Karriere & Arbeitsmarkt

Bloomberg/hahn
10.07.201210:56 Uhr
US-Banker verlieren Milliarden mit Wetten auf die eigene Firma

US-Banker verlieren Milliarden mit Wetten auf die eigene Firma

Wer als Banker finanziellen Beratung für Unternehmen oder auch Einzelpersonen anbietet, der befolgt offenbar einen der wichtigsten Grundsätze selbst nicht immer. Nämlich die Diversifikation.

Mitarbeiter der fünf größten Banken an der Wall Street haben im vergangenen Jahr mehr als zwei Mrd. Dollar durch Wetten auf die Aktien des eigenen Arbeitgebers bei ihrer privaten Rentenvorsorge verloren - auch bekannt als 401(k)-Konten, mit denen sie Geld fürs Alter ansparen. Das geht aus den jährlichen Pflichtmitteilungen hervor. In manchen Fällen haben die Aktien des eigenen Arbeitgebers überdies das größte Gewicht im Rententopf. Nicht enthalten sind in der Verlustrechnung die Aktien, welche die Mitarbeiter als Boni erhielten.

Dabei hatte 2001 der Zusammenbruch von Enron zu der Warnung geführt, dass private Rentenversicherungen - die zu sehr auf den Aktien des eigenen Arbeitsgebers basieren - bei einer Firmenpleite schlimme Folgen auslösen können.

Doch nicht nur der schrumpfende Gegenwert ihrer 401(k)- Rentenkonten hat die Mitarbeiter vieler Wall-Street-Firmen in 2011 stark belastet und die Aussichten auf spätere Renten- Auszahlungen geschmälert. Hinzu kamen auch Rückgänge bei den Boni sowie zahlreiche Kündigungen.

“Man hängt von dieser einen Firmen bereits bei Job, Einkommen, Versicherung und allem anderen ab”, sagte Chris Baker, Co-Gründer bei Oaktree Financial Advisors, “es geht hier nicht einfach nur um eine Aktie.”

Bei den amerikanischen 401(k)-Plänen werden Einzahlungen durch die Arbeitnehmer oftmals durch einen automatischen Beitrag des Arbeitgebers aufgebessert.

Frühere und aktuelle Mitarbeiter von Morgan Stanley, die Unternehmensaktien als Beitrag ihres Arbeitsgebers zur privaten Altersvorsorge erhielten, kamen bei ihren Rentenkonten Ende 2010 auf einen Anteil von 24 Prozent an Morgan-Stanley-Aktien. Das ist der höchste Anteil unter den größten Banken an der Wall Street. In 2011 büßte die Gruppe 570 Mill. Dollar ein, weil die Aktie um 44 Prozent einbrach.

Bank of Amrica höchster Verlustbringer

Das meiste Geld verloren jedoch die Kollegen bei der Bank of America - und zwar 1,37 Mrd. Dollar. Im vergangenen Jahr war die Aktie der Bank rund um 58 Prozent gesunken. Auch die Mitarbeiter von JPMorgan und Citigroup verloren hunderte Millionen Dollar.

JPMorgan-Mitarbeiter hatten Ende 2010 rund 18 Prozent ihres 401(k)-Renten-Geldes in die Aktien des eigenen Arbeitgebers investiert. Bei der Bank of America lag der Anteil bei 13 Prozent, bei der Citigroup bei acht Prozent. Bei Goldman Sachs Group Inc. betrug der Anteil hingegen nur zwei Prozent.

“Es kommt schon einem Glücksspiel gleich, wenn man einen so großen Teil des eigenen Rentengeldes in den Arbeitgeber investiert hat”, sagte Analyst Jean Young von Vanguard Group, dem größten Anbieter von Investmentfonds in den USA. “Wer da mitmacht, der versteht oft das Risiko nicht.”

Morgan Stanley ist derzeit die einzige der fünf größten Wall-Street-Banken, die Beiträge der Angestellten in die Rentenvorsorge durch Aktien des Unternehmens aufbessert. Mitarbeiter erhalten für jeden Dollar, den sie in ihrem 401(k)- Rententopf zurücklegen, Aktien im Gegenwert von einem Dollar. Das gilt bis zu einer Summe von 9.800 Dollar pro Jahr.

Frühere Mitarbeiter von Morgan Stanley hatten die Bank bereits im Dezember 2007 verklagt - und anderem deshalb, weil ihr früherer Arbeitgeber sie nur unzureichend zu dem Risiko der Aktien aufgeklärt habe. Der Fall ist derzeit allerdings noch immer nicht abgeschlossen.

JPMorgan besserte die Einzahlungen der Mitarbeiter bis zum vergangenen Jahr auch noch durch Aktien auf. Es gab jedoch die Möglichkeit, diese Option auszuschließen. Heute leistet die Bank die Zuschüsse in derselben Form, in der ein Mitarbeiter seine Gelder fürs Alter anlegt - wer etwa sein Geld also in einen Anleihefonds fließen lässt, darf sich über Extra-Anteile an diesem Fonds vom Arbeitgeber freuen.

Die übrigen Banken der Wall Street lassen den Mitarbeitern freie Wahl bei der Frage, wie der Arbeitgeber ihre Renten- Vorsorge unterstützen soll. Beiträge in Form eigener Aktien ist dabei eine Option von mehreren.

 
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