Wohnen

APA
02.08.201210:53 Uhr
Karl Wlaschek wird 95

Karl Wlaschek wird 95

  • Der Immobilien-Milliardär und einstige Gründer des Handelsriesen "Billa", Karl Wlaschek, feiert an diesem Samstag (4. August) seinen 95. Geburtstag.

1953 hatte der Selfmade-Man als Kaufmann begonnen und 43 Jahre später die Handelskette 1996 für geschätzte 1,1 Mrd. Euro an den deutschen Rewe-Konzern verkauft. Das Geld steckte er in Immobilien.

Rasch stieg er zum größten privaten Hausherrn Österreichs auf, jüngster Mega-Deal war im Herbst 2011 der Erwerb des Schlosshotel Velden, das er der notverstaatlichten Hypo Alpe Andria Bank abkaufte. Sein Vermögen schätzte der "trend" kürzlich auf 3,8 Mrd. Euro, damit rangierte er unter den Reichsten im Land auf Platz 5; davor lag er immer wieder auch ganz an der Spitze. Im April hatte der Milliardär zum fünften Mal geheiratet.

Der Unternehmer wurde am 4. August 1917 in Wien geboren. Das Glück seines Lebens sei es gewesen, die Kriegsjahre heil überstanden zu haben, sagte Wlaschek im November 2005 bei der Präsentation seiner Memoiren. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er unter dem Pseudonym "Charly Walker" als Pianist und Bandleader tätig. 1953 legte er mit einer kleinen Parfümerie, die er als Einzelgesellschaft eintragen ließ, den Grundstein für eine expansive Handelsgruppe. Knapp sieben Jahre später nannte er schon 45 Lebensmittelgeschäfte sein Eigen, die ab 1960 unter dem Namen "Billa" - für "Billiger Laden" - firmierten.

Bis zum Verkauf des Billa-Handelsriesen mit damals 50 Mrd. Schilling (3,63 Mrd. Euro) Jahresumsatz im Sommer 1996 an Rewe hatte es Wlaschek auf ein Handelsimperium mit 18.000 Mitarbeitern und 1.340 Filialen gebracht, die unter der Konzernholding BML Vermögensverwaltung AG (für Billa Merkur Libro) zusammengefasst waren. Daneben zählten zu der von Rewe übernommenen BML die Marken Mondo und Emma, die Parfümerie-Kette Bipa, ferner die Billa-Töchter in Ungarn, Polen, Tschechien, der Slowakei, Italien und Deutschland.

1994 brachte der in Geschäftsdingen medienscheue Handels-Guru die Billareal Immobilieninvest AG in Wien an die Börse und lud dazu - erstmals seit mehr als einem Vierteljahrhundert - wieder zu einer Pressekonferenz. Das Unternehmen mit Erhard Schaschl als Aufsichtsrats-Chef notierte allerdings nur drei Jahre, bis 1997, am Aktienmarkt, weil es von der Karl-Wlaschek-Stiftung zurückgekauft wurde.

Nachdem er bei der Privatisierung der damals zweitgrößten Bank des Landes, der Creditanstalt (CA), nicht zum Zug kam, begann Wlaschek sein Vermögen in Immobilien anzulegen. Sein beachtlicher Realitätenbesitz ist über zahlreiche Gesellschaften und Stiftungen mit teils klangvollen Namen ("Amisola", "Estrella", "Ermione", "Novoreal") gemanagt. Neben etlichen herrschaftlichen Palais (darunter Kinsky, Ferstel, Esterházy und Harrach) in der Wiener Innenstadt besitzt der Immo-Tycoon rund 250 Objekte in ganz Österreich.

Milliardenschweres Immobilienreich

Wlascheks Immobilienreich ist 1,94 Mrd. wert, hieß es zuletzt im Oktober 2011. Allein die drei Bilanzen von Amisola, Novoreal und Estrella wiesen für das Jahr 2010 einen Gewinn von 35 Mio. Euro aus, was rechnerisch einer Rendite von nur 1,8 Prozent entsprach (Buchwert/Jahresgewinn) - etwas unter der Inflation von 1,9 Prozent. An Mieterlösen spielten die drei Immo-Firmen 126 Mio. Euro ein. Zugekauft hatte 2010 nur die Amisola, die 14 Liegenschaften im Wert von 113 Mio. Euro erwarb; Novoreal und Estrella veräußerten marginal.

Kronprinz für das Wlaschek-Vermögen ist der 37-jährige Sohn aus Wlascheks zweiter Ehe, Karl Philipp, der seit Jahren wichtige Positionen im Firmen-Imperium. Als weitere Begünstigte der Stiftungen galten nach früheren Berichten Maria-Luise Bittner, Wlascheks Tochter aus erster Ehe, sowie Stieftochter Claudia Hönigsberger, deren Mutter Karin, die vierte Ehefrau des Milliardärs, im Herbst 2003 verstorben ist. Insgesamt brachte es Wlaschek samt der überraschenden Heirat mit seiner Lebensgefährtin Ricki Schenk heuer im April in Velden auf fünf Ehen und drei Scheidungen. Wegen der Vielzahl von Lebensgefährtinnen in früheren Jahren nannte ihn eine Zeitung einen Womanizer. Er selbst sah dies offenbar gelassen: "Beim Gschäft bin i guad, bei de Weiber bin i a Depp", lautete ein legendärer Spruch Karl Wlascheks.

 
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