Technik & Wirtschaft

Robert Prazak
02.01.201309:50 Uhr
FORMAT-Test: Loewes eleganter Musik-Barren mit Touchscreen

FORMAT-Test: Loewes eleganter Musik-Barren mit Touchscreen

  • Testbericht zu ungewöhnlicher Musikanlage des deutschen Herstellers Loewe: Pluspunkte für den Sound, Minuspunkte für den Touchscreen.

Wie eine klassische Stereoanlage sieht die SoundVision von Loewe wahrlich nicht aus. Im Test zeigt sich, dass das Luxusgerät mit hervorragendem Ton und ungewöhnlichem Design überzeugt. Die Bedienbarkeit aber könnte besser und einfacher sein.

Die gute, alte Stereoanlage funktionierte nach dem Prinzip: Je größer und je mehr Knöpfe, desto besser. Nach diesen Maßstäben wäre die Musikanlage „SoundVision“ des deutschen Premium-Herstellers Loewe nicht einmal Mittelmaß: Das Gerät kommt mit wenigen Tasten aus und sieht auch überhaupt nicht wie eine Stereoanlage aus, eher wie das aufpolierte Modell eines Star Wars-Raumschiffs.

Und außerdem: Loewe und Musik? Der deutsche Hersteller, zuletzt wirtschaftlich arg gebeutelt , ist doch eher für seine Fernsehgeräte bekannt. Doch das Unternehmen versucht, sein Portfolio zu verbreitern. Ob das ausgerechnet jetzt eine gute Idee ist, wird sich weisen und soll uns bei der Beurteilung der SoundVision auch nicht weiter beschäftigen.

FORMAT hat das Gerät in einem Praxistest ausführlich unter die Lupe genommen.

Eleganz mit integrierten Lautsprechern

Zunächst die Äußerlichkeiten: Der längliche Musik-Barren sieht elegant aus, braucht aber angesichts der Außenmaße von ca. 55 mal 20 mal 20 Zentimetern doch etwas Platz. Extra Lautsprecher sind nicht nötig, sechs davon sind eingebaut, ebenso zwei Subwoofer. Das relativiert den Platzbedarf, denn man erspart sich die sonst übliche Anhäufung von Peripherie-Trümmern samt lästiger Verkabelung. Jedenfalls sieht die SoundVision besser aus als die übliche Stereoanlage. Auf der Oberseite, die aus Aluminium besteht, thront ein Touchscreen, dessen Rahmen nicht hundertprozentig zum Design der gesamten Anlage passt.

Somit kommen wir schon zur Bedienung der SoundVision: Diese erfolgt über den Touchscreen; sonst gibt es nur Ein/Aus-Schalter, Lautstärke- sowie CD-Taste. Auf der Startseite dieses Bildschirms lassen sich die beliebtesten Radiostationen und sonstigen musikalischen Vorlieben anordnen. Allerdings reagiert der Touchscreen nicht immer gut auf Eingaben; jeder mittelprächtige Tablet-PC ist hier vergleichsweise besser. Hingegen lassen sich CDs rasch auswerfen und laden.

Musik aus mehreren Quellen

Woher kommt überhaupt die Musik für die SoundVision? Da es sich laut Hersteller um ein „All-in-One-Audiosystem“ handelt, sind die Quellen vielfältig: Neben FM-Radio und CD dürfen die Songs auch von iPod bzw. iPhone bezogen werden – der entsprechende Stecker findet sich hinter dem Touchscreen. Mittels LAN- oder WLAN-Anschluss (also Internet via Kabel oder kabellos) lassen sich einerseits Web-Radio und andererseits das eigene Netzwerk finden. Dieser Internetanschluss macht es auch möglich, dass geladene Musik automatisch erkannt wird (via Musikerkennungsdienst Gracenote). Fehler sind dabei nicht ausgeschlossen: Bei unserem Test wurde ein von Kindern gesungenes Weihnachtslied als Song des Baywatch-Sängers David Hasselhoff identifiziert. Ob das mit dessen Alkohlkonsum zu tun hat?

Externe Geräte können via Bluetooth verbunden werden, was im Test mehrere Anläufe brauchte. Dann aber konnte auf ein Android-Tablet zugegriffen werden, um von dort etwa den Musikdienst Spotify zu nutzen. Denn dieser ist bei der SoundVision nicht integriert. Hingegen kann auf den Internet-Radiodienst Aupeo zugegriffen werden, der aber vergleichsweise schwachbrüstig und zudem werbefinanziert ist. Apple-Geräte müssen via Bluetooth verbunden oder direkt angesteckt werden; Wiedergabe via AirPlay ist nicht möglich. Einen Minuspunkt gibt es für die Tatsache, dass für den Empfang von FM-Radiosender keine integrierte Antenne vorhanden ist, sondern nur der Anschluss via Hausantenne vorgesehen ist.

Überhaupt die Anbindung: Im Test hat sich die WLAN-Verbindung ans Heimnetz als etwas anfällig erwiesen, während andere Geräte einwandfreien Zugriff hatten. Es empfiehlt also eher eine Vernetzung via LAN oder Powerline (Internet via Stromnetz), sonst wird das Hören von Web-Radiosendern mühsam.

Das Wichtigste: Der Klang

Stärkstes Argument für den Kauf der SoundVision ist sicherlich der Sound. Dieser ist satt und füllte auch größere Räume gut aus. Naturgemäß kann ein Gerät mit integrierten Lautsprechern nicht den Stereo-Effekt mehrerer, verteilter Lautsprecher erreichen, doch dieses Manko scheint für den „normalen“ Musikgenuss verkraftbar. Wer die SoundVision zur vollen (Lautstärke-)Entfaltung bringt, kann schon Wände (und Nachbarn) erzittern lassen.

Ein Manko ist hingegen die etwas nervige Bedienung. Weshalb man nicht etwas mehr Hirnschmalz in die notwendige Software gesteckt hat, erscheint angesichts des Kaufpreises von rund 1500 Euro doch verwunderlich. Nicht nur reagiert der Touchscreen – wie bereits erwähnt – zuweilen sehr träge, es waren auch bestimmte Menüpunkte erst nach einiger Suche aufzufinden. Zudem ist die mitgelieferte Fernbedienung nicht weniger umständlich. Hier stand offenbar Design vor Funktionalität.

Das Fazit

Die SoundVision ist eine Musikanlage, die erstens gut aussieht und zweitens sehr guten Sound liefert. Die Bedienung kann allerdings mit dem hochwertigen Design und dem erstklassigen Sound nicht mithalten, beim Touchscreen wurde offenbar gespart. Dennoch: Ein starker Riegel für den ästhetisch einwandfreien Sound.

Eckdaten

Loewe Soundvision: Musikanlage mit 7,5“-Touchscreen, FM-Radio (50 Speicherplätze), CD-Laufwerk, USB- und Internet-Anschluss, iPhone/iPod-Dock, Audio analog, Fernbedienung; Leistungsaufnahme im Betrieb: 13 Watt; Gehäuse in schwarz, chromsilber oder weiß/Hochglanz.

Preis: ca. 1500 Euro (u.a. via geizhals.at).

 
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