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Neue Baustellen in der alten Bankenwelt
- Die Bankenbranche wird radikal umgebaut. Ein strenges Aufsichtsregime erhöht den Druck im Business. Konsolidierung und Konzentration im Kerngeschäft ist angesagt.
In Brüssel spielt die Musik. Kurz vor Weihnachten hat der Gipfel der Staats- und Regierungschefs der EU die Einführung einer europäischen Bankenaufsicht beschlossen. Spätestens ab 1. März 2014 werden die größten Banken Österreichs, die eine Bilanzsumme von mehr als 30 Milliarden Euro auf die Waage bringen, von der Europäischen Zentralbank überwacht werden.
Die Austrobanken werden also künftig enger an die Kandare genommen werden. "Ich habe nichts gegen eine europawei-te Aufsicht, sagt RZB-General Walter Rothensteiner. Doch mehr Zettelwirtschaft brauche keiner. Seine Bankengruppe ist in 17 Ländern unterwegs und wird von ebenso vielen Aufsichtsbehörden kontrolliert. Die Folge: massive Bürokratie. Rothensteiner: "Wir liefern monatlich 5.000 Seiten Statistik an die Behörden. Jetzt kann mir keiner erklären, dass die irgendein Beamter vernünftig auswertet.
Ökonomische Auslese
Doch das ist nur der Anfang. Der Geldwirtschaft stehen nicht nur im Aufsichtsbereich harte Zeiten bevor. Die Banken sind die Eisenbahnen des 21. Jahrhunderts und müssen sich neu erfinden. Seit Ausbruch der Finanzkrise steht fest: Wer nicht in fünf Jahren als rostige Dampflok am Abstellgleis landen will, muss sich jetzt flottmachen - und auch neue Trends im Kundenverhalten antizipieren. In Österreich wird es zu einer radikalen Auslese kommen, sagen Branchenkenner.
Die seit 2008 aufgefangenen Staatsbanken sind besonders gefordert - ohne Vater Staat wären sie tot. Geldinstitute, die keine gewinnbringende Nische finden, fliegen raus aus dem Markt. Hannes Androsch, Präsident der Banken-ÖIAG Fimbag: "Die Konsolidierung des österreichischen Bankensektors ist überfällig. Wir haben zu viele Banken und Filialen.
Die Erste Bank agiert offensiv. "Die Möglichkeiten im Mobile Banking sind atemberaubend, schwärmt Vorstand Peter Bosek. Junge Kunden sind schwer in Filialen zu locken. Bosek will sie dort abholen, wo sie viel Zeit verbringen: in Social-Media-Plattformen wie Facebook. Dort muss die Bank der Zukunft auch flächendeckend präsent sein. Das Smartphone hat den Computer als bevorzugten Web-Zugang abgelöst.
Der richtige Impuls
Darauf reagiert die Erste Group etwa mit neuen Angeboten wie der "Impulsspar-App. Früher spazierte man noch mit Taschengeld und Sparbuch zum Bankschalter. Die "Impulsspar-App der Erste Bank will Jung und Alt wieder beibringen, auf etwas hin zu sparen. Das Prinzip: Mit nur einem Klick wird der gewünschte Sparbetrag vom Girokonto auf das Sparkonto übertragen. Das Sparziel hat der Kunde dabei als Bild in der App immer im Auge. Bosek: "Das Sparziel kann sogar über Facebook mit Freunden geteilt werden. Das Angebot kommt an.
Geht es nach Willibald Cernko, könnte sogar ein Hauch von Hollywood ins Banking einziehen. Der Generaldirektor der Bank Austria kann sich sehr gut vorstellen, dass Beratungsgespräche via Videokonferenz durchgeführt und aufgezeichnet werden. Das hätte laut Cernko den angenehmen Nebeneffekt, dass jede Beratung dokumentiert wäre. In der Bank Austria gibt es die Tele-Beratung schon jetzt - und das Interesse steigt. Die traditionelle Filiale sieht Cernko künftig nur noch in Ballungsräumen, am Land wird sie seltener. Sein Fazit: "Die Bankfiliale wird es immer geben, aber nicht überall. Dementsprechend hat die Bank Austria ihre ambitionierten Filialausbaupläne aus der Vergangenheit nun eingestampft.
"Wir sind overbanked, moniert Hannes Androsch. Die Banken- und Filialdichte in Österreich sei im europäischen Vergleich viel zu hoch. Zu viele Gäste säßen am Gabentisch, der Jahr für Jahr kleiner werde. Die Aufsichtsbehörden und das Finanzministerium haben die Strukturprobleme jahrelang und konsequent ignoriert. Die sprudelnden Gewinne aus dem Osten haben die Verluste am Heimmarkt kaschiert. Die Finanzkrise brachte die Misswirtschaft ans Tageslicht und löste den Bereinigungsprozess aus - mit erheblichen Kosten für den Steuerzahler.
Der "rote Exfinanzminister Androsch kontrolliert als Fimbag-Präsident das republikeigene Zombiebanken-Portfolio, das pikanterweise von drei "schwarzen Finanzministern aufgebaut wurde. Wilhelm Molterer "notverstaatlichte die Kommunalkredit-Gruppe im Jahr 2008, Josef Pröll "rettete die Hypo Alpe-Adria ein Jahr später, und Maria Fekter musste heuer die Volksbanken AG "auffangen. In Summe kosteten die drei Banken den Staat bereits rund 13 Milliarden Euro. Geld, das eher für immer weg ist.
Rache der Zombiebanken
Die Zombiebanken werden im neuen Jahr nicht nur die Republik als Eigentümer, sondern auch die Straf- und Zivilgerichtshöfe beschäftigen. In der Kommunalkredit-Affäre soll bis zum Frühjahr das alles entscheidende Gutachten fertig sein, das den Bilanzfälschungs- und Untreueverdacht bei den Spekulationsgeschäften auf Zypern zum Inhalt hat. In der Volksbanken AG prüft die Korruptionsstaatsanwaltschaft eine Strafanzeige der Kanzlei Kraft & Winternitz, die auf Basis eines Privatgutachtens schwere Vorwürfe gegen den früheren ÖVAG-General Franz Pinkl erhebt. Aussagen eines ehemaligen Volksbankers belasten ihn und seine Bankerfreunde.
Rambazamba spielt es auch in der Südprovinz. In der Affäre Hypo Alpe-Adria startet nicht nur ein Strafprozess gegen die drei früherenVorstandsvorsitzenden Wolfgang Kulterer, Siegfried Grigg und Tilo Berlin wegen Untreueverdacht im Zusammenhang mit der Hypo-Vorzugsaktien-Affäre. Es gilt die Unschuldsvermutung. Auch ein milliardenschwerer Zivilprozess zwischen der BayernLB und der Hypo Alpe-Adria nimmt seinen Lauf. Die Bayern wollen rund 2,3 Milliarden Euro, die sie der Hypo im Rahmen der Notverstaatlichung Ende 2009 als Liquidität zur Verfügung stellten, zurück. Die Bayern sagen, dass es sich um Darlehen handelte, die nun zu tilgen seien.
Das Gegenteil behauptet ein Gutachten, auf das sich das Hypo-Alpe-Adria-Management stützt: Demnach habe es sich bei dem Geld nicht um einen Kredit gehandelt, sondern um "Eigenkapital ersetzende Gesellschafterdarlehen, die nicht zurückgezahlt werden müssten, weil die Bank sich noch in der Sanierungsphase befindet - und die ist zweifelsfrei noch nicht abgeschlossen.
Eineinhalb Milliarden Euro steckte die Republik in den ersten beiden Jahren in die Hypo. Weitere 2,2 Milliarden Euro müssen bis Mitte 2013 in die marode Landesbank gepumpt werden, sonst droht die Aufsicht die Lichter am Alpe-Adria-Platz abzudrehen. Die Zukunft von Jörg Haiders Skandalbank bleibt weiterhin ungewiss.
Unsicherheit prägt nicht nur die Stimmung in den Staatsbanken, sondern im gesamten Geldsektor. Die Cashcow CEE gibt es nicht mehr. In den nächsten Jahren ist Sparen auf allen Ebenen angesagt. Abteilungen werden zusammengelegt, Doppelgleisigkeiten abgebaut. Weil die Kreditmargen immer dünner werden, nimmt die Bedeutung von rigorosen Bonitätsprüfungen zu.
Es fehlen 13 Milliarden
Auch die neuen Eigenkapitalregeln Basel III beeinflussen das Geschäft. Die Nationalbank hat in ihrem jüngsten Finanzmarktstabilitätsbericht ausgerechnet, dass Österreichs Banken bis 2017 einen Basel-III-induzierten Eigenkapitalbedarf von bis zu 13 Milliarden Euro haben. Inkludiert sind auch fünf Milliarden Euro Partizipationskapital, das auch Erste Bank, Raiffeisen und Bawag gezogen haben und das im neuen Kapitalregime nicht mehr angerechnet werden darf.
Die strengen Eigenkapitalvorschriften würden das Bankgeschäft bremsen, sagt Rothensteiner. Der geschäftliche Spielraum werde deutlich eingeschränkt. "Eine Milliarde Euro mehr Kredit bedeutet für mich als Bank 100 Millionen Euro mehr Kernkapital. Das muss ich mir irgendwo herholen, sagt Rothensteiner. Momentan sei das kein Problem. Seine Bankengruppe sei gut aufgestellt. Nachsatz: "Aber in der Zukunft sehe ich die neuen Eigenkapitalregeln schon als besondere Herausforderung.


