Börse International

Reuters/hf
05.07.201213:38 Uhr
Heuschrecken fallen in Deutschland ein

Heuschrecken fallen in Deutschland ein

Internationale Hedgefonds schwärmen aus um sich bei Übernahmen in Deutschland eine goldene Nase zu verdienen. Auch der österreichische Maschinbaukonzern Andritz hat ein Heuschrecken-Problem.

Die steigende Zahl an Zukäufen in Deutschland zieht zunehmend internationale Hedgefonds an, die bei den Übernahmen mitverdienen wollen. Früher hätten sich solche Fonds bei Fusionen und Zukäufen (M&A) in Deutschland kaum eingemischt, sagte Übernahmeexperte Michael Ulmer von der Anwaltskanzlei Allen&Overy am Donnerstag. "Heute haben sie den M&A-Markt Deutschland verstärkt auf dem Radar - vermutlich auch, weil in anderen Teilen der Welt nicht so viel los ist."

Zuletzt war unter anderem der US-Hedgefonds Elliott International beim Metallpressen-Hersteller Schuler eingestiegen, der vor der Übernahme durch den österreichischen Andritz -Konzern steht. Elliott ist bekannt für seine Strategie, sich an Übernahmekandidaten zu beteiligen und dann auf eine höheren Angebotspreis zu drängen. Früher hätten sich Fonds wie Elliott allenfalls bei großen Milliarden-Übernahmen in Deutschland eingeschaltet, sagte Allen&Overy-Partner Ulmer. "Jetzt interessieren sie sich auch für Millionen-Deals. Sie gehen auf der Leiter quasi eine Stufe nach unten." Das Übernahmeziel Schuler ist rund 600 Millionen Euro wert.

Auch bei der vorerst gescheiterten Übernahme von Rhön-Klinikum durch den Gesundheitskonzern Fresenius sind zahlreiche Hedgefonds mit von der Partie. Bekannte Investoren wie John Paulson, der mit seinen Wetten gegen US-Ramsch-Hypotheken Milliarden verdiente, waren in den vergangenen Wochen bei Rhön eingestiegen und wollten die Aktien mit einem kleinen Gewinn an Fresenius weiterreichen. Der Kurs-Einbruch in den vergangenen Tagen dürfte ihnen deutliche Verluste eingebrockt haben. "Viele Investoren haben viel Geld verloren", sagte ein Hedgefonds-Manager.

Auf der anderen Seite hätten aber auch einige Hedgefonds auf ein Scheitern der Rhön-Übernahme gewettet und damit goldrichtig gelegen, sagten zwei mit der Situation vertraute Personen zu Reuters. Der Konkurrent Asklepios war kurz vor dem Ablauf der Übernahmefrist bei Rhön-Klinikum eingestiegen und hatte die 3,1 Milliarden Euro schwere Übernahme damit torpediert. Seit der Bekanntgabe des Asklepios-Einstiegs am 27. Juni hat die Rhön-Aktie rund 20 Prozent verloren. Am Donnerstag gab sie knapp ein Prozent auf 16,98 Euro nach.

 
Click!
pixel