Anleihen

Bloomberg/hahn
25.07.201210:32 Uhr
Polen ist der neue sichere Hafen

Polen ist der neue sichere Hafen

  • Während die Finanzierungskosten von Spanien täglich auf neue Höchstwerte klettern, orientieren sich die Rendite polnischer Staatsanleihen gegen Null.

So sank die Rendite der im Februar 2013 fälligen Euro- denominierten Polen-Bonds zuletzt bis auf 0,123 Prozent und lag am Dienstag bei 0,132 Prozent. Französische Geldmarktpapiere mit gleichem Fälligkeitstermin rentierten bei minus 0,02 Prozent.

Im Zuge der sich verschärfenden Schuldenkrise rückt Polen, die größte Schwellenländer-Volkswirtschaft in der Europäischen Union, näher an die Euro-Länder mit den höchsten Bonitätsnoten heran. In Spanien hat der Antrag der Region Valencia auf Hilfen von der Zentralregierung die Kosten für Kreditausfallabsicherungen für spanische Staatspapiere auf einen Rekordwert klettern lassen und die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen stieg erstmals seit Einführung des Euro über die Marke von 7,5 Prozent. Dahinter stand die Sorge, dass weitere Regionen dem Schritt von Valencia folgen könnten.

“Es ist eine klare Panik-Bewegung von Investoren, die sich gegen das Risiko eines Auseinanderbrechens der Eurozone wappnen wollen”, sagt Peter Schottmüller, Fondsmanager bei der Deka Investment GmbH in Frankfurt. Mit Polen könnten Investoren richtig liegen, da die Möglichkeit einer Zahlungsunfähigkeit innerhalb eines Jahres bei null liege, fügte er an.

Kreditausfallswaps für polnische Staatsanleihen kosten mit 194,5 Basispunkten für fünf Jahre 86 Basispunkte weniger als im Durchschnitt der Länder in Osteuropa, dem Nahen Osten und Afrika, die im Markit iTraxx SovX CEEMEA Index, enthalten sind. Vergangenes Jahr lag die Differenz erst bei 50 Basispunkten.

Polen ist Wachstumskaiser

Mit 2,7 Prozent wird Polens Volkswirtschaft dieses Jahr das stärkste Wachstum innerhalb der Europäischen Union verzeichnen, schätzt die Europäische Kommission. Die Regierung will das Haushaltsdefizit von 5,1 Prozent auf unter 3,0 Prozent reduzieren. Die Widerstandskraft verleihe dem Land den “Status eines sicheren Hafens” für Investoren, hatte die Ratingagentur Moody’s Investors Service im Mai erklärt.

Die Eurozone nimmt 53 Prozent der polnischen Exporte ab. Fünf der sieben größten Banken des Landes werden von westeuropäischen Kreditinstituten kontrolliert. Darunter sind die italienische UniCredit SpA und der spanische Banco Santander SA.

Die Regierung in Warschau hat bereits 84 Prozent ihres Finanzierungsbedarfs für dieses Jahr gedeckt. Bei der Platzierung von zweijährigen Anleihen im Volumen von 5,84 Mrd. Zloty in der der vergangenen Woche sank die Rendite auf 4,361 Prozent und war damit nach Angaben des Finanzministeriums die niedrigste in diesem Laufzeitenbereich seit 2006.

Am Montag fiel die Rendite zweijähriger Polen-Anleihen erstmals seit Januar unter das Niveau italienischer Papiere, zeigen Bloomberg-Daten.

In Euro gemessen haben polnische Inlandsanleihen diesen Monat einen Ertrag von 2,2 Prozent eingebracht. Das ist mehr als das Doppelte des Durchschnitts für die Eurozone von 0,8 Prozent, zeigen Indizes von Bloomberg und der European Federation of Financial Analysts Societies(EFFAS).

Das gab's noch nie

“Es ist ein bemerkenswerter Unterschied gegenüber früheren Perioden der Risikoaversion”, dass polnische Anlagen “nicht abgestoßen werden”, sagt Nicholas Spiro, Leiter von Spiro Sovereign Strategy in London. Es bestehe jedoch immer noch ein deutliches Risiko, dass dies geschehe, wenn Spanien in den Abgrund falle und Italien mitgezogen werde, fügte er an.

Die Risikoprämie polnischer Dollar-Bonds gegenüber US- Treasuries liegt bei 187 Basispunkten, zeigt der EMBI Global Index von JPMorgan Chase & Co. Gegenüber zehnjährigen deutschen Bundesanleihen beträgt der Renditeaufschlag polnischer Zloty- Bonds 373 Basispunkte.

“Es ist dieser Tage schwierig, Anlagen von guter Qualität zu finden”, erklärt Viktor Szabo, Vermögensverwalter bei Aberdeen Asset Management Ltd. in London, per E-Mail. Polen sei eine “fundamental gute Sache”.

 
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