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Angelika Kramer
31.07.201209:41 Uhr
Das ÖIAG-Roulette

Das ÖIAG-Roulette

  • Der ehemalige AUA-Vorstand Peter Malanik hat gute Chancen auf den Chefsessel in der Staatsholding. Der Aufsichtsrat will sich von der Finanzministerin nicht dreinreden lassen.

Offiziell genießt Peter Mitterbauer gerade seinen wohlverdienten Urlaub. Doch richtig zur Ruhe kommt der Aufsichtsratsvorsitzende der Staatsholding ÖIAG dieser Tage nicht. Denn vor ihm liegt eine äußerst wichtige Entscheidung: die Kür des ÖIAG-Chefs, der am 1. Oktober sein Amt antreten soll.

Am 31. Juli geht die Ausschreibung für den Top-Posten zu Ende, und so eine Schlappe wie mit dem scheidenden ÖIAG-Frontmann Markus Beyrer will Mitterbauer bestimmt nicht noch einmal erleben. Der Ex-Generalsekretär der Industriellenvereinigung, Wunschkandidat des früheren IV-Präsidenten Mitterbauer für diese Funktion, hat nach nicht einmal einem Jahr den ÖIAG-Job schon wieder hingeschmissen. Dies hat Beyrer nicht nur den Zorn von Finanzministerin Maria Fekter eingetragen - sie soll sich zuletzt sogar geweigert haben, Beyrer zu empfangen. Die SPÖ hat auch noch erneut eine Debatte über die Sinnhaftigkeit der Staatsholding, die Anteile an der Telekom Austria, der Post und der OMV besitzt, ausgelöst.

Airliner im Rennen

Genau das will Mitterbauer aber um jeden Preis vermeiden, weswegen der nächste Kandidat gut ausgewählt sein will. Auf dem Wunschzettel des ÖIAG-Oberkontrollors steht Siemens-Personalvorstand Brigitte Ederer ganz oben, wie aus informierten Kreisen zu vernehmen ist. Die SP-nahe Top-Managerin soll sich aber zieren, den Platz an der Seite von Siemens-Chef Peter Löscher aufzugeben. Ihr Vertrag läuft noch bis Mitte 2015, danach will sie in Pension gehen, so lautet ihr Plan. Auch die Finanzministerin, ressortzuständig für die ÖIAG, könne Mitterbauers Top-Favoritin wenig abgewinnen, ist zu hören. Ähnliches gilt für Ex-OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer, der aber ohnehin nicht mehr will.

Immer öfter taucht jetzt der Name eines Airliners auf, der gute Chancen auf die ÖIAG-Führung haben soll: nämlich jener von Ex-AUA-Vorstand Peter Malanik. Als einer der wenigen AUA-Bosse wurde der 51-Jährige, der derzeit auf Jobsuche ist, nicht mit Schimpf und Schande von seinem Posten gejagt. Ehemalige Mitarbeiter bescheinigen ihm exzellente diplomatische Fähigkeiten. Und als einem, der die Privatisierung der AUA maßgeblich mitgestaltet hat, ist ihm auch die Funktionsweise der staatlichen Beteiligungsverwaltung nicht ganz fremd.

Malanik, der sich zu seinen ÖIAG-Interessen nicht äußern will, ist vom Aufsichtsrat dem Vernehmen nach jedenfalls schon kontaktiert worden. Auch Fekter hätte keine gröberen Einwände gegen den Manager. Malanik würde auch vom Typ her passen: ein Mann, der nicht unbedingt danach strebt, in der Öffentlichkeit zu glänzen; der wenig Angriffsflächen bietet, um in politische Auseinandersetzungen hineingezogen zu werden; und der keine Tätigkeit sucht, die sich als Sprungbrett für den nächsten Karriereschritt eignet. Viel gewinnen kann man als ÖIAG-Boss nämlich nicht.

Auch ein zweiter Airliner wird genannt, der ehemalige Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber. Er stammt so wie Mitterbauer und Fekter aus Oberösterreich und sei durchaus gewillt, wieder in seine Heimat Österreich zurückzukehren. Allerdings wird er in Deutschland momentan nicht gerade mit Lob überschüttet. Der 65-Jährige wollte ursprünglich nächstes Jahr als Aufsichtsratsboss zu seinem ehemaligen Arbeitgeber Lufthansa zurückkehren, doch der Widerstand im Konzern und in der Öffentlichkeit wächst.

Fekter liebäugelt außerdem mit dem steirischen Ex-VP-Wirtschaftslandesrat Herbert Paierl, der aber auch als Kandidat für eine Partei von Milliardär Frank Stronach gilt.

Aufsichtsrat bremst Fekter aus

Geht es nach dem Aufsichtsrat, sollen ÖVP-Nähe oder Polit-Connections keine Rolle spielen. Mitterbauer und sein Vize Siegfried Wolf wollen beweisen, dass sie sich von der Politik bei der Suche nach dem ÖIAG-Chef nicht dreinreden lassen wollen. Dies haben sie auch der Finanzministerin signalisiert, die darüber gar nicht amüsiert gewesen sein soll. Fekter will nun zumindest in einem späteren Stadium durch Einflussnahme auf die Kandidatenreihung an der Entscheidung mitwirken.

Der weitgehenden Unabhängigkeit des Aufsichtsrates - von Gesetzes wegen erneuert sich das Kontrollgremium selbst - kann Fekter überhaupt nicht so viel abgewinnen. Sie kann sich sogar vorstellen, das in der nächsten Legislaturperiode rückgängig zu machen. Dem Regierungspartner SPÖ würde sie einen Gefallen tun. Generalsekretär Günther Kräuter wäre sogar bereit, für eine derartige Novelle seinen Urlaub abzubrechen: "Dafür sind wir sofort zur Stelle.“ Auch die Diskussion um die Auflösung der Staatsholding wäre dann wohl beendet. Ansonsten beobachtet die SP die Vorgänge rund um die ÖIAG aus der ersten Reihe fußfrei: "Für das, was dort passiert, wollen wir keine Mitverantwortung übernehmen“, sagt der SP-Funktionär.

 
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