Technik & Wirtschaft

Robert Prazak
03.09.201212:43 Uhr
IFA-Nachlese: Tablets – eine aussterbende Gattung?

IFA-Nachlese: Tablets – eine aussterbende Gattung?

  • Die überraschend rasche Umsetzung von Windows 8 setzt Tablets unter Druck. Die Produktvielfalt wird jedenfalls größer.

Starke Umsätze mit Tablets, doch nun kommen neue Hybridgeräte mit Microsoft-Betriebssystem.

Mit Tablets wurde in Westeuropa im ersten Halbjahr um 142 Prozent mehr Umsatz gemacht als im Halbjahr 2011. Damit ist diese Gerätekategorie die am stärksten wachsende Hardware-Sparte; das liegt auch am zunehmenden Interesse seitens der Geschäftskunden, wie Marktforscher GfK dieser Tage im Rahmen der IFA in Berlin verlautbarte. Einzig E-Book-Reader haben mit einem Plus von mehr als 93 Prozent halbwegs mithalten können.

Und doch waren Tablets bei der heurigen IFA eher eine Randerscheinung. Das liegt weniger daran, dass die Vormachtstellung von Apple von anderen Herstellern nun endgültig anerkannt wird, schließlich hat etwa Google mit dem von Asus hergestellten Nexus 7 eine interessante Alternative parat, die demnächst auch direkt in Österreich erhältlich sein wird. Und auch Sony hat mit dem Xperia Tablet S, einer aufgemotzten Variante des bereits erhältlichen Tablets, mehr als ein Nachahmer-Modell parat. Beim Tablet S, das von FORMAT bei der IFA getestet wurde, überzeugt vor allem die Mischung aus Leistung, Handlichkeit und guter Form (eine Seite ist wie ein Buchrücken abgerundet).

Rasche Umsetzung

Weshalb also spielen Tablets bei der IFA nicht die Hauptrolle? Ganz einfach: Schuld ist die überraschende Umsetzung von Windows 8 für neue Hybridgeräte, die die Eigenschaften von Tablets und Notebooks vereinen. Als gutes Beispiel mag erneut Sony dienen: Die Japaner haben mit dem Vaio Duo 11 (Bild oben) ein sogenannte „Hybrid Ultrabook“ präsentiert, das einen 11,6 Zoll großen Bildschirm hat, 1,3 Kilogramm wiegt und sowohl via Touchscreen als auch mit einer Tastatur verwendet werden kann. Das Keyboard gleitet bei Nicht-Benutzung unter den Bildschirm, somit soll sozusagen das Beste aus zwei Welten vereint werden.

Asus war vor einiger Zeit einer der ersten Hersteller mit solchen Geräten gewesen, damals konnte aber die Software nicht überzeugen und die Modellen blieben eine Fußnotiz in der IT-Geschichte. Mit Windows 8 steht nun aber ein Betriebssystem parat, das Tablet- und Notebook-Benutzung in einem Gerät vereinen lässt. Besonders sinnvoll ist das, wenn es dazu einen Digitizer-Stift gibt, mit dem man dann auf dem Ding zeichnen und schreiben kann wie auf Papier. Neben Sony haben unter anderem Lenovo (auf der IFA erstmals gemeinsam mit dem deutschen Günstig-Hersteller Medion auf einem Stand vereint), Acer, Samsung (neue Produktreihe Ativ, etwa Ativ Smart PC), Asus und Toshiba solche Hybridgeräte vorgestellt.

Wie geht es weiter?

Ist das Tablet also schon vom Aussterben bedroht, ehe es so richtig etabliert wurde? Wohl kaum, denn noch bleiben einige Fragezeichen: Die Hybridgeräte sind deutlich teurer als reine Tablets und nicht alle scheinen wirklich ausgereift bis ins letzte Detail. Zudem sind sie doch um einiges sperriger als etwa das von uns schon getestete Nexus 7 (und demnächst dürfte ein Mini-iPad auf den Markt kommen). Natürlich haben Windows-Geräte einen Startvorteil bei Nutzern klassischer PC – doch jüngere Zielgruppen, die schon mit Touchscreens aufwachsen, sehen das ganz anders. Zudem hat Android etwa durch die Offenheit noch ein enormes Potenzial.

Fazit: Die Auswahl für Nutzer – sowohl Privatkunden also auch Businesskunden – wird größer; man hat die Qual der Wahl zwischen Laptop, Ultrabook, Hybridgerät und Tablets in vielen Größen und Formen. Auch entsprechende Preiskämpfe sind zu erwarten. Das alles kann uns nur recht sein.

 
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