Meinung

Andreas Lampl
16.08.201209:44 Uhr
Die Power als Millionär

Die Power als Millionär

  • Mit seinem Hardcore-Populismus bleibt Frank Stronach nur eine Rolle als Provokateur.

Jetzt muss er doch selbst ran, der Boss. Lange hat sich Frank Stronach geziert, die Führung der Partei, die er Ende September aus der Taufe heben wird, zu übernehmen. Ihm hätte die Funktion des Puppenspielers besser gefallen als die Rolle der Hauptfigur in dem Stück: Die Power als Millionär.

Aber seine Vertrauten haben den 80-Jährigen überzeugt, dass diesem Unterfangen nur dann Erfolg beschieden sein kann, wenn er selbst auf die Bühne steigt.

Frank Stronach ist eine Marke. Er hat einen ausreichend hohen Bekanntheitsgrad und die persönliche Story vom Arbeiterkind, das ohne „die da oben“ sein Glück gemacht hat. Daraus leitet er die Legitimation ab, sein Heimatland jetzt vor dem Untergang retten zu können. Die ihm das abnehmen, werden ausreichend viele sein, sodass sich der Einzug ins Parlament wahrscheinlich ausgeht.

Der frühere Konzernchef hat ein Jahr lang Zeit zu mobilisieren. Die 25 Millionen Euro, die er selbst als Budget dafür in den Raum gestellt hat, werden wohl die Untergrenze sein. Und Stronach wird sich der Sache mit dem ihm eigenen missionarischen Eifer widmen – zumindest bis zum Wahltag.

Keep it simple

Die Entscheidung, als Spitzenkandidat in die Schlacht zu ziehen, wird der Stronach-Partei – ursprünglich mit dem Arbeitstitel „Österreichische Bürgerallianz“ – den Start erleichtern. Auch weil diese Entscheidung ein klares Statement zur Positionierung als kompromisslos populistische Bewegung ist. „Keep it simple“, das ist Stronachs Motto und wird den klassischen Protestwähler anziehen. Leute, die sich nach einer wirtschaftsliberalen Kraft nach LiF-Muster oder nach einer bürgerlichen Alternative sehnen, werden sich weniger angesprochen fühlen. Und von einer Wirtschaftspartei ist sowieso keine Rede (die wäre auch überflüssig).

Der Zugang des Styria-Kanadiers, den Staat wie einen Konzern zu betrachten, wird aber wenigstens dafür sorgen, dass ein paar Themen Eingang in den Wahlkampf finden, um die sich die Politik seit jeher wortreich drückt. Zum Beispiel eine Radikalkur für die Verwaltung. „Ziel muss sein, 50 Prozent der Verwaltungskosten innerhalb von fünf Jahren zu sparen“, sagte Stronach schon im vergangenen Sommer in einem FORMAT-Interview. Das ist zwar ein bisserl unrealistisch, aber es schadet ja nicht, wenn jemand den Föderalismus-Wahnsinn auch als solchen bezeichnet.

Stronachs Vorstellung, die Allmacht der Parteien zu beschneiden – nicht nur bei der Bestellung von Funktionären für Sport- und Autofahrerklubs, sondern auch bei der Nominierung von Volksvertretern –, könnte ein frischer Ansatz sein. Ebenso könnte seine harsche Geißelung staatlicher Schuldenmacherei den Blick dafür schärfen, dass es keineswegs selbstverständlich ist, wenn in jedem Budget unterm Strich ein Defizit steht. Seiner Glaubwürdigkeit kommt zugute, dass es ihm nicht um Ämter und den Zugang zu finanziellen Ressourcen geht.

Aber eine großartige Innovation innerhalb des politischen Spektrums wird die Stronach-Partei bestimmt nicht. Was bislang von ihm zu hören war, wird der Magna-Gründer auf ziemlich ausgetretenen Populisten-Pfaden wandeln. Mit seinem „Zurück zum Schilling“-Kampfruf übertrumpft er in dieser Disziplin im Moment sogar die FPÖ – in deren Revieren er auch das größte Wählerpotenzial hat. Das BZÖ ist bei einem Antreten Stronachs ohnehin so gut wie tot.

Berlusconi-haftes Gehabe

Das Auftreten des Unternehmers trägt nicht erst seit dem legendären Interview in der „ZiB 2“ vor sechs Wochen leicht autoritäre Züge. Auch seine Goldene Regel ist noch in guter Erinnerung: „Wer das Gold hat, macht die Regel.“ Dem Staatsfernsehen richtete Stronach kürzlich über eine Zeitung aus: „Es wäre angebracht, dass der ORF mir mehr Respekt erweist“ – mit dem Hinweis auf seine in Österreich getätigten Spenden und Investitionen. Da schimmert Berlusconi-haftes Gehabe durch, und Stronach hat ja zumindest erwogen, selbst ebenfalls Medien zu gründen.

Seine Ansicht etwa zur Bildungsdebatte ist deutlich anti-intellektuell geprägt. Im FORMAT-Interview vor einem Jahr sagte er: „Wir brauchen nicht Massen von Soziologen, Philosophen und Germanisten. Was wir brauchen, sind Maurer, Bäcker, Maschinenführer und Techniker.“ Deshalb würden ein paar kleine, privat mitfinanzierte Universitäten reichen.

Auch aus Stronachs Anti-Euro-Kampagne spricht die nicht sehr weit in die Zukunft blickende „Mir san mir“-Mentalität.

Wer ein Ventil für seinen Protest gegen die Mächtigen sucht, die es sich gerichtet haben, den wird das alles nicht stören – im Gegenteil. Da wird nur spannend, wie weit diese Leute einem Dollar-Milliardär Vertrauen schenken. Bei Entscheidungsträgern wird Stronach jedoch eingeschränkt punkten.

Mit dieser Linie legt er sich fest auf die Rolle des unterhaltsamen Provokateurs, der SPÖ und ÖVP vielleicht eine halbherzige Diskussion zur Verwaltungsreform aufzwingen kann. Wenn Frank Stronach mehr will, nämlich etwas bewegen, wird er sich auf staatstragendere Positionen besinnen und ein paar Mitstreiter mit wachem Geist um sich scharen müssen.

- Andreas Lampl

 
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