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Reuters
06.07.201218:40 Uhr

Börsen Europa: US-Arbeitsmarktbericht verdirbt Investoren die Laune

Von der weltgrößten Volkswirtschaft ist weiterhin kein Wachstumsimpuls für die schwächelnde globale Konjunktur zu erwarten. Diese Erkenntnis hat Investoren am Freitag nach einem enttäuschenden US-Arbeitsmarktbericht desillusioniert. Sie verkauften Aktien und Rohstoffe und suchten Sicherheit in deutschen Bundesanleihen und dem liquiden US-Dollar. Der Euro fiel auf ein Zwei-Jahres-Tief.

Der Dax ging 1,9 Prozent niedriger bei 6410 Punkten aus dem Handel - sechs Punkte niedriger als in der Vorwoche. Der europäische Stoxx50 schloss 2,1 Prozent im Minus. Die Börsen in Mailand und Madrid verzeichneten Abschläge von 2,5 und 3,1 Prozent. An der Wall Street lagen der Dow-Jones-Index der Standardwerte und die Technologiebörse Nasdaq zum Handelsschluss in Europa 1,4 beziehungsweise 1,6 Prozent niedriger.

"Nach dem recht guten ADP-Bericht hatten alle ja doch auf einen etwas höheren Stellenzuwachs gehofft", kommentierte Aktienstratege Carsten Klude von MM Warburg den US-Arbeitsmarktbericht. Dieser wies für Juni 80.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft aus und damit 10.000 weniger als prognostiziert. "Der Trend, dass die US-Wirtschaft an Dynamik einbüßt, hält an. Es ist keine Rezession wie teilweise hier in Europa, aber für starke Impulse für die globale Wirtschaft reicht das Tempo in den USA nicht", ergänzte Klude.

Am Rohstoffmarkt verbilligten sich Öl, Industriemetalle und Gold spürbar. Die Angst vor einer rückläufigen Nachfrage ließ den Preis für ein Fass europäisches Brent-Öl um 2,4 Prozent auf 98,22 Dollar fallen. Der Preis für die Tonne Kupfer gab um 2,1 Prozent auf 7532 Dollar nach. Gold kostete 1586 Dollar je Feinunze und damit ein Prozent weniger als im späten Vortagesgeschäft.

Die US-Währung profitierte dagegen von ihrem Status als sicherer Hafen. Zu einem Korb aus sechs Währungen stieg der Dollar um 0,5 Prozent. Der Euro fiel bis auf 1,2280 Dollar. So niedrig hatte die Gemeinschaftswährung zuletzt im Juli 2010 notiert. Der für den europäischen Rentenmarkt richtungsweisende Bund-Future stieg in der Spitze um 90 Ticks auf 144,02 Zähler.

Nach Veröffentlichung des Arbeitsmarktberichts wurde in den Handelsräumen viel darüber diskutiert, ob die US-Notenbank Fed der Wirtschaft nun mit einem neuen Anleihenkaufprogramm (QE3) unter die Arme greifen wird. Viele gingen davon aus, aber es gab auch zurückhaltende Stimmen. "Man muss sich schon fragen, was eine Notenbank konjunkturell noch bewirken kann", sagte ein Börsianer. "Wir haben schon so viele Hilfsprogramme gesehen, und die EZB hat ja auch gerade erst den Zins gesenkt, aber im Zweifel reicht es doch wieder nicht."

Deutsche Bank hat Libor-Troubles

Kurz vor Handelsschluss kamen die Aktien der Deutschen Bank deutlich unter Druck: Nach Reuters-Informationen plant die Aufsichtsbehörde Bafin eine Sonderprüfung im Zusammenhang mit dem Skandal um die Festsetzung des Libor. Eine mögliche Verwicklung der Bank soll dadurch aufgeklärt werden. Die Aktien des größten deutschen Geldhauses weiteten in der Folge ihre Kursverluste aus gingen 4,7 Prozent niedriger aus dem Handel. "Jetzt kann man nur gespannt sein, was da raus kommt", sagte ein Händler. "Wie wir ja schon bei Barclays gesehen haben, kann so etwas durchaus heftige Konsequenzen haben." Über den Libor-Skandal war die gesamte Führungsspitze der britischen Bank gestürzt. Deren Aktien verloren am Freitag in London zwei Prozent. Der europäische Sektorindex ging 2,2 Prozent niedriger aus dem Handel.

Der Konjunkturpessimismus ließ Anleger in großem Stil Technologiewerte abstoßen, so dass der Sektorindex um 2,8 Prozent nachgab. Hierzulande waren Infineon mit einem Abschlag von 4,8 Prozent schwächster Dax-Wert.

Unter den Einzelwerten bewegten ansonsten vor allem Analystenkommentare die Kurse. BMW gehörten mit einem Abschlag von 4,6 Prozent zu den größten Dax-Verlierern, nachdem Morgan Stanley die Titel heruntergestuft hatte. Daimler -Aktien verloren 3,3 Prozent, die Anteilsscheine von VW 2,7 Prozent.

Der europäische Sektorindex ging 3,3 Prozent niedriger aus dem Handel. Zu den größten Verlierern zählten auch Peugeot mit einem Minus von 7,7 Prozent: Der Absatz des französische Autoherstellers ist im ersten Halbjahr um 13 Prozent eingebrochen.

Auf der kurzen Gewinnerliste des Leitindexes hielten sich Lufthansa mit einem Plus von 0,8 Prozent ganz oben. Die Aktien profitierten von einem Morgan-Stanley-Kommentar, wonach die Bewertung sehr günstig sei und die jüngsten Pläne zur Kapazitätsauslastung Mut machten.

 
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