Meinung

Jochen Hahn
02.01.201309:49 Uhr
2013 – Jahr der sozialen Tragödien und der Sachinflation

2013 – Jahr der sozialen Tragödien und der Sachinflation

  • Das neue Jahr wird in Europa zu einer enormen Zunahme von Ungleichgewichten führen. Ausschlaggebend dafür sind die als "Rettung für den Euro" verschrieenen Geldspritzen der EZB, gepaart mit den harten Sparpaketen in Südeuropa.

Während also die Bürger in den europäischen Krisenländer immer ärmer werden, die Arbeitslosigkeit explodiert und die Mittelschicht implodiert, führt das viele billige Geld zu einer schon jetzt deutlich erkennbaren Sachinflation. Dass aufgrund der krisenbedingten Risikoaversion Gold- und westeuropäische Immobilien-Preise kräftig steigen, ist bekannt, 2012 gesellten sich aber auch die Aktienkurse hinzu. Das mag am Beispiel Deutschlands aufgrund der exportbedingt steigenden Unternehmensgewinne seine Berechtigung haben, ansonsten fehlt allerdings die fundamentale Rechtfertigung für die sich besonders seit Herbst beschleunigende Aktienrally.

Genau diese liquiditätsbedingte Börsen-Hausse ist allerdings ein Indiz für eine bedrohliche Entwicklung im neuen Jahr. Denn die Risikoaversion sinkt mit jedem Tag. In immer mehr Anlegerköpfen gilt die Euro-Krise als besiegt und nun gilt es aus den sicheren Häfen in renditebringendere Anlagen zu wechseln. Dieser „Big Change“ dürfte sich in erster Linie in einem Switch von Anleihen in Richtung Aktien aber auch Rohstoffen abspielen. Gesellen sich dazu auch noch sich langsam bessernde Wirtschaftsdaten, dann könnte sich diese Rotation verselbständigen und die Märkte rauschen schnurstracks in die nächste Preis-Bubble. Die Gewinnerlisten anführen dürften dabei die Banken. Das beweist auch ein Blick auf die Kursentwicklung ab September: Seit Herbstbeginn zeigen Bank-Aktien eine sehenswerte Outperformance.

Die enormen Geldmengen die in den vergangenen Jahren ins System gepumpt wurden, sprechen jedenfalls für eine gigantische Dynamik einer solchen Entwicklung. Das könnte die Börsen sehr rasch auf neue Allzeithochs katapultieren und am Rohstoffmarkt zu vergleichbaren Aufschlägen führen. Den Notenbanken werden zinsbedingt aufgrund der hohen Staatsverschuldungen die Hände gebunden sein. Das spricht auf Sicht, nach Sachinflation, auch für tatsächlich spürbare Inflation. Und wen trifft eine derartige Entwicklung am stärksten? Genau jene, die in Südeuropa ohnehin unter den Sparpakten leiden. So schließt sich der Teufelskreis.

Der Euro wird demnach vor der nächsten Bewährungsprobe stehen. Diesmal wird der Druck neuerlich von den Märkten kommen, allerdings von überschwänglich feiernden und preistreibenden.

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