Meinung

Othmar Pruckner
03.01.201314:01 Uhr

Wir Kapselschlucker

Hundert neue Teesorten? Ja, bitte. Tee aus Kapseln? Nein, danke. Man muss ja nicht zwanghaft jede als Innovation getarnte Blödheit mit gespielter Begeisterung mitmachen.

Winterzeit, Kältezeit, Teezeit! Achtung, dies ist eine Werbeschrift. Für Gute Laune, Magenfreund und Früchtetraum, aber in erster Linie für Earl Grey, Ceylon und Darjeeling. Damit verbunden, man ahnt es, schwärmt der Autor für die feine englische Art. Für High und Low, Early Morning, Formal und Afternoon Tea. I love coffee, I love tea! Das verstehen wir alle, und nicht nur dank Manhattan Transfer. Beide "Heißgetränke“ machen das Leben erst lebenswert - wobei Tee, ehrlich, irgendwie eleganter daherkommt. Wenn er nicht gerade im so genannten Szenelokal serviert wird, als kläglicher Beutel auf der Abtropf-, pardon: Untertasse, der verzweifelt darauf wartet, in das lauwarme Wasser getunkt zu werden. Igitt. - It’s tea-time!

Der Trend, so kommt es einem vor, setzte im tiefsten Waldviertel, bei Sonnentor, ein und hat nun bald jede Teekanne erreicht. Endlich springen auch die ganz Großen auf den fahrenden Zug. Darauf hat die Welt gewartet: Ein einschlägig vorbelasteter Konzern produziert jetzt Tee in Kapseln. Ist schon der Kapselkaffee ein, sagen wir, Marketingwunder, so ist Kapseltee nur noch: zu viel der Guten Laune. Nichts gegen Abwechslung, nichts gegen fesche Maschinen. Aber blauer Tee aus der Alu-Patrone, aufgebrüht in einem roten Tee-Kochapparat namens "Chinesischer Drachen“, das geht eindeutig zu weit. In Deutschland, vermutlich, werden sie auch das schlucken. In England: Oh my God! In Österreich? Abwarten und Tee trinken. Schau ma amal. Nur das Szenelokal, das darf sich von mir aus so ein Teufelszeug anschaffen. Weil die werden dort sowieso niemals lernen, richtigen Tee richtig zu kochen.

- Othmar Pruckner

 
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