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Reuters/feh
14.09.201218:08 Uhr

Billiges Geld treibt die Börsen an

Die Aussicht auf eine neue Welle billigen Geldes der US-Notenbank Fed hat die Finanzmärkte am Freitag weltweit angetrieben. Die europäischen Aktienindizes kletterten teilweise auf Mehrmonats-Hochs.

Ihre US-Pendants notierten so hoch wie schon seit Jahren nicht mehr. Der Euro übersprang die Marke von 1,31 Dollar und auch die meisten Rohstoffe verteuerten sich. Die Risiken der erneuten Geldschwemme spielten nur eine untergeordnete Rolle.

Die Fed hatte am Donnerstagabend unter anderem angekündigt, zur Ankurbelung der schwächelnden US-Konjunktur weitere Immobilienpapiere aufkaufen zu wollen. Außerdem sollen die Zinsen mindestens bis Mitte 2015 bei faktisch null Prozent bleiben.

"Das ist genau das, was die Wall Street und eigentlich auch die breite Masse von der Fed erhofft hatten", sagte Todd Schoenberger, Geschäftsführer des Brokerhauses Blackbay. "Hätte die Fed sich für das Abwarten anstelle ihres proaktiven Vorgehens entschieden, wäre die Rezessionsgefahr sehr viel höher gewesen."

DOW, DAX & CO. IM AUFWIND - T-BOND- UND BUND-FUTURE TIEFER

Der Dax stieg zeitweise auf ein 14-Monats-Hoch von 7446,47 Punkten und verabschiedete sich mit einem Plus von 1,4 Prozent bei 7412,13 Zählern in den Feierabend. Damit summiert sich das Plus im Vergleich zum Vorwochenschluss auf 2,7 Prozent. Der EuroStoxx50 gewann am Freitag 1,8 Prozent auf 2589,28 Punkte.

An der Wall Street bauten die US-Aktien ihre Vortagesgewinne aus. Der Standardwerte-Index Dow Jones und der breiter gefasste S&P500 kletterten kurz nach Eröffnung des US-Handels auf den höchsten Stand seit knapp fünf Jahren. Der technologielastige Nasdaq stieg zeitweise sogar auf ein Zwölf-Jahres-Hoch.

Für den JPMorgan-Anlagestrategen Emmanuel Cau ist ein Kursanstieg von weiteren 15 Prozent denkbar. "Darüber hinaus bedarf es aber eines klaren Signals für eine Beschleunigung des Wirtschaftswachstums. Bislang ist dies aber nicht in Sicht."

Auch an den Rohstoff-Märkten trieben die Optimisten den Preis der richtungsweisende Nordsee-Ölsorte Brent um 1,8 Prozent in die Höhe auf 117,95 Dollar je Barrel (159 Liter). Der Preis für eine Tonne Kupfer stieg sogar um bis zu 4,2 Prozent auf 8411 Dollar. In beiden Fällen war es der höchste Kurs seit Anfang Mai.

Unter dem gestiegenen Risiko-Appetit der Investoren litten hingegen die sicheren Häfen - Anleihen aus den USA und Deutschland. Der T-Bond- und der Bund-Future rutschten um jeweils mehr als 150 Ticks auf 144-23/32 und 138,70 Punkte ab.

FINANZTITEL UND KONJUNKTURABHÄNGIGE WERTE GEFRAGT

Bei den Unternehmen gehörten die Finanzwerte zu den Favoriten. Der europäische Bankenindex stieg um 2,3 Prozent. Deutsche Bank und Commerzbank legten um 5,2 und 3,1 Prozent zu. Im Dow Jones gehörte die Aktie der Bank of America mit einem Plus von 1,8 Prozent zur Spitzengruppe.

Gefragt waren auch konjunkturabhängige Werte. Im Dax legten ThyssenKrupp um 6,4 Prozent zu. Der weltgrößte Stahlkocher ArcelorMittal übernahm die Spitze im EuroStoxx50. Seine Aktien zogen um 9,2 Prozent an. Bei den US-Standardwerten gehörten der Aluminium-Hersteller Alcoa und der Baumaschinen-Hersteller Caterpillar mit Kursgewinnen von jeweils etwa drei Prozent zu den größten Gewinnern.

EXPERTEN WARNEN VOR RISIKEN UND NEBENWIRKUNGEN

Ungeachtet des Kursfeuerwerks warnten zahlreiche Börsianer vor den Folgen der neuen Geldschwemme. Klaus Kaldemorgen, Chefstratege Deutsche Bank-Fondstochter DWS, bezeichnete das Vorgehen der Fed als "hemmungslos". "Die Frage ist, wie lange wirken die Drogen der Zentralbanken. In zwei bis drei Jahren wird man feststellen, dass das Geld in der Realwirtschaft nicht angekommen ist und die Zentralbanken ihr Pulver verschossen haben."

Walter Zimmermann, Chef-Anlagestratege des Research-Hauses United ICAP, wies auf die Inflationsgefahren der nunmehr dritte Runde der geldpolitischen Lockerung (QE3) hin. Vor diesem Hintergrund wertete der Dollar kräftig ab. Der Dollar-Index, der die Kursentwicklung zu sechs anderen wichtigen Währungen wie dem Euro oder dem Yen widerspiegelt, fiel auf ein Viereinhalb-Monats-Tief. Ein Euro kostete mit 1,3140 Dollar mehr als zwei US-Cent mehr als zum EZB-Fixing des Vortages.

Viele Anleger griffen zudem zur Anti-Inflationswährung schlechthin, dem Gold. Das Edelmetall verteuerte sich um bis zu 0,6 Prozent 1777,51 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) und war damit so teuer wie zuletzt Ende Februar.

 
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