Internationale Wirtschaftsnachrichten

Bloomberg/schuch
23.10.201212:49 Uhr
Trotz Krise: Neue Milliardäre in Spanien und Italien

Trotz Krise: Neue Milliardäre in Spanien und Italien

  • Die steigende Nachfrage aus den Schwellenländern nach 76-Euro-Kleidern von Zara und 2300-Euro-Handtaschen von Prada hat drei neue Milliardäre geschaffen, die aus Staaten im Zentrum der europäischen Schuldenkrise stammen.

Sandra Ortega Mera, die 44-jährige Tochter von Amancio Ortega - Europas reichstem Mann -, kommt auf ein Vermögen von 1,1 Mrd. Dollar, wie aus dem Bloomberg Billionaires Index hervorgeht. Sie hält ein Prozent an dem weltgrößten Textileinzelhändler Inditex, zu dem auch die Modekette Zara gehört.

Die Aktien des Unternehmens aus dem spanischen Arteixo haben in diesem Jahr rund 55 Prozent zugelegt. Unterdessen beträgt die Arbeitslosenquote in Spanien mehr als 20 Prozent.

Das Vermögen von Marina Prada und ihrem Bruder Alberto Prada Bianchi, Enkel des Prada-Gründers Mario Prada, beläuft sich auf jeweils 2,6 Mrd. Dollar. Seit Jahresbeginn sind die Aktien des italienischen Luxusgüterkonzerns in Hongkong um gut 73 Prozent in die Höhe geschossen. Derweil dürfte die italienische Wirtschaft 2012 schrumpfen - voraussichtlich um 2,4 Prozent, wie die Regierung in Rom im September mitteilte.

“Es gibt derzeit wirklich keine schwierigeren Heimatmärkte als Italien und Spanien”, sagt Rahul Sharma, geschäftsführender Direktor vom Handelsberatungsunternehmen Neev Capital in London. “Für beide Unternehmen gilt: ein großer Teil ihres Erfolgs in Europa hängt davon ab, den Kunden das Gefühl eines frischen Looks zu vermitteln. Wenn die Kunden den Eindruck haben, sie sehen etwas Andersartiges, sind sie weniger preisempfindlich. Das ist erstrebenswert, wenn man nach Asien geht, wo die Produkte exotischer wirken.”

Sprudelnde Gewinne

Keiner der drei Milliardäre ist bislang auf einer internationalen Reichen-Liste erschienen. Jose Leyte, Sprecher von Sandra Ortega, sagte, sie wolle sich zu ihrem Nettovermögen nicht äußern. Ein Sprecher von Prada in Mailand erklärte, die Geschwister lehnten einen Kommentar ab. Die Aktienkurse von Inditex und Prada klettern aufgrund der Nachfrage aus Ländern wie Brasilien und China. Die Preispolitik von Zara lockt kostenbewusste Käufer, die nach bezahlbarer Mode Ausschau halten. Die Kette bietet beispielsweise Schals für 13 Euro und Röcke für 46 Euro an. Inditex vertreibt mittlerweile acht Einzelhandelslinien und hat in der ersten Jahreshälfte 166 Läden in rund 100 Städten eröffnet, darunter 32 Geschäfte in China. Den ersten chinesischen Online-Shop von Zara gibt es seit September.

Inditex legte im September einen Gewinnanstieg von 32 Prozent auf 944 Mio. Euro für das erste Halbjahr vor. Der Umsatz erhöhte sich infolge der Stärke der globalen Expansion um 17 Prozent auf mehr als 7 Mrd. Euro.
Prada verkauft Handtaschen für 2300 Euro und Schuhe für 727 Euro. Das Unternehmen profitierte vom Hunger der Chinesen nach Luxusprodukten und berichte im vergangenen Monat einen Gewinnanstieg um 60 Prozent auf 289 Mio. Euro für das erste Halbjahr. Der Umsatz legte um 19 Prozent zu auf 1,5 Mrd. Euro, wozu ein Anstieg um 45 Prozent im Raum Asien-Pazifik wesentlich beitrug.

“Wir verstehen Konsumenten überall auf der Welt”, sagte der 66-jährige Vorstandschef Patrizio Bertelli, ein Milliardär, bei der Ergebnisvorstellung am 24. September. “Chinesen beispielsweise sind viel modebewusster und achten mehr auf das, was sie tragen als noch vor ein paar Jahren”, sagte er. Überall auf der Welt müssten die Verbraucher zum Kaufen verlockt werden, ergänzte er.

Rückblick

Mario Prada eröffnete sein erstes Geschäft für Luxusprodukte 1912 in Mailand. Das Angebot umfasste Reisekoffer, Lederhandtaschen, Kosmetikkoffer und Accessoires aus Leder. 1919 wurde Prada zum königlichen Hoflieferanten ernannt. In den 1970er Jahren expandierte das Unternehmen zu einer internationalen Marke. Zu dieser Zeit war die Enkelin Miuccia Prada für das Design verantwortlich, während sich Bertelli um Verkauf und Vertrieb kümmerte. Die 64-jährige Miuccia ist heute die Aufsichtsratsvorsitzende von Prada, Vorstandschef Bertelli ihr Ehemann.

Miuccias ältere Geschwister Marina und Alberto Prada arbeiten als Berater für das Unternehmen: Marina im Bereich Public Relations, Alberto im Bereich Vertrieb und Standortsuche. Jeder hält 12 Prozent im Wert vom mehr als 2 Mrd. Dollar an Prada über drei Familienholdings mit Sitz in Mailand: Bellatrix, Gipafin und Prada Holding BV.

Seit 2009 haben Marina und Alberto ein Barvermögen von jeweils geschätzt fast 200 Mio. Dollar angesammelt, gespeist auch aus Dividenden und Aktienverkäufen im Börsengang von Prada 2011. Miuccia Prada und Bertelli besitzen jeweils 28 Prozent von Prada; ihre Anteile werden mit rund 5,7 Mrd. Dollar bewertet. Seit dem Börsengang haben beide mehr als 500 Mio. Dollar aus Vergütungen, Dividenden und Aktienverkäufen verdient.

Inditex ging 2001 an die Börse, was Amancio Ortega und seiner heutigen Ex-Frau Rosalia Mera zu Gute kam. Mera, 68, war Mitgründerin des Unternehmens und hält mehr als vier Prozent über die Investmentgesellschaft Rosp Corunna mit Sitz in La Coruna. Mera besitzt 86 der Anteile an dieser Gesellschaft, die restlichen 14 Prozent hält beider Tochter Sandra Ortega. In den Anfängen produzierte das Ehepaar von zu Hause aus Bademäntel.

Sandra Ortega ist nicht im Management von Inditex tätig, verwaltet aber zusammen mit ihrer Mutter Rosp Corunna. Diese Investmentholding verkaufte im Börsengang von Inditex-Aktien für 550 Mio. Dollar und setzte die Mittel zur Finanzierung eines Portfolios von jungen Startups ein. Darunter ist auch eine Beteiligung von fünf Prozent an Zeltia SA, einem börsennotierten spanischen Pharmaunternehmen.
Wie ihr Vater, der im August Warren Buffett überholte und zum drittreichsten Mann der Welt aufrückte, meidet auch Sandra Ortega das Rampenlicht. Die Psychologin lebt mit ihrem Mann und drei Kindern in der Region Galizien an der nordwestlichen Küste Spaniens. Sie ist auch Vizepräsidentin der Fundacion Paideia Galiza, die sich um die Integration von behinderten Menschen in die Gesellschaft kümmert. Zur Gründung der Stiftung hat das Schicksal ihres Bruders Marcos beigetragen, der geistig behindert ist.
Unter den 20 größten Vermögen weltweit geht fast die Hälfte auf den Einzelhandel zurück. Das zeigt der Bloomberg Billionaires Index. Amancio Ortega liegt mit 53,6 Mrd. Dollar mehr als 10 Mrd. Dollar vor Ingvar Kamprad, dem Gründer der Möbelkette IKEA. Zu den vier nächstgrößten Vermögenden in Europa zählen die Erbin des Kosmetik-Imperiums L’Oréal, Liliane Bettencourt, mit 25,5 Mrd. Dollar sowie der Vorsitzende von Hennes & Mauritz AB, Stefan Persson, mit rund 25 Mrd. Dollar und der Gründer von LVMH Moet Hennessy Louis Vuitton SA, Bernard Arnault, mit ebenfalls rund 25 Mrd. Dollar.

 
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