Rohstoffe & Währungen

Reuters/hahn
14.08.201210:58 Uhr
"Die EU sollte sich eine Scheibe abschneiden"

"Die EU sollte sich eine Scheibe abschneiden"

  • Unmenschliche Temperaturen und seit Monaten kein Regen in Sicht: Die schlimmste Dürre in den USA seit mehr als einem halben Jahrhundert gefährdet die Ernte unzähliger Bauern, nicht aber ihre Existenz.

Denn die USA haben ein Hilfssystem etabliert, das viele Experten als vorbildlich betrachten. Es basiert auf einer Teilung der Risiken durch private Versicherer und den Staat. In Deutschland würden Bauern bei vergleichbaren Naturkatastrophen nicht so glimpflich davonkommen.

Die USA sind für die Lebensmittelproduktion nicht wegzudenken. Bei Mais kommen US-Farmer auf einen Anteil am Welthandelsvolumen von fast zwei Dritteln, bei Soja-Bohnen sind es 40 Prozent. Viele Bundesstaaten sind zudem als Hersteller von Weizen und Baumwolle bekannt. Die Erträge werden allerdings immer wieder von Naturkatastrophen zerstört: Neben Dürren sind vor allem Hagel, Frost, Starkregen, Überschwemmungen, Tornados, Erdbeben und Schädlingsplagen ein Problem. Statistisch gesehen sind die Risiken für die Landwirtschaft um ein Vielfaches höher als in anderen Sachversicherungsbereichen. Deswegen wären Policen für viele Felder eigentlich viel zu teuer, nur wenige Bauern könnten und würden sich Versicherungen leisten.

Darauf geben Staaten grundsätzlich unterschiedliche Antworten. In vielen europäischen Ländern, darunter Deutschland und die Schweiz, springt die öffentliche Hand im Notfall ein. Berechenbar ist das nicht. Denn die Politik entscheidet nach Haushaltslage über die Hilfen. Vor Wahlen ist oft mehr Geld drin als in anderen Phasen der Legislaturperiode. Viele Bauern legen deswegen Reserven an, um nicht zu abhängig zu sein.

Staat und Versicherer im selben Boot

Die USA - ebenso wie Kanada und Spanien - haben ein ganz anderes System entwickelt. Hier werden private Versicherer ins Boot geholt und übernehmen viele "normale" Schäden. Für besonders risikoreiche Fälle steht der Staat gerade, ebenso für seltene Mega-Schäden. "Man kann sagen: Der Staat trägt einen Teil der Schäden - je höher die Schäden sind, desto höher ist auch der Staatsanteil", erklärt Münchener-Rück -Experte Karl Murr. Die Prämieneinnahmen im System - vom Staat und den Landwirten kommend - summierten sich 2011 auf knapp zwölf Milliarden Dollar. Nach US-Angaben wurden im selben Jahr mehr als zehn Milliarden Dollar an Schadenersatz ausgezahlt. Die maximale Haftung des Systems liegt momentan bei knapp 114 Milliarden Dollar.

Der weltgrößte Rückversicherer hält das 1980 etablierte und seitdem mehrfach reformierte US-System für überlegen. Bauern müssten selbst bei den größten Katastrophen keine Insolvenz fürchten. So sichere der Staat auf Dauer die Versorgung mit Lebensmitteln, hält diese tendenziell günstig und fördert Existenzen in ansonsten strukturschwachen ländlichen Regionen. "Die EU sollte sich eine Scheibe abschneiden", sagt Münchener-Rück-Vorstand Torsten Jeworrek. Wenn Assekuranzen im großen Stil mit an Bord wären, könnte sich Europa seine milliardenschweren Subventionen für die Höfe sparen.

Allerdings ist der Druck in den USA auch größer als in Europa oder Asien: Sechs der zehn teuersten Dürren seit 1980 entfallen auf die Vereinigten Staaten, dieses Jahr noch nicht mitgerechnet. Besonders verheerend war 1988. Damals entstanden Gesamtschäden von 15 Milliarden Dollar, drei Milliarden davon waren versichert. 2012 könnte weit oben in der Liste landen. Nach ersten Erkenntnissen der Branche wird mit Schadensmeldungen in nie dagewesener Anzahl gerechnet. Neben den USA werden ansonsten öfter Spanien, Portugal, Mexiko und osteuropäische Länder wie Russland, Polen und die Ukraine von Dürren heimgesucht.

Aber es kann auch mildere Klimazonen treffen. Die Hitzewelle 2003 hat in Deutschland, noch stärker aber in Frankreich und Italien, der Landwirtschaft Belastungen in Milliardenhöhe aufgebürdet. Nach Schätzungen aus der Versicherungsbranche wurden damals gerade zehn bis 15 Prozent der tatsächlichen Schäden durch einzelne Policen oder den Staat ersetzt. In Spanien, wo viele Elemente des US-Systems angewendet werden, waren es dagegen immerhin 40 bis 50 Prozent.

Deutsche Versicherungen in der Pflicht

Von den deutschen Unternehmen ist die Münchener Rück jetzt wohl am stärksten betroffen. Der Dax-Konzern ist mit etwa 25 Prozent Marktanteil im Agrar-Segment führender Rückversicherer. Auf längere Sicht lohnt sich das Geschäft trotzdem: "In den letzten zehn Jahren lag unsere Schaden/Kosten-Quote im Schnitt unter 95 Prozent", sagt Agraringenieur Murr. Je niedriger der Wert ist, desto besser verdient der Versicherer. Denn oberhalb von 100 Prozent sind Zahlungen für Schäden und die Verwaltungskosten nicht mehr aus den Prämieneinnahmen gedeckt.

Kurzfristig nützt das aber nicht viel. Zwar stehen die Schäden erst mit der Ernte im Oktober fest, die Münchener Rück hat aber vorsorglich schon 160 Millionen Euro zurückgelegt, was bereits Rekord ist. Ob das reicht, ist unklar. Betroffen sind fast zwei Drittel der Anbaufläche in den USA, unter anderem die Staaten Illinois, Nebraska, Kansas, Missouri und besonders wichtig Iowa.

Auch beim Münchner Nachbarn Allianz wird mit spürbaren Effekten gerechnet: "Das kann durchaus die Größenordnung von 100 Millionen Euro negatives Ergebnis haben", sagt der Chef von Europas größtem Erstversicherer, Michael Diekmann, der in den USA mit der Sachversicherungstochter Fireman's Fund operiert. Die Rückversicherer Swiss Re und Hannover Rück können noch keine Zahlen nennen, sehen sich aber generell nicht besonders stark betroffen.

In den USA dürften vor allem die Spezialisten aus dem Absicherungssystem wie RCIS, eine Tochter der Großbank Wells Fargo, sowie die zum US-Konzern Ace gehörende Rain & Hail in Mitleidenschaft gezogen werden. Beide Firmen betonten zuletzt, durch Rückversicherungen und gedeckelte Verluste sich selbst geschützt zu haben. Prognosen zu den möglichen Lasten stehen noch aus. Analysten rechnen teilweise mit Dollar-Beträgen im dreistelligen Millionen-Bereich.

Preise explodieren

Seit Wochen schon treiben die ungewöhnlich hohen Temperaturen mitten in der Hauptanbauzeit die Agrarpreise nach oben. Die Kurse für US-Terminkontrakte auf Mais, Weizen und Sojabohnen legten zwischen Anfang Juni und Mitte Juli in der Spitze knapp 33 bis gut 50 Prozent zu. Soja und Mais markierten neue Rekordhochs. Bei letzterem gab es in den vier Wochen davor mit gut 40 Prozent die stärkste Kursrally seit Sommer 1988. Für den Sojabohnen-Future war der vergangene Monat mit einem Plus von knapp 14 Prozent der stärkste Juli seit 1983. Weizen lag zeitweise auf einem Vier-Jahres-Hoch.

"Das ist auch eine riesige Lebensmittel-Katastrophe", sagt ein Experte, der nicht namentlich genannt werden will. Nahrungsmittel dürften nun mitten im Wahlkampf teurer werden - ein Thema, das US-Präsident Barack Obama neben den schlechten Wirtschaftsdaten überhaupt nicht gebrauchen kann. Seine Wiederwahl entscheidet sich wenige Wochen nach der Ernte.

Die Marktpreise spielen auch für die Ermittlung der Schäden eine wichtige Rolle. Denn nicht nur die eigentlichen Ausfälle bei der Ernte werden berücksichtigt. "Die Versicherungsverluste werden auch in Zusammenhang mit den Rohstoffpreisen zur Erntezeit gebracht", erklärt David Zona von Fireman's Fund. Mit anderen Worten: Die erzielbaren Erlöse an den Märkten werden in die Rechnung einbezogen. Im Durchschnitt gilt im US-System, dass etwa 80 Prozent der erwarteten Erträge vom Staat und den Assekuranzen abgesichert werden, für den Rest muss der Landwirt - alle Profi-Höfe nutzen das System - selbst aufkommen. Der Vorteil: Bauern, die ansonsten das ganze Jahr investieren und nur einmal große Einnahmen haben, können ihre Ernte oder Teile davon schon vorher verkaufen.

 
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