Börse International

Reuters/hahn
30.07.201213:58 Uhr
"Die Bank ist klar vom Weg abgekommen"

"Die Bank ist klar vom Weg abgekommen"

  • Geldwäsche, Falschberatung von Kunden und Zins-Tricksereien: Die Vorwürfe gegen die britische Großbank HSBC nehmen kein Ende.

Vorstandschef Stuart Gulliver räumte am Montag bei der Vorlage der Halbjahreszahlen ein, dass es in Europas größtem Geldhaus an allen Ecken brennt.

"Die Bank ist klar vom Weg abgekommen", sagte er. Es werde lange dauern, das lädierte Image wieder aufzupolieren und Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Insgesamt zwei Milliarden Dollar stellte das Institut zurück, um sich für Strafen und Entschädigungszahlungen zu wappnen, eventuelle Kosten im Zusammenhang mit dem weltweiten Zinsskandal noch gar nicht eingerechnet. Das alles belastet zusehends das Ergebnis - der bereinigte Vorsteuergewinn schrumpfte in den ersten sechs Monaten um drei Prozent auf 10,6 Milliarden Dollar.

Allein wegen der laxen Geldwäsche-Kontrollen droht HSBC eine Milliardenstrafe durch die Aufseher in den USA. Dort hatte ein Senatsausschuss der Bank unlängst eine schallende Ohrfeige erteilt. Die Prüfer kamen nach einjähriger Untersuchung zu dem Ergebnis, dass die Bank ihren Kunden über Jahre dabei geholfen hat, fragwürdige Gelder aus Ländern wie Mexiko, dem Iran, Saudi-Arabien oder Syrien zu transferieren. Ein Top-Manager des Instituts kündigte bereits seinen Rücktritt an. Auch Gulliver zeigte sich nun reumütig und sprach von "peinlichen" Fehlern, die gemacht worden seien. "Das ist für uns alle sehr unangenehm." Der Konzern entschuldige sich dafür.

HSBC hat für die absehbare Geldwäsche-Strafe 700 Millionen Dollar zur Seite gelegt. Ob das ausreicht, ist nach den Worten von Gulliver völlig offen. Die Gesamtbelastungen könnten deutlich höher ausfallen, sagte er. Die übrigen 1,3 Milliarden Dollar hält HSBC für die Entschädigung von Privat- und Geschäftskunden in Großbritannien bereit, die die Bank beim Verkauf von Restschuldversicherungen und diversen Zinsabsicherungsprodukten falsch beraten hatte. Auch andere britische Großbanken mussten hier für Schadenersatzzahlungen schon tief in die Tasche greifen.

Kein Komentar bzgl. Libor-Skandal

Bedeckt hielt sich HSBC dagegen zu den Zinsermittlungen. Ermittler in der EU, den USA, der Schweiz, Großbritannien und anderswo nehmen derzeit mehr als ein Dutzend Großbanken unter die Lupe, darunter auch HSBC. Den Banken wird vorgeworfen, wichtige Referenz-Zinssätze manipuliert zu haben, um die eigenen Refinanzierungskosten zu verschleiern und Handelsgewinne einzustreichen. Untersucht werden etwa Verzerrungen beim Londoner Referenzsatz Libor und beim europäischen Interbankensatz Euribor. Mehrere Banken arbeiten Insidern zufolge mit den Behörden zusammen und hoffen so auf mildere Strafen. Im Libor-Fall hat Barclays als bislang einziges Geldhaus ein Fehlverhalten eingeräumt. Das kostete die Bank eine halbe Milliarde Dollar Strafe und den Vorstandschef den Job.

HSBC-Chef Gulliver erklärte, sein Haus habe die angeforderten Informationen geliefert. Es sei aber noch viel zu früh, die Ergebnisse der Zins-Ermittlungen vorherzusagen - geschweige denn potenzielle Kosten für die Bank. Börsianer schreckte die Unsicherheit nicht. Die HSBC-Aktie notierte in London sogar ein Prozent fester, auch wenn sie damit nicht an den europäischen Bankenindex heranreichte.

Offenbar überzeugten die Zahlen zum laufenden Geschäft. Auf unbereinigter Basis legte der Vorsteuergewinn um elf Prozent auf 12,7 Milliarden Dollar zu und lag damit leicht über den Erwartungen. Das Institut profitiert vor allem von seiner zweiten Heimatbasis Asien, die Region boomt. Aber auch die breite Aufstellung im klassischen Privatkundengeschäft und der Vermögensverwaltung hilft dem Konzern, Dellen im Investmentbanking auszubügeln. In Deutschland ist HSBC mit der Privatbank HSBC Trinkaus< vertreten. Sie legt ihre Halbjahreszahlen an diesem Mittwoch vor.

 
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