Gesundheit

Jochen Hahn
11.07.201209:14 Uhr
Dieser Sommer wird noch richtig unlustig

Dieser Sommer wird noch richtig unlustig

Eigentlich war die Reaktion der Finanzmärkte seit dem vergangenen EU-Gipfel sehenswert. So lange haben sich Investoren nämlich schon lange nicht mehr ruhig stellen lassen.

Dieser Funke an Optimismus dürfte nun aber wieder endgültig erloschen sein, denn die Lösung der Euro-Schuldenkrise oder ein Beginn davon ist weiter nicht in Sicht.

Ganz im Gegenteil, die Problemfelder werden deutlicher denn je: Das deutsche Verfassungsgericht dürfte die Durchsetzung des ESM dramatisch verzögern und so eine neuerliche Verschärfung an den Anleihenmärkten auslösen. Spanien hat zwar eine rasche Bankenhilfe bis 21. Juli zugesagt bekommen, völlige Transparenz oder gar ein Bad-Banks-Modell nach irischem Zuschnitt ist trotzdem nicht in Sicht – weitere Hilfen sind daher wahrscheinlich. Dafür hat am Dienstag Mario Monti Italien als potenziellen Hilfskandidaten ins Spiel gebracht. „Wir könnten interessiert sein“ meinte der Professor – das „müssen“ am Ende seines Zitats hat er vergessen. Denn dass sich Italien schon mitten im Krisen-Strudel befindet, dämmert den Euro-Politikern immer mehr. Das untermauerte kürzlich auch der IWF, als er die Defizitprognose für Italien deutlich anhob. Daher sind auch die jüngsten Erklärungen, wonach die Rettungsschirme genug Kapital für die Problemstaaten hätten, obsolet. Denn ein taumelndes Italien kann sich die Eurozone nicht leisten.

Das einzig Positive an der schier ausweglosen Situation ist allerdings, dass es noch probate Lösungsansätze gäbe – zumindest mit der Aussicht auf mittelfristigen Erfolg. Aktuell scheitern sie in ihrer Umsetzung allerdings (noch) am politischen Widerstand, vor allem Deutschlands. Gemeint ist etwa die ultimative Vergemeinschaftung der Schulden via Eurobonds. Auch ein herzhaftes Eingreifen der EZB durch Bond-Käufe würde helfen. Das sieht man am Beispiel USA. Denn dort saugt die US-Notenbank schon seit Monaten langlaufende US-Treasuries vom Markt. Die Folge: Privatanleger geben keine Stücke mehr her, weil die Fed-Aktivitäten zu sinkenden Renditen und steigenden Anleihenkursen führen. Investoren streifen also satte Gewinne ein. Ähnliches würde auch in Europa passieren, wenn die EZB ein langfristiges Anleihenkaufprogramm durchsetzt. Dann hätten die Märkte nämlich die Gewissheit fallender Anleihen-Renditen der Problemstaaten und sie würden Kursgewinne erzielen.

Aktuell sind derartige Maßnahmen aber nicht durchsetzbar. Merkel und Co. warten offenbar auf die nächste Eskalationsstufe, also spanische Anleihenrenditen deutlich über dem „Todeslevel“ von sieben Prozent und ein um Hilfe flehendes Italien, um sich weiter zu bewegen. Für die Börsen bedeutet das einen heißen Sommer mit einer Menge Crashpotenzial. Ich tippe mal auf Mitte August!

 
·Ambulante Neuro-Rehab
·Gruppenordination Medico Chirurgicum
·Intoleranzen
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