Anleihen

Bloomberg/hahn
08.08.201213:20 Uhr
"Die EZB hat die Situation verschlimmert"

"Die EZB hat die Situation verschlimmert"

  • Euro-Problemstaaten verschulden sich durch EZB-Ankündigung immer kürzer. Dadurch türmt sich ein gefährlicher Refinanzierungsberg auf.

Die Bemühungen von EZB-Präsident Mario Draghi zur Senkung der spanischen und italienischen Anleiherenditen werden die Länder bewegen, mehr kürzer laufende Papiere zu begeben. Das führt jedoch zu einem Anschwellen des Schuldenbergs, der in den kommenden Jahren refinanziert werden muss.

Die Renditen von zweijährigen spanischen und italienischen Schatzanweisungen sind kräftig gefallen, nachdem Draghi am 2. August sagte, die EZB werde im Rahmen eines größeren Krisenbekämpfungsplans möglicherweise Papiere “am kurzen Ende der Renditekurve” aufkaufen. Die Renditedifferenz zwischen zweijährigen und zehnjährigen spanischen Renditen erreichte am 6. August den höchsten Wert seit mindestens zwei Jahrzehnten, während der Spread bei vergleichbaren italienischen Papieren sich einem Rekord näherte.

Die durchschnittliche Laufzeit spanischer Papiere ist die kürzeste seit 2004, da Spanien, genauso wie Italien, in diesem Jahr noch keine 15- oder 30-jährigen Bonds begeben hat. Die Ministerpräsidenten der beiden Länder, Mario Monti und Mariano Rajoy, kämpfen darum, ein Hilfspaket, das das Überleben des Euro gefährden könnte, zu vermeiden. Indes könnten die EZB-Pläne den Druck auf die Finanzen der beiden Länder verstärken.

“In gewisser Weise hat die EZB mit ihrer Ankündigung die Situation verschlimmert”, sagt Nicola Marinelli, Fondsmanagerin bei Glendevon King Asset Management in London. “Die Konzentration auf das kurze Ende ist gefährlich für ein Land, weil dies bedeutet, dass es in jedem Jahr danach einen sehr viel größeren Prozentsatz seiner Verbindlichkeiten refinanzieren muss.”

Verschuldungs-Laufzeit sinkt

Die durchschnittliche Laufzeit italienischer Papiere liegt bei 6,7 Jahren, die niedrigste seit 2005, berichtete die Schuldenagentur des Landes in ihrem Quartalsbericht. In Spanien beträgt die durchschnittliche Laufzeit der Anleihen und Schatzanweisungen 6,3 Jahre, was der niedrigste Wert seit 2004 ist, geht aus Daten des Finanzministeriums hervor.

“Wenn sie die kurzfristigen Renditen nach unten treiben, bietet das eine gewisse Stütze und ermutigt Spanien und Italien mehr am kurzen Ende zu begeben”, erläutert Marc Ostwald, Stratege bei Monument Securities Ltd. in London. “Das Problem ist, dass ein Refinanzierungsberg aufgetürmt wird.”

Über die Emission kürzer laufender Papiere konnte Spanien bereits 72 Prozent des Kapitalbedarfs in diesem Jahr aufnehmen. Der Vorschlag von Draghi könnte der Regierung Zeit verschaffen. Auf Spanien kommen bis Oktober keine Bondtilgungen zu, dann muss das Land Verbindlichkeiten im Volumen von 29 Mrd. Euro ablösen.

“Spanien muss bis Oktober nicht den Bondmarkt in Anspruch nehmen”, erläutert Steven Major, Leiter festverzinsliche Analyse bei HSBC Holdings Plc in London. “Die Regierung hat bis dahin Zeit, neue Maßnahmen zu ergreifen.”

Die früheren Versuche der EZB, die Märkte zu stabilisieren, haben nicht ausgereicht. Die Notenbank hat für mehr als 200 Mrd. Euro Papiere aus Griechenland, Irland, Portugal, Italien und Spanien gekauft, was zwar den Anstieg der Renditen gebremst hat, aber mit Ausnahme von Italien mussten die Länder in der einen oder anderen Form auf externe Hilfen zurückgreifen.

Spanien hat in diesem Jahr bisher keine Papiere mit Fälligkeit nach 2022 begeben, während das Land im gleichen Zeitraum vor einem Jahr Bonds mit Laufzeiten 2024, 2026, 2037 und 2041 an den Markt gebracht hat. Italien hat in diesem Jahr noch keine Anleihen, die nach 2026 fällig werden, emittiert. Das Land hat zuletzt 2040 fällige Bonds im Mai 2011 zu einer durchschnittlichen Rendite von 5,43 Prozent platziert.

“Es gibt eine Verkürzung der Laufzeiten der Anleihen, was das Refinanzierungsrisiko erhöht”, sagt Thomas Costerg, Ökonom bei Standard Chartered Bank in London. “Wir sehen nicht, dass die Ankündigungen der EZB einen Durchbruch bringen, es gibt immer noch erhebliche Risiken bei der Umsetzung und die Investoren könnten die Geduld verlieren.”

 
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