Internationale Wirtschaftsnachrichten

Reuters/feh
01.12.201215:03 Uhr
Deutsche HSH-Bank: Weitere 1,3 Milliarden € sollten reichen

Deutsche HSH-Bank: Weitere 1,3 Milliarden € sollten reichen

  • Bankchef Constantin von Oesterreich braucht zwischen 2019 und 2025 stattliche Grantien von bis zu 1,3 Milliarden. Zusätzlich zu den bereits 2009 geflossenen drei Milliarden Kapital und 10 Milliarden an Garantien.

Die HSH Nordbank will die Schifffahrtskrise mit möglichst wenig Staatshilfen überstehen. HSH-Chef Constantin von Oesterreich betonte, die Bank werde von den Haupteigentümern Hamburg und Schleswig-Holstein nicht mehr als die 1,3 Milliarden Euro in Anspruch nehmen.

"Davon bin ich zum jetzigen Zeitpunkt überzeugt", sagte von Oesterreich dem "Hamburger Abendblatt" (Samstagausgabe). Die Bank hatte bereits vor Wochen gewarnt, dass sie von 2019 bis 2025 staatliche Garantien von bis zu 1,3 Milliarden Euro in Anspruch nehmen muss. Die Prognose der Bank, dass diese Summe von 2019 an abgerufen werden könnte, sei absolut realistisch, betonte von Oesterreich.

Zudem wehrt sich von Oesterreich gegen eine etwaige Abwicklung der Landesbank Hamburg und Schleswig-Holstein. "Wer die Abwicklung der Bank fordert, muss sich im Klaren darüber sein, welchen immensen Schaden das für die Länder und die Region nach sich ziehen würde", sagte der Banker. So würden die Haushalte nachhaltig belastet, es würde ein erheblicher Schaden für den Norden und insbesondere für die maritime Wirtschaft entstehen. "Mehr als 3000 Arbeitsplätze bei uns und viele weitere im Umfeld wären gefährdet."

Erst vor wenigen Wochen hatte die HSH die Wahrscheinlichkeit, dass die Staatshilfe in Anspruch genommen werden muss, auf über 50 Prozent beziffert. Die HSH zahlt für die Staatsgarantien Gebühren. Das Institut gehört zu 85 Prozent den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein. 2009 mussten sie die Bank mit drei Milliarden Euro Kapital und einer Garantie über zehn Milliarden Euro retten. Vor allem die Schiffsfinanzierung setzt dem Geldhaus zu. Die Reeder leiden unter Überkapazitäten im Markt und sinkenden Raten. Viele Schiffe können deshalb ihre Kosten nicht einspielen. Die HSH will in den nächsten Tagen ihre Quartalszahlen vorlegen.

RAZZIA BEI EX-HSH-CHEF NONNENMACHER

Neben dem schwachen Geschäft holt die Bank eine frühere Affäre um den Abgang des einstigen IT- und Personalvorstands Frank Roth ein. So hatte die Staatsanwaltschaft Kiel am Mittwoch Wohnungen des ehemalige HSH-Chefs Dirk Jens Nonnenmacher durchsucht. "Es geht um falsche Verdächtigung im Kontext Roth", hatte Staatsanwältin Birgit Heß am Freitag Reuters gesagt. Die HSH erklärte, sie habe Kenntniss, dass gegen Nonnenmacher, der die Bank im Frühjahr 2011 verließ, wegen des Vorwurfs der falschen Verdächtigung und der Untreue ermittelt werde.

Die HSH hatte Roth 2009 zu Unrecht entlassen. Dafür hat sich das Hamburger Institut in der Zwischenzeit bei ihm entschuldigt und ihm eine millionenschwere Abfindung bezahlt. Roth war beschuldigt worden, geheime Unterlagen weitergegeben zu haben. Ermittlungen der schleswig-holsteinischen Generalstaatsanwaltschaft entlasteten den Bankmanager jedoch. Die Ermittler kamen zu dem Schluss, dass die Bank gezielt falsche Spuren gelegt habe, um Roth zu diskreditieren.

Unterdessen forderte Schleswig-Holsteins Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) HSH-Aufsichtsratschef Hilmar Kopper auf, die Millionenabfindung für Ex-Bankchef Nonnenmacher erneut zu prüfen. Es müsse untersucht werden, "ob sich neue Erkenntnisse im Sinne der Regelungen des Aufhebungsvertrages zwischen der HSH Nordbank und Herrn Prof. Nonnenmacher ergeben", sagte Heinold "Spiegel-Online". Sollte dies der Fall sein, erwarte die Ministerin, dass der Aufsichtsrat vor dem Fristablauf am 15. Dezember "alle Maßnahmen ergreift, um die Abfindung von Nonnenmacher zurückfordern zu können".

 
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