Meinung

Jochen Hahn
06.08.201210:27 Uhr
Kommt jetzt der „Big Move“?

Kommt jetzt der „Big Move“?

  • Die Notenbanken werden italienische und spanische Bonds in großem Stil aufkaufen und zwar ohne „Sterilisation“.

Seltsames spielt sich derzeit auf den Finanzmärkten ab. Seit der Ankündigung von Mario Draghi „alles zum Erhalt des Euro“ tun zu wollen, vergeht kein Tag, an dem nicht neue Gerüchte die Runde machen.

Dazu beigetragen hat auch das Spontantreffen von Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble mit seinem US-Pendant Timothy Geithner auf Sylt. Was hatten die Herren so eilig zu besprechen?

Begleitet wird all das von enormen Bewegungen am Anleihenmarkt. Freitags explodierten am Vormittag die Renditen spanischer und italienischer Staatsanleihen, Minuten später sanken sie wie durch Geisterhand wieder deutlich. Infolge dessen setzten die Börsen zu einer urplötzlichen und sehenswerten Rally an. Die EZB hatte wohl ihre Hände mit im Spiel.

Als erster prominenter Marktteilnehmer wagte sich am Wochenende Jim O’Neill aus der Deckung. Der Chairman von Goldman Sachs Asset Management erwartet einen „Big Move“ der Notenbanken in den kommenden Tagen. Dabei stehen die Anleihen-Renditen der großen Euro-Problemstaaten Spanien und Italien im Mittelpunkt.

Keine "Sterilisation"

Als wahrscheinlichste Variante gilt ein Hilfegesuch von Monti und Rajoy an den EFSF. Danach könnten die Druckerpressen voll anrollen. Die Notenbanken werden italienische und spanische Bonds in großem Stil aufkaufen und zwar ohne „Sterilisation“. Die Geldmenge wird einfach ausgeweitet und die Renditen werden sinken.

Wie viel Geld die EZB dafür in die Hand nehmen muss ist ungewiss, denn das Beispiel der US-Notenbank zeigt, dass der psychologische Effekt ein großer sein dürfte. Haben Bond-Anleger die Sicherheit, dass die EZB dafür sorgt, dass die Renditen fallen und dementsprechend die Kurse steigen, dann werden auch sie wieder zugreifen und Euro-Problem-Bonds als Chance zum Geldverdienen sehen. Die zugespitzte Euro-Schuldenkrise wäre vorerst entschärft.

Langfristig taugen diese Maßnahmen der Notenbanken natürlich nicht zur Systemstabilisierung. Ganz im Gegenteil, die Zeche wird mit hoher Inflation bezahlt werden müssen. Als Vorbote der großen Teuerungswelle gilt wie immer der Goldpreis.

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