UEFA Champions & Europa League

Reuters
08.08.201218:31 Uhr

Europas Börsen völlig schwunglos

Nach drei Tagen mit Kursgewinnen hat der Dax am Mittwoch seinen Schwung verloren.

Der Leitindex verabschiedete sich kaum verändert bei 6966 Zählern aus dem Handel. Damit schaffte er es am Nachmittag aber immerhin, ein zwischenzeitliches Minus von 0,9 Prozent auszubügeln. "Die gute Laune der vergangenen Tage kam ja allein von der Hoffnung auf die Zentralbanken", sagte ein Börsianer. Die Aussicht auf neuerliche EZB-Hilfen biete dem Markt auch nach wie vor ein gutes Polster. Damit der Dax die Marke von 7000 Punkten knacke, brauche es aber neue Signale.

EZB-Chef Mario Draghi hatte auf der Pressekonferenz vergangene Woche betont, dass die Notenbank für weitere Hilfen bereitstehe. Voraussetzung dafür sei allerdings die Aktivierung des Rettungsschirms ESM. Die betroffenen Länder müssten Hilfsanträge stellen und Reformauflagen akzeptieren. "Die Aussagen von Draghi waren ein fundamentaler Wendepunkt für Investoren, denn zum ersten Mal hatte man das Gefühl, dass ein überzeugender Rettungsplan vorgelegt wird", sagte Christian Jasperneite, der für MM Warburg die Investmentstrategie verantwortet.

Trotz der anhaltenden EZB-Euphorie würden Investoren die weiter trübe fundamentale Lage aber nicht aus den Augen verlieren, sagte der Börsianer. "Da passen der Produktionsrückgang in Deutschland und die Senkung der Wachstumsprognose für Großbritannien zu der heute nicht mehr ganz so rosigen Stimmung." Der EuroStoxx50 verlor 0,3 Prozent auf 2432 Zähler. An der Wall Street notierte der Dow-Jones-Index für Standardwerte zum europäischen Handelsschluss 0,2 Prozent höher.

Lufthansa unter Druck

Hierzulande führten die Aktien der Lufthansa die Dax-Verliererliste mit einem Minus von drei Prozent an. Für Verstimmung unter den Anlegern sorgte ein drohender Streik, für den sich das Kabinenpersonal in einer Urabstimmung ausgesprochen hat. Auch die Anteilsscheine von ThyssenKrupp waren unbeliebt; sie gaben um 1,3 Prozent nach. "Neben der insgesamt schwierigen Situation in der Stahlbranche wird dieser konjunktursensible Wert sicher auch wegen der schwachen deutschen Produktionszahlen abgestoßen", sagte ein Händler.

Die Gewinnerliste wurde von der Commerzbank angeführt. Wie Reuters aus Finanzkreisen erfuhr, hat das Institut die Kapitalanforderungen der EU-Bankenaufsicht EBA übererfüllt. Die Titel zogen infolge der Nachricht deutlich an und verabschiedeten sich 1,7 Prozent höher aus dem Handel.

Linde half die Aussicht auf eine erfolgreiche Übernahme des US-Sauerstoffgeräte-Herstellers Lincare. Händler sprachen zudem von einer Kurszielerhöhung von Goldman Sachs auf 170 Euro. Die Aktien des Industriegasekonzerns gewannen 1,5 Prozent auf 124,90 Euro.

Bilanzflut der Nebenwerte

Die auf Hochtouren laufende Berichtssaison bewerteten Börsianer insgesamt positiv. "Das zweite Quartal scheint noch ganz gut gelaufen zu sein. Viele Unternehmen haben bis jetzt die Erwartungen erfüllt oder sogar übertroffen", sagte ein Händler. "Aber es entsteht der Eindruck, dass die guten Zahlen mehr über Kosteneinsparungen erreicht werden als über den Absatz."

Am Mittwoch standen die Bilanzen einiger Unternehmen aus der zweiten Reihe im Fokus: Verstimmt reagierten Anleger auf einen skeptischen Ausblick des Stahlhändlers Klöckner & Co (KlöCo). Die Aktien gingen 4,3 Prozent niedriger aus dem Handel. Der "destruktive Preiskrieg" innerhalb der Branche werde bis zu einer konjunkturellen Erholung in Südeuropa die Profitabilität niedrig halten, kommentierte Analyst Björn Voss von MM Warburg.

Fraport konnte mit seinem Zahlenwerk die Anleger ebenfalls nicht überzeugen: Die Aktien fielen um 3,2 Prozent. Der Betreiber des Frankfurter Flughafens hat zwar im ersten Halbjahr dank steigender Passagierzahlen mehr verdient. Doch lag das Ergebnis etwas unter den Erwartungen.

Auch der Quartalsbericht von Brenntag wurde zurückhaltend aufgenommen. Die Ergebnisprognose des Chemikalienhändlers für das Gesamtjahr bezeichnete Commerzbank-Analyst Georg Remshagen als "etwas enttäuschend". Der Aktienkurs fiel um 2,7 Prozent.

Douglas sanken um ein Prozent, nachdem die Buchhandelskette Thalia dem Konzern einen unerwartet hohen Verlust einbrockte. Stada vergraulte Anleger mit schleppenden Geschäften im Heimatmarkt und hohen Kosten für den Konzernumbau. Die Anteilsscheine verloren 0,7 Prozent an Wert.

Auf dem europäischen Parkett machten die Aktien von Standard Chartered knapp die Hälfte des 16-prozentigen Vortagesverlustes wett. Das in den USA wegen illegaler Iran-Geschäfte unter Beschuss geratene britische Geldhaus hat in seiner Verteidigungsstrategie unerwartet Schützenhilfe von der britischen Notenbank bekommen. Deren Chef Mervyn King beklagte, es sei nicht nachvollziehbar, dass einzelne Aufsichtsbehörden unkoordiniert an die Öffentlichkeit gingen, bevor es überhaupt verlässliche Untersuchungsergebnisse gebe.

 
pixel