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Reuters/feh
28.06.201218:12 Uhr

Die Sonne strahlt, doch an Euro-Börsen bleibt die Stimmung trüb

Während in Brüssel die Regierungschefs über die Schuldenkrise und Hilfsmaßnahmen beraten, fliehen in FRankfurt die Bullen von der Börse. Am Ende schließt der DAX mit einem Minus von 1,3 Prozent. Auch der Euro-Stoxx rutscht ab.

Der EU-Gipfel zur Schuldenkrise hat am Donnerstag den Takt an den europäischen Aktienmärkten vorgegeben. Allzu viel Hoffnung auf einen Durchbruch bei den Verhandlungen machten sich die Anleger aber nicht. Vertreter der Bundesregierung hatten die ohnehin nicht sonderlich hohen Spekulationen auf eine Einigung vor Beginn des Treffens bereits weiter gedämpft.

Der Dax schloss deshalb 1,3 Prozent niedriger bei 6149,91 Punkten. Der EuroStoxx beendete den Handel mit einem Abschlag von 0,4 Prozent bei 2156 Zählern (FTSE/London -0,65 Prozent und CAC-40/Paris -0,43 Prozent). Auch an den US-Börsen ging es kräftig abwärts. Der Euro fiel auf 1,2433 Dollar. Die Renditen der zehnjährigen spanischen Anleihen kletterten zeitweise wieder über die als kritisch geltende Sieben-Prozent-Marke.

Zumindest an den Aktienbörsen in Mailand und Madrid schöpften die Anleger aber wieder etwas Mut: Die dortigen Leitindizes gingen mit Aufschlägen von 0,7 und 0,8 Prozent aus dem Handel. Einem Entwurf für die Abschlusserklärung des Gipfels zufolge sollen die Präsidenten von EZB, Eurogruppe, EU-Kommission und EU-Rat damit beauftragt werden, einen konkreten Fahrplan für eine Wirtschafts- und Fiskalunion auszuarbeiten. Eine anvisierte Bankenunion sollte zudem alle EU-Länder umfassen. Unterschiede zwischen Ländern innerhalb und außerhalb der Euro-Zone sollten aber berücksichtigt werden.

Nach Reuters-Informationen sollen darüber hinaus Spanien und Italien kurzfristig entlastet werden. Die EU-Staats- und Regierungschefs wollten auf dem Gipfel demnach über die Möglichkeit beraten, dem Rettungsschirm EFSF grünes Licht für einen Ankauf von Anleihen am Primärmarkt zu erlauben. Die Idee gehöre zu den Maßnahmen zur Stabilisierung der Euro-Zone, über die auf dem Treffen in Brüssel gesprochen werde, sagten mehrere mit den Diskussionen vertraute Personen.

COMMERZBANK-AKTIEN NICHT NUR BEI MITARBEITERN UNBELIEBT

Angesichts der großen Unsicherheit gab es am Aktienmarkt kaum fundamental zu begründende Einzelbewegungen. Größte Verlierer im Dax waren die Commerzbank -Aktien, die 7,2 Prozent auf 1,26 Euro absackten. Das Institut platzierte zu 1,27 Euro neue Anteilsscheine am Markt, die Führungskräfte als Bonus bekommen hatten und gleich wieder verkaufen wollten. Die dadurch stattfindende Kapitalerhöhung sei nicht sonderlich groß, sagten Händler. Dass das Management die Aktien aber nicht halten wolle, lasse an deren Zuversicht hinsichtlich ihres eigenen Instituts zweifeln.

Unter die Räder gerieten auch andere Bankaktien, was Händler nur zum Teil auf die Schuldenkrise zurückführten. Vielmehr belasteten Untersuchungen über angebliche Manipulationen bei Interbanksätzen wie Libor vor allem die Papiere von Barclays, die an der Londoner Börse um mehr als 15 Prozent einbrachen. Auch andere britische Bankenwerte gingen in den Keller. Royal Bank of Scotland, Lloyds und HSBC fielen um 11,5 bis 2,6 Prozent. Die Untersuchung konzentriert sich unter anderem auch auf die Deutsche Bank, die französische Societe Generale sowie die US-Großbank JP Morgan, deren Aktien in New York um 3,9 Prozent fielen. Die Anteilsscheine der Deutschen Bank verloren 4,5 Prozent, die von Societe Generale 2,1 Prozent. Der europäische Bankenindex gab 2,5 Prozent nach.

Trotz der aktuellen Kursabschläge sind Börsianer aber optimistisch, dass es zumindest mittelfristig im Dax wieder aufwärts gehen könnte. Von Reuters befragte Aktien-Strategen setzen auf ein Anziehen der Weltkonjunktur und sehen den deutschen Leitindex Ende Dezember im Schnitt bei 6600 Punkten. Im Vergleich zu seinem aktuellen Stand wäre das ein Plus von mehr als sieben Prozent. Impulse für die exportorientierten deutschen Unternehmen erwarten die Analysten vor allem aus Asien und Lateinamerika.

 
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