Börse International

APA/rp
15.07.201217:50 Uhr
Libor-Skandal: Deutsche Bank darf Kronzeuge sein

Libor-Skandal: Deutsche Bank darf Kronzeuge sein

  • Zinsmanipulationen durch Großbanken: Schuldeingeständnis soll Banken Abschläge bei Strafzahlungen bringen.

Auch UBS soll Kronzeugenstatus erhalten, berichten US-Medien.

In der Affäre um Zinsmanipulationen durch Großbanken hat sich die Deutsche Bank Insidern zufolge bei der EU und in der Schweiz den Status eines Kronzeugen gesichert. Mit der bereits im vergangenen Jahr ausgehandelten Regelung bekomme Deutschlands größtes Bank im Falle einer möglichen Strafe einen Nachlass, sagten zwei Personen aus dem Umfeld des Instituts der Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag.

Sie gehe jedoch nicht mit einem Schuldeingeständnis im Skandal um die Manipulation den Londoner Interbankenzins (Libor) einher. Andere in den Skandal verstrickte Banken wie etwa die Schweizer UBS haben in verschiedenen Ländern ebenfalls Kronzeugenstatus erhalten. Die "New York Times" berichtete am Wochenende, das US-Justizministerium bereite in der Affäre Strafverfahren gegen mehrere Banken und einige ihrer Angestellten vor.

Über die Kronzeugenregelung für die Deutsche Bank hatte auch das deutsche Magazin "Spiegel" berichtet. Ein Sprecher der Deutschen Bank wollte sich nicht zu der Angelegenheit äußern.

Einer ganzen Reihe von internationalen Großbanken - darunter auch JPMorgan, Societe Generale und HSBC - wird vorgeworfen, von 2005 bis 2009 den Londoner Interbankenzins mit falschen Angaben zu ihren Gunsten manipuliert zu haben. Der Libor wird einmal täglich ermittelt und zeigt an, zu welchen Konditionen sich die Institute untereinander Geld leihen. Er basiert auf individuellen Angaben der Banken und dient als Referenz für Kredite an Unternehmen, Privatpersonen und weitere Finanztransaktionen in einem Volumen von 360 Billionen Dollar (295.445 Mrd. Euro). Ein Untersuchungsausschuss des Parlaments in London befasst sich derzeit mit der Aufklärung des Skandals und der Frage, wie viel die Aufseher von den Zinsmanipulationen wussten.

Als erstes Geldhaus hatte Barclays Fehlverhalten einiger Händler eingeräumt. Die britische Großbank wurde von Behörden in den USA und Großbritannien zu einer Strafe von einer halben Milliarde Dollar verdonnert, die Führungsspitze musste gehen. Die Einigung schützt die Händler der Bank aber nicht vor Strafverfolgung.

Die "New York Times" berichtete unter Berufung auf US-Regierungsmitarbeiter, es seien auch Händler von Barclays unter den Einzelpersonen, gegen die das Justizministerium ermittle. Die US-Behörden rechneten zudem damit, noch heuer mindestens eine Bank anzuklagen. Einige Finanzinstitute, darunter mindestens zwei europäische Geldhäuser, arbeiteten bereits an Vergleichen, schrieb die Zeitung weiter. Die Libor-Ermittlungen könnten für die Behörden ein Schlüsselmoment sein, um die Großbanken für ihre Verfehlungen im Zuge der Ende 2007 ausgebrochenen Finanzkrise zur Rechenschaft zu ziehen. Allerdings seien die Ermittlungen ungewöhnlich komplex. Sie könnten sich daher über Jahre hinziehen und mit Vergleichen beigelegt werden anstatt in Anklagen zu münden.

Nach Ansicht der Barclays-Spitze wird die Rolle der britischen Bank in dem Skandal mit dem Bekanntwerden weiterer Details über die Verwicklungen anderer Geldhäuser noch "ins rechte Licht gerückt werden". Zwar hätten Kunden, Aktionäre und Aufsichtsbehörden das Recht, enttäuscht zu sein, schrieb das Führungsgremium der Bank an die Mitarbeiter. Strategie und Geschäftsmodell der Bank seien jedoch vor den jüngsten Ereignissen richtig gewesen und seien dies auch heute noch. Nun müsse der Ruf des Geldhauses wiederhergestellt werden.

Insidern zufolge gibt Barclays wegen des Libor-Skandals seinen Einfluss auf den Interbankenzins in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) auf. Das Institut habe die Notenbank der VAE über den geplanten Schritt informiert, sagten drei Branchenvertreter Reuters am Sonntag. Barclays gehört zu insgesamt zwölf Banken, mit deren Angaben täglich der Interbankenzinssatz der Emirate ermittelt wird. Die Bank steht bisher aber nicht im Verdacht, auch den Eibor ("Emirates Interbank Offered Rates") manipuliert zu haben. Barclays und die Zentralbank der VAE lehnten eine Stellungnahme am Sonntag ab.

 
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