Wohnen

Bloomberg/hahn
15.08.201210:47 Uhr
Auferstanden aus Ruinen – Lehman Brothers ist wieder groß im Immobilien-Geschäft

Auferstanden aus Ruinen – Lehman Brothers ist wieder groß im Immobilien-Geschäft

  • Vier Jahre nachdem Lehman die größte Pleite in der US-Geschichte anmelden musste, ist die US-Bank noch immer groß im Immobiliengeschäft dabei.

Wer auf Hawaii eine Eigentumswohnung kaufen will, sich in Montana nach einem Einfamilienhaus umsieht oder ein Luxushotel in Miami sucht, der kann sich all seine Wünsche von nur einer einzigen Firma erfüllen lassen: Lehman Brother.

Vier Jahre, nachdem die Bank die größte Pleite in der US- Geschichte wegen Milliardenverlusten bei Hypotheken anmelden musste, ist Lehman noch immer - oder wieder - groß im Immobiliengeschäft dabei. Die Verwalter der Konkursmasse wetten darauf, dass sie mit ihren Aktivitäten noch rund 12,9 Mrd. Dollar (9,7 Mrd. Euro) für die Gläubiger der Bank herausholen können.

Gerade erst in diesem Jahr kauften sie die verbleibenden 53 Prozent am Wohnhauskonzern Archstone Inc. für 3 Mrd. Dollar. Mit dieser Transaktion wurde Lehman Brothers zum größten Investor bei US-amerikanischen Geschäftsimmobilien in den vergangenen 12 Monaten, gemessen am Wert. Das belegen Daten des Marktforschers Real Capital Analytics.

Seit der Pleite fünf Milliarden investiert

Seit der Pleite hat Lehman insgesamt rund 5 Mrd. Dollar in Immobilien investiert - etwa über den Kauf von Krediten oder die Auszahlung von Joint-Venture-Partnern. Statt die Vermögenswerte direkt auf den Markt zu werfen und zu verkaufen, wartet Lehman auf eine Erholung an den Immobilienmärkten. Erst dann sollen die Bestände zu Geld gemacht werden.

Vergangene Woche unternahm die Firma beispielsweise erste Schritte, um Archstone an die Börse zu bringen. Damit will sich Lehman Brothers die steigende Nachfrage nach Mietwohnungen in den USA zunutze machen.

“Die gesamte Strategie bestand darin, sich nicht in eine Position zu bringen, in der man verkaufen muss”, sagte Jeffrey Fitts, Chef für Immobilien bei Lehman und gleichzeitig Managing Director beim Insolvenzverwalter Alvarez & Marsal. “Wenn man verkauft mit einer Pistole an der Schläfe und die Leute wissen das, dann ist man schon tot. Und man könnte dabei hunderte Millionen von Dollar anderen überlassen.”

Durch die Aktivitäten am Immobilienmarkt und durch andere Maßnahmen will Lehman bis 2016 unterm Strich 53 Mrd. Dollar für die Gläubiger eintreiben. Im Schnitt bekommen sie in diesem Szenario dann rund 18 Cent für jeden Dollar Forderungen. Insgesamt hatten Gläubiger rund 300 Mrd. Dollar an Ansprüchen angemeldet. Die erste Runde an Auszahlungen über 22,5 Mrd. Dollar wurde vergangenen April durchgeführt.

Einer Mitteilung aus dem vergangenen Monat zufolge, will Lehman zumindest einen Teil der gehaltenen Anlagen nicht vor 2015 abstoßen. In derselben Erklärung erhöhte die Firma ihre Prognose für die Eintreibung von Geldern am Immobilienmarkt um 1,6 Mrd. Dollar, verglichen mit den ein Jahr zuvor geäußerten Erwartungen zu diesem Bereich.

Zu riskante Immo-Wetten

Die Pleite von Lehman Brothers im September 2008 kam rund 158 Jahre nach der Gründung des Unternehmens als Baumwollbroker im US-Bundesstaat Alabama. Lehman musste Bankrott anmelden, weil der Finanzkonzern überschuldet war und zu viele risikoreiche Immobilienwetten eingegangen war. Das zeigten spätere Untersuchungen zur Pleite der Bank. Ex-Konzernchef Richard Fuld hatte für 2005, 2006 und 2007 Rekord-Zahlen vorgelegt, nachdem er sich den Boom am Immobilienmarkt zunutze gemacht hatte. Unter seiner Führung wurde Lehman zum größten US-Underwriter von Wertpapieren, die mit Hypotheken besichert sind.

Am Tag vor der Pleite am 15. September 2008 wies Lehman Immobilien-Investments im Volumen von 23 Mrd. Dollar aus. Neun Monate später hatten diese nur noch einen Marktwert von 14 Mrd. Dollar, wie aus bei Gericht eingereichten Unterlagen hervorgeht.

“Wenn ich Gläubiger wäre und keine Ahnung von Immobilien hätte, dann würde ich heute fast Lehman als meinen Immobilien-Berater in Erwägung ziehen”, sagte Lawrence Longua, Director bei REIT Center in New York. “Sie nehmen sich einen Vermögenswert vor, und holen das Meiste raus. Das sollte für mich als Gläubiger nur Vorteile bringen.”

 
pixel