Internationale Wirtschaftsnachrichten

APA/hahn
15.08.201213:52 Uhr
Vorbild Schweiz: 2012 wird Budget-Überschuss von 1,5 Milliarden Franken erreicht

Vorbild Schweiz: 2012 wird Budget-Überschuss von 1,5 Milliarden Franken erreicht

  • Die Verbesserung ist auf deutlich weniger Ausgaben zurückzuführen.

Die Schweiz rechnet 2012 statt mit einer ausgeglichen Rechnung mit einem Überschuss von 1,5 Mrd. Franken (1,249 Mrd. Euro).

Die Einnahmen hingegen dürften die Erwartungen im Budgetentwurf nicht erreichen. Dass die Ausgaben die budgetierte Höhe nicht erreichen, ist auf das tiefe Zinsniveau zurückzuführen, wie der Bundesrat (Regierung) am Mittwoch aufgrund der Hochrechnung der bis Ende Juni verbuchten Einnahmen und Ausgaben mitteilte.

Die Ausgaben dürften 2,3 Mrd. Franken unter Budget zu liegen kommen. Den absehbaren und unüblich tiefen Nachtragskreditbegehren von 0,4 Mrd. stehen geschätzte Minderausgaben von 2,7 Mrd. Franken gegenüber.

Verantwortlich für die Minderausgaben ist der umfangreiche Kreditrest von 0,8 Mrd. Franken bei den Passivzinsen. Das tiefe Zinsniveau führt zu höheren Agios (Aufschlag auf den Nennwert) bei den Bundesanleihen und zu Negativzinsen bei den kurzfristigen Geldmarktbuchforderungen. Neben den Passivzinsen erwartet der Bundesrat ebenfalls größere Kreditreste bei den Sozialversicherungen (IV, AHV, Prämienverbilligung), der Landesverteidigung und bei den Anteilen Dritter an den Bundeseinnahmen (Mehrwertsteuer, direkte Bundessteuer, Schwerverkehrsabgabe).

Die Einnahmen des Bundes dürften gemäß Juni-Hochrechnung 0,8 Mrd. Franken tiefer ausfallen als budgetiert. Dies ist zum einen Folge eines Basiseffekts wegen überschätzter Einnahmen im Rahmen des Budgets 2011. Zum anderen schlagen sich die verschlechterten Wirtschaftsaussichten 2012 darin nieder. Dies wirkt sich vor allem bei der Mehrwertsteuer mit deutlich geringeren Einnahmen aus. Auch die direkte Bundessteuer wird unter den Erwartungen liegen. Die beiden Faktoren zusammen schmälern die Einnahmen um 565 Mio. Franken.

Wegen der Unsicherheit an den Finanzmärkten verfehlen die Stempelsteuern das budgetierte Ziel um 250 Mio. Franken. Dagegen sind aus der Verrechnungssteuer 200 Mio. mehr zu erwarten. Das Niveau 2011 wird hier aber nicht übertroffen.

Die außerordentlichen Einnahmen aus der Versteigerung von Mobilfunkfrequenzen lagen 100 Mio. Franken höher als veranlagt, heißt es weiter. Die Landesregierung hatte im Budget den Mindestpreis für die Frequenzblöcke eingesetzt. Das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) hatte diesen auf 634 Mio. Franken festgelegt. Bei der Auktion wurden aber 996 Mio. erzielt. Nach Abzug der BAKOM-Gebühren fliessen im laufenden Jahr 738 Mio. Franken und der Rest mit Zinsen 2015 sowie 2016 in den Bundeshaushalt.

Das Parlamentsgesetz verpflichtet den Bundesrat, jedes Jahr per Ende Juni und Ende September Hochrechnungen über das voraussichtliche Jahresergebnis zu erstellen. Die Hochrechnung hat keinen Einfluss auf das Budget 2013, welches der Bundesrat am 27. Juni verabschiedet hatte.

Regelmäßig besser

2011 schloss der Bundeshaushalt mit einem Überschuss von 1,9 Mrd. Franken. Budgetiert war ein Defizit von 600 Mio. Die Staatsrechnung schloss in den letzten Jahren regelmäßig besser ab, als im Budget prophezeit.

Mit den Überschüssen in der Bundeskasse soll es bald vorbei sein. Für 2013 erwartet das Eidgenössische Finanzdepartement ein Defizit von 100 Mio. Franken. Laut dem bundesrätlichen Finanzplan 2014-2016 wächst der Fehlbetrag danach auf 800 Mio. Franken pro Jahr. Grund sind vor allem die höheren Ausgaben für die Armee, nicht zuletzt zum Kauf neuer Kampfjets.

 
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