Internationale Wirtschaftsnachrichten

APA/schuch
22.09.201219:53 Uhr
Kopfgeld von 100.000 Dollar auf "Gotteslästerer" ausgesetzt

Kopfgeld von 100.000 Dollar auf "Gotteslästerer" ausgesetzt

  • Während die Proteste gegen das Schmähvideo weitergehen, hat ein pakistanischer Minister nun gar ein Kopfgeld auf den Produzenten des Films ausgesetzt.

Deutsche Muslime haben den zweiten Tag in Folge gegen das in den USA produzierte islamfeindliche Video demonstriert. In Dortmund zogen am Samstag 1500 Muslime friedlich durch die Innenstadt, in Karlsruhe startete ein Protestzug mit zunächst 200 Teilnehmern. Auf Plakaten in Dortmund hieß es: "Nein zu Gewalt, Ja zu Toleranz."

Ein pakistanischer Minister hat nun gar ein Kopfgeld auf den Produzenten des Films aus den USA ausgesetzt. Eisenbahnminister Ghulam Ahmed Bilour versprach am Samstag demjenigen, der "diesen Gotteslästerer" töte, 100.000 Dollar (76.994 Euro). Bilour forderte die Taliban und das Terrornetzwerk Al-Kaida auf, sich der "noblen Sache" anzuschließen. Am Samstag hatten in Pakistan erneut tausende Menschen gegen den islamfeindlichen US-Film demonstriert. In der Hauptstadt Islamabad marschierten mehr als 5000 Menschen, darunter hunderte Frauen, zum Parlament.

Der deutsche Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) kritisierte die Gewalt im Namen der Religion. "Die größte Beleidigung für eine Religion ist es, in ihrem Namen Gewalt auszuüben", sagte er der "Bild"-Zeitung (Samstag).

Die deutsche Bundesregierung will eine öffentliche Aufführung des Films, wie es die rechtspopulistische Splitterpartei "Pro Deutschland" in Berlin plant, verhindern. "So einen Film darf man nicht zeigen", forderte Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) in dem Blatt "Wir sollten nicht zusätzlich Öl ins Feuer gießen", sagte er. "Derjenige, der sich in dieser Frage auf grenzenlose Meinungsfreiheit beruft, hat keine Ahnung, welche Konflikte dadurch noch provoziert werden können."

Auch die Integrationsbeauftragte der deutschen Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), ist dagegen, das Video öffentlich vorzuführen. "Denjenigen, die das vorhaben, geht es ja nicht um die Kunst- oder die Meinungsfreiheit. Sie wollen die öffentliche Ordnung stören", sagte sie der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Der Berliner Innensenator Frank Henkel (CDU) sagte dem Blatt, das "Machwerk" diene dazu, "Muslime zu verleumden" und in ihrer Würde zu verletzen.

Proteste auch in Wien

Bis zu 400 Teilnehmer haben laut Polizeiangaben am Samstagnachmittag vor der US-Botschaft in Wien-Alsergrund an einer Protestkundgebung gegen den Mohammed-Film teilgenommen. Grundtenor war, dass sie sich gegen die Beleidigung ihres Propheten wenden. Allerdings distanzierten sich einige Teilnehmer gegen eine Unterstützung des Kalifats, die von anderen Teilnehmer propagiert wurde. Die Protestaktion verlief zunächst friedlich.

Zur Organisation der Demonstration unter dem Motto "Protest gegen die Unzumutbarkeit der US-Filmindustrie und den Schmähfilm gegen den Propheten Mohammed" wurde eigens eine Facebook-Gruppe gegründet, hinter der Einzelpersonen stehen, darunter unter anderem der junge Österreich-Tunesier Abdullah F.

Auch in der Schweiz ist heute gegen den islamfeindlichen Film aus den USA protestiert worden. Rund 200 Muslime versammelten sich auf dem Helvetiaplatz in Bern und forderten einen besseren Schutz der religiösen Gefühle in der Schweiz. Zur Kundgebung hatten der Islamische Zentralrat Schweiz (IZRS) und vier weitere muslimische Organisationen aufgerufen. Die Stadt Bern untersagte ihnen den ursprünglich geplanten Demonstrationszug zur US-Botschaft in Bern sowie zum Bundesplatz, weil dieser bereits durch eine andere Kundgebung belegt war.

Der Islamische Zentralrat sah die Kundgebung nicht in erster Linie als Protest gegen den islamfeindlichen Film. Man wolle vielmehr die Gesetzgeber in der Schweiz auffordern, rechtliche Normen zu erlassen, um religiöse Gefühle besser zu schützen, teilte der IZRS mit. Die Kundgebung begann mit einem Gebet, danach gab es Reden auf Deutsch und Arabisch.

IZRS-Präsident Nicolas Blancho sprach angesichts des Anti-Islam-Films von einer Provokation und Beleidigung für alle Muslime. In Erinnerung an die umstrittenen Mohammed-Karikaturen aus dem Jahr 2005 sagte Blancho, die Provokation sei gleich geblieben, nur der Ton habe sich verschärft. Eine Entschuldigung der US-Regierung reiche nicht mehr aus, es seien Taten nötig, um solche Provokationen zu verbieten.

Die Islamischen Nationalverbände der Schweiz, FIDS und KIOS, hatten sich im Vorfeld von der Kundgebung distanziert. Eine Demonstration in Bern sei zu diesem Zeitpunkt ein missverständliches Zeichen, teilten sie mit. Insgesamt vertreten FIDS und KIOS nach eigenen Angaben über 200 muslimische Zentren oder Vereine.

"Demonstration von Freiheit"

Dagegen rief der Journalist und Schriftsteller Günter Wallraff zur Veröffentlichung weiterer Mohammed-Karikaturen auf. "Solange sich nur einzelne Individuen oder Medien an dieser Demonstration von Freiheit beteiligen, wird nicht viel erreicht", sagte Wallraff dem "Tagesspiegel". Zeitungen, Illustrierte und Magazine müssten überschwemmt werden mit Karikaturen zu allen Religionen. "Das wäre eine deutliche Botschaft." Sich angesichts der Proteste gegen Mohammed-Darstellungen wegzuducken, sei genau der falsche Weg, sagte Wallraff. Damit würden diejenigen ermutigt, die mit "Drohungen, Einschüchterungen und mordlüsternen Aktionen Terrain gewinnen wollen."

In der islamischen Welt hat das Video massive Proteste und eine Welle der Gewalt ausgelöst, die schon mehrere Menschen das Leben gekostet hat. In Dortmund riefen die Demonstranten: "Respekt für alle Religionen. Stoppt den Film, stoppt den Spott!" In einem Flugblatt forderten sie ein Gesetz, das das Verspotten und Schmähen von heiligen Symbolen aller Religionen untersagt. Männer und Frauen gingen in jeweils eigenen Demonstrationszügen.

Bereits am Freitag hatten in Freiburg, Münster und Cuxhaven insgesamt rund 1600 Menschen gegen die Beleidigung des Propheten demonstriert. Der Film "Unschuld der Muslime" stellt den islamischen Propheten Mohammed unter anderem als vertrottelten, lüsternen Bösewicht dar. Allein die Darstellung des Propheten als Mensch ist für strenggläubige Muslime anstößig.

 
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