
Schweizer Schließfächer sind völlig ausgebucht!
- Um ihr Vermögen zu schützen, horten immer mehr nervöse Investoren Goldbarren, Geldscheine und Schmuckstücke in den sicheren Tresoren der Eidgenossen.
Die Schuldenkrise in Europa lässt Anleger zittern - in der Schweiz sorgt sie für rappelvolle Panzerschränke bei den Banken.
"In vielen Niederlassungen sind die Schließfächer derzeit vollständig ausgelastet", sagte der Sprecher der Migros Bank, Albert Steck. Erste Geldhäuser müssen schon Kunden abweisen, da in ihren Kellergeschossen kein Panzerschrank mehr frei ist. Auch die Zürcher Kantonalbank bestätigte, dass mit der Verschärfung der Schuldenkrise deutlich mehr Platz in den Tresoren nachgefragt wird.
Der Versicherer Baloise, bei dem etwa Banken ihre Tresorräume abdecken, teilte mit, zahlreiche Geldinstitute hätten in letzter Zeit angefragt, um die Deckungssumme für die Inhalte der Kundenschließfächer zu erhöhen. Dies sei sicher darin begründet, dass die Tresorräume praller gefüllt seien als noch vor ein paar Jahren, sagte eine Sprecherin.
Mit der Verschlechterung der Aussichten für die Wirtschaft wächst zugleich die Beliebtheit von Schweizer Franken-Banknoten - ein Phänomen, das bereits bei der Finanzkrise 2008 aufgetaucht war. Insbesondere 1000-Franken-Scheine sind gefragt, wie aus Daten der Schweizerischen Nationalbank hervorgeht. Und die sind kaum für den täglichen Einkauf gedacht, sondern verschwinden häufig hinter den gut gesicherten Mauern der für ihre Finanzstärke bekannten Geldhäuser.
Goldbarren-Schuggel
Vor kurzem wurde ein italienischer Geschäftsmann festgenommen, der unter seinem Autositz versteckte Goldbarren in die Schweiz schmuggelte. Vor allem die besonders Wohlhabenden suchen Zuflucht in als sicher geltenden Anlagen wie Gold, um einer drohenden Geldabwertung aus dem Weg zu gehen. Deshalb seien nun Sachwerte im Fokus, bestätigt Wirtschaftsprofessor Bruno S. Frey. Auch bei Immobilien und im Kunstgewerbe klettern die Preise.
Die zunehmende Beliebtheit von Schweizer Schließfächern ist jedoch nicht allein in der wachsenden Verunsicherung angesichts der Euro-Krise begründet. Ausländische Bankkunden suchen auch nach Möglichkeiten, um die geplanten Steuerabkommen etwa mit Deutschland, Österreich und Großbritannien für in der Schweiz gehortetes Schwarzgeld zu umgehen. Der Inhalt der Tresorfächer ist von den neuen Regelungen ausgenommen, weil sie nicht als Vermögenswerte der Bank gelten. Ein Privat-Bankier in Zürich gab zu, er gebe "kleineren" Kunden mit weniger als zwei Millionen Dollar auf dem Bankkonto folgenden Rat: "Das Schlaueste ist, die Summe in bar abzuheben und sie in einem Schließfach verschwinden zu lassen."
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