Börse International

Robert Prazak
27.06.201215:30 Uhr
Kein gutes Klima für Börsestarts

Kein gutes Klima für Börsestarts

  • Studie von Ernst & Young zeigt: IPO-Markt am Boden – im Juni gab es nur noch 33 Börsengänge.

Gesamtvolumen von sechs Milliarden US-Dollar bei den Juni-IPOs, Österreich hat wieder mal komplett ausgelassen.

Von einer Eiszeit zu sprechen wäre vielleicht etwas übertrieben, aber tatsächlich ist das Klima für Börsengänge derzeit sehr frostig. Das zeigt eine neue Studie von Ernst & Young. Demnach gab es im Juni nur 33 IPOs weltweit, nachdem im April und Mai noch 173 verzeichnet worden waren. Demnach ist das IPO-Volumen im Juni stark zurückgegangen: Nur noch sechs Milliarden Dollar betrug es insgesamt (nach 36 Milliarden in April und Mai). In Europa beispielsweise gab es erstmals seit 20 Jahren im Juni kein einziges IPO über 100 Millionen Dollar.

Die Quartalsbilanz ist trotz der jüngsten Eintrübung noch beachtlich: Insgesamt fanden zwischen April und Juni weltweit 206 Börsengänge (plus fünf Prozent zu 2011) statt, bei denen insgesamt 41,8 Milliarden US-Dollar erlöst wurden (plus 141 Porzent). Eine Verbesserung der Lage am IPO-Markt werde „stark von der weiteren Entwicklung der Situation in der Eurozone abhängen“ – so die nicht eben überraschende Prognose im „IPO-Barometer“ des Prüfungs- und Beratungsunternehmen.

Polen mit Vorsprung

Zurück zu den IPOs im Juni: Die meisten Börsengänge wurden in Polen gezählt: Insgesamt 19 Unternehmen gingen in Warschau an die Börse (Gesamtvolumen: 68 Millionen US-Dollar). In Großbritannien und der Türkei gab es jeweils acht Börsengänge mit einem Volumen; in Deutschland wagten drei chinesische Unternehmen den Sprung aufs Parkett: Sportartikelhersteller Goldrooster, Fischverarbeiter Haikui Seefood sowie Softwarehersteller VSG Vange Software.
Und Österreich? „In Österreich gab es seit Beginn des Jahres keinen einzigen IPO. Ob sich 2012 noch ein Börsefenster auftut, ist fraglich, aber wenn, dann müssen die Firmen schnell reagieren und daher entsprechend vorbereitet sein“, sagt Eva-Maria Berchtold, Partnerin für Transaction Advisory Services von Ernst & Young Österreich. Unternehmen würden derzeit eine so genannte „Dual Track-Strategie“ fahren, das heißt, neben einem möglichen IPO-Exit werden parallel auch Verkaufsverhandlungen geführt.

Weltweit bleibt China der aktivste IPO-Markt – hier gingen 71 Unternehmen an die Börse und erlösten 8,2 Milliarden US-Dollar. Im Rampenlicht gestanden war zuletzt der Facebook-Börsengang , der 16 Milliarden US-Dollar einbrachte. Auf dem zweiten Platz folgt der malaysische Agrarkonzern Felda Global Ventures, der bei seinem IPO im Juni 3,1 Milliarden Dollar realisierte – gut die Hälfte des weltweit in diesem Monat eingesammelten Kapitals. Der Börsengang des chinesischen Aktienbrokers Haitong Securities war mit einem Volumen von 1,9 Milliarden US-Dollar der drittgrößte IPO des Quartals.

Großer Kapitalbedarf

Für das Gesamtjahr sieht Ernst & Young-Expertin Eva-Maria Berchtold indes noch nicht schwarz: „Wir sollten 2012 noch nicht abschreiben. Der Kapitalbedarf der Unternehmen ist groß, zudem werden sich die Unternehmen zukünftig stärker in Richtung Kapitalmarkt orientieren müssen.“ Ein Grund dafür sei, dass die Banken bei der Kreditvergabe tendenziell zurückhaltender sein werden. Viele Unternehmen hätten konkrete IPO-Pläne in der Schublade und sind jetzt in der Warteschleife. „Auch auf Investorenseite besteht nach wie vor eine grundsätzliche Bereitschaft, in Emissionen zu investieren.“

 
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