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Reuters/feh
03.08.201218:14 Uhr

Kursrally in Südeuropa - Euro-Börsen verzeichnen ein sattes Plus

Europas Börsen verabschiedeten sich mit einer echten Rally ins Wochenende. Allen voran die Börsen in Mailand und Madrid, die jeweils rund sechs Prozent zulegen konnten. Auch der deutsche DAX ließ sich nicht lumpen und beendete den Tag mit einem Zuwachs von 3,9 Prozent.

Aktienanleger haben ihre Enttäuschung über den Verzicht der EZB auf sofortige Anleihe-Käufe am Freitag überwunden. Im Vertrauen darauf, dass die Notenbank bei Bedarf kriselnden Staaten unter die Arme greifen wird, griffen sie beherzt zu europäischen Werten. Für positive Stimmung sorgten außerdem überraschend starke US-Konjunkturdaten.

Der Dax verabschiedete sich 3,9 Prozent fester bei 6865,66 Punkten ins Wochenende. Damit legte er auf Wochensicht 2,6 Prozent zu. Der EuroStoxx50 gewann am Freitag 4,6 Prozent auf 2366,88 Zähler zu. Die Leitindizes der Börsen Madrid und Mailand stiegen sogar um jeweils rund sechs Prozent. An der Wall Street lag der US-Standardwerteindex Dow Jones bei Börsenschluss in Deutschland 1,8 Prozent im Plus.

Auch am Rentenmarkt war Entspannung spürbar. Die Renditen der zehnjährigen spanischen und italienischen Anleihen gingen auf 6,942 beziehungsweise 6,070 Prozent zurück. Der Euro verteuerte sich auf 1,2370 Dollar.

"Die EZB hat nicht - wie von einigen erwartet - die 'Bazooka' herausgeholt", sagte ein Börsianer. "Aber manchmal ist bereits die Androhung einer Aktion bereits sehr effektiv." Ein anderer betonte: "Draghi war sehr clever. Innerhalb der Grenzen der europäischen Verträge hat er es geschafft, ein Veto der Bundesbank zu umgehen und die EZB - über den EFSF und den ESM - für Staaten als Kreditgeber der letzten Instanz zu positionieren."

EZB-Chef Mario Draghi hatte Anleihekäufe seiner Notenbank an die Bedingung geknüpft, das zunächst die Rettungsschirme aktiviert werden und die hilfsbedürftigen Staaten die damit verbundenen Auflagen erfüllen. Das Volumen möglicher EZB-Käufe werde eine angemessene Größe haben, um den Zielen gerecht zu werden, betonte Draghi. "Die Leute verstehen die Message: 'Lege Dich nicht mit der EZB an'", sagte ein Händler.

Von Reuters befragte Experten gehen davon aus, dass die EZB im September mit Käufen italienischer und spanischer Bonds beginnen wird. Sie rechnen zudem mit einer Senkung des Leitzinses auf 0,5 Prozent von derzeit 0,75 Prozent.

US-ARBEITSMARKT UND DIENSTLEISTUNGSSEKTOR MIT STARKEN ZAHLEN

Am Nachmittag sorgten zunächst die US-Arbeitsmarktdaten für eine positive Überraschung. Die Unternehmen schufen im Juli außerhalb der Landwirtschaft 163.000 neue Stellen. Experten hatten lediglich mit einem Plus von 100.000 gerechnet. Viele Anleger hätten mit einer Enttäuschung gerechnet, daher falle die positive Kursreaktion relativ kräftig aus, sagte Ron Florance, Investmentstratege bei Wells Fargo Private Bank. "Aber die Zahl ist nicht gut genug, um unsere wirtschaftlichen Probleme zu lösen."

Der Einkaufsmanager-Index für das US-Dienstleistungsgewerbe übertraf mit 52,6 Punkten die Analystenprognose (52,0 Zähler) ebenfalls. Rückschlüsse auf die Geldpolitik der US-Notenbank ließen diese Daten aber nicht zu, betonte Marktanalyst Ravi Bharadwaj von Western Union Business Solutions. Denn die Fed orientiere sich weit stärker am Arbeitsmarkt.

BANKENWERTE AUF ERHOLUNGSKURS

Bei den Unternehmen gehörten die Banken europaweit zu den Favoriten. "Sie gehen nach dem jüngsten Absturz auf Erholungskurs," sagte ein Börsianer. Sieben der zehn größten EuroStoxx50-Gewinner gehörten zum Finanzsektor. Der Branchenindex der Eurozonen-Banken gewann 7,9 Prozent. Hier lagen die italienischen Intesa Sanpaolo, die französische Societe Generale und die österreichische Raiffeisen Bank mit Kursgewinnen zwischen 9,5 und 12,6 Prozent weit vorne. Deutsche Bank waren mit einem Plus von 8,7 Prozent Spitzenreiter im Dax. Commerzbank gewannen 6,4 Prozent.

Bei Siemens sorgte der Auftakt eines milliardenschweren Aktienrückkaufs für kräftige Kursgewinne. Die Papiere des Technologiekonzerns stiegen 6,2 Prozent auf 72,55 Euro. Die Analysten von Citi Research bezeichneten dies in einem Kommentar als ersten Schritt. Ihrer Berechnung zufolge verfüge das Unternehmen über überschüssiges Kapital von bis zu 13 Milliarden Euro.

Allianz konnten ebenfalls punkten: Das zweite Quartal des Versicherers fiel besser aus als erwartet, die Aktie zog um 5,7 Prozent an. "Auf den ersten Blick hat die Allianz ein starkes Zahlenwerk abgeliefert", schrieb DZ-Bank-Analyst Thorsten Wenzel in einem Kommentar. Auch die Konkurrenten Axa und Generali. Erstere gewannen in Paris 5,1 Prozent, letztere in Mailand sogar 8,7 Prozent.

 
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