernsthaften Richtungswechsel in die falsche Richtung vorgenommen hatte - unter der Führung des Senior- Managements, das damals die Verantwortung hatte. Das Ergebnis sei ein enormer Vertrauensverlust gewesen.

Im Februar 2009 gab die Bank in einer Vereinbarung mit dem US-Justizministerium zu, amerikanischen Steuerzahlern geholfen zu haben, die US-Steuerbehörde Internal Revenue Service (IRS) zu betrügen. Die UBS erklärte sich bereit, einige Namen von Kunden, denen sie bei der Vermeidung von US-Steuern half, zu übergeben. Hinzu kam eine Strafe von 780 Mio. Dollar.

Dann, im vorletzten Monat, kam es zur Verurteilung des Ex- UBS-Händler Kweku Adoboli. Den Vorwürfen zufolge versteckte er Handelsverluste im Gesamtvolumen von mehr als 2,3 Mrd. Dollar. Die britische Financial Services Authority verhängte gegen die UBS eine Strafe von 47 Mio. Dollar. Zudem kreidete die Behörde die Aufsicht der Londoner Händler an.

Es sieht so aus, als sei die Bank mehr als nur ein bisschen außer Kontrolle geraten.

Das jüngste Beispiel für das schändliche Verhalten der Bank kann in einem Bericht der britischen Financial Services Authority zu den Libor-Vorwürfen gefunden werden.

Mit Blick auf den 6-Monats-Yen-Libor bat ein UBS-Händler dem Bericht zufolge am 18. September 2008 in einem Telefonat einen Broker, den Zins an jenem Tag unverändert zu lassen: “Falls Du das machst… werde ich Dich bezahlen, weißt Du, 50.000 Dollar, 100.000 Dollar… was auch immer Du willst…. Ich stehe zu meinem Wort.” Einfach toll!

Von der Strafe im Volumen von 1,5 Mrd. Dollar gingen 700 Mio. Dollar an die CFTC - das ist die höchste Geldbuße in der Geschichte der Aufsichtsbehörde. David Meister, Direktor für Ermittlungen bei der CFTC, erklärte, “wenn eine große Bank dreist mit einigen der weltweit wichtigsten Finanz-Benchmarks herumspielt, dann wird die CFTC mit der vollen Macht ihrer Autorität reagieren”.

Das ist soweit ganz gut. Und die CFTC muss dafür gelobt werden, dass sie dem globalen Libor-Manipulations-Skandal auf die Schliche gekommen ist.

Aber eine noch viel ausdrücklichere Botschaft muss an die UBS gesendet werden durch ihre klugen Aufseher in den USA: Sie sind erledigt in diesem Land. Wir versehen Ihre Büros in Stamford, Connecticut, und Manhattan mit Vorhängeschlössern. Sie müssen zusammenpacken und gehen. Sofort!

Zur Person
William D. Cohan ist Autor von “Money and Power: How Goldman Sachs Came to Rule the World” und Kolumnist bei Bloomberg View. In der Vergangenheit arbeitete er unter anderem als Investmentbanker bei Lazard Freres, Merrill Lynch und JPMorgan Chase.

 
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