Karl-Heinz Grasser

Ashwien Sankholkar
21.06.201216:32 Uhr
Grassers Family Affairs

Grassers Family Affairs

  • Nach Schwiegermutter Marina Giori-Lhota nimmt die Justiz nun auch Vater Karl Grasser ins Visier. Das dokumentieren FORMAT exklusiv vorliegende Polizeiberichte.

Die Strafverfahren gegen Karl-Heinz Grasser werden zunehmend zur Belastung für die Familie. Nach Schwiegermutter Marina Giori-Lhota sind nun auch Karl und Christa Grasser im Fadenkreuz der Finanz.

Perfekt. Das war KHG. Als Finanzminister für VP-Kanzler Wolfgang Schüssel. Als Schwiegersohn für Swarovski-Miteigentümerin Marina Giori-Lhota. Als Stammhalter für Vater Karl und Mutter Christa.

Doch seit drei Jahren ist alles anders. Die Korruptionsskandale Buwog, Hypo Alpe-Adria und Telekom Austria haben nicht nur Karl-Heinz Grassers Saubermann-Image in der Öffentlichkeit schwer ramponiert, sondern auch das private Umfeld des selbsternannten Mister Nulldefizit arg in Mitleidenschaft gezogen.

Schuld daran ist Grasser selbst. Denn immer wenn es im Buwog-Strafverfahren für ihn brenzlig wurde, musste die liebe Familie als Prellbock herhalten. Wird der frühere Finanzminister auf dubiose Bargeldgeschäfte angesprochen, verweist er stets auf irgendein Familienmitglied – mit Kalkül. Denn: Werden die Genannten von Finanzamt, Kriminalpolizei oder Staatsanwaltschaft vorgeladen, reagieren deren Anwälte oft mit derselben Floskel: „Mein Mandant ist als Angehöriger aussagebefreit und macht ausdrücklich von seinem gesetzlichen Entschlagungsrecht Gebrauch.“ Die Ermittler bringt das auf die Palme.

Brisante Polizeipapiere

Die perfekte Verteidigungsstrategie für KHG entpuppt sich aber immer mehr als tickende Zeitbombe für die Angehörigen. Die neuen Family Affairs werden durch FORMAT exklusiv vorliegende Akten aus dem Innenministerium dokumentiert. Laut vertraulichen Gerichtspapieren arbeiten die Buwog-Ermittler fieberhaft daran, den familiären Schutzwall zu durchbrechen. Die gesamte Familie wird unter die Lupe genommen. Marina Giori-Lhota, die KHG als Auftraggeberin der legendären Geldtransporte genannt hat, war die erste. Fionas Mutter knickte auf Behördendruck ein. Nun sind Grassers Eltern an der Reihe.

Aufgrund einer Geldwäscheverdachtsmeldung der Meinl Bank AG wurde bekannt, dass bei der Raiffeisen Bezirksbank Klagenfurt (…) im Zeitraum von 15. November 2005 bis 20. September 2010 Bargeldbeträge in Höhe von insgesamt 830.000 Euro zugunsten von Mag. Karl-Heinz Grasser von dessen Eltern eingezahlt wurden“, heißt es in einem mit 21. Mai 2012 datierten Polizeibericht an die Korruptionsstaatsanwaltschaft. Die Ermittler wollten „die Eltern von Mag. Karl-Heinz Grasser (Christa Grasser und Karl Adolf Grasser), die als Einzahler auf den Bankbelegen angeführt sind, zur Mittelherkunft als Zeugen befragen“ und von einem Raiffeisen-Banker eine Erklärung hören, warum bei den Casheinzahlungen „keine Identifizierungsmaßnahmen getroffen (bzw.) der wirtschaftliche Hintergrund nicht geprüft wurde“ (Polizeibericht vom 10. April 2012).

Der 73-jährige Kommerzialrat Karl Grasser verweigerte die Aussage mit Verweis auf seinen Angehörigenstatus, und RBB-Banker Norbert K. pochte auf das Bankgeheimnis. Die RBB Klagenfurt beschwerte sich sogar beim Oberlandesgericht Wien über die Befragung, was die Korruptionsstaatsanwaltschaft am 1. Juni 2012 zu einer pointierten Stellungnahme veranlasste: „Es sei nochmals wiederholend bemerkt, dass Mag. Grasser das Finanzvergehen der gewerbsmäßigen Abgabenhinterziehung angelastet wird und die Überprüfung der von seinen Eltern bei der RBB Klagenfurt zur Überweisung an ihn einbezahlten Barbeträge zur allfälligen Aufdeckung weiterer unversteuerter Einnahmen eine den Denkgesetzen entsprechend logische Ermittlungsmaßnahme darstellt. “ Aus Sicht der Staatsanwälte werden die Ermittlungen unnötig behindert: „Zumal schon der gewählte Vorgang einer Einzahlung zur anschließenden Weiterüberweisung in Zeiten des Telebanking die Vermutung nährt, dass die Herkunft der Gelder verschleiert werden soll.

Warum verweigert sich Grassers Vater den Behörden? Er bräuchte doch nur bestätigen, was sein Sohn sagt: Das Geld sei supersauber und stamme aus Sparbuchauflösungen und Wohnungsverkäufen. „Den bisherigen Erhebungen zufolge konnte die Herkunft von insgesamt 780.000 Euro der in der Verdachtsmeldung der Meinl Bank AG angeführten 830.000 Euro nicht nachvollzogen werden“, heißt es laut Polizeibericht vom 10. April 2012. „Dazu wird bemerkt, dass im Zeitraum von 24. Februar 2006 bis 29. September 2008 vom Konto Hypo Investmentbank Liechtenstein, Nr. 800.415, welches nach den bisherigen Ermittlungen Mag. Karl-Heinz Grasser zuzuordnen ist, ein Betrag von insgesamt 624.000 Euro (ohne Spesen) in 16 Tranchen bar abgehoben wurde.

Im Klartext: Beim „Papa-Geld“ könnte es sich tatsächlich um Teile der skandalumwitterten Buwog-Provisionen aus dem Jahr 2004 handeln, die von KHG-Freund Walter Meischberger von Wien nach Vaduz geschleust worden sind. Grasser – für ihn gilt die Unschuldsvermutung – bestreitet, beim Buwog-Deal seines Trauzeugen „Meischi“ mitverdient zu haben. Und Meischberger? Der kann sich nicht erinnern, was mit den 624.000 Euro Cash geschehen ist.

Die konsequente Aussageverweigerung könnte Karl Grasser am Ende selbst zum Verhängnis werden. Laut FORMAT-Informationen interessiert sich die Finanz für die Herkunft der 780.000 Euro. Wenn er der Steuerbehörde nicht schlüssig erklären kann, woher das Geld stammt, droht ihm Schlimmes: von der Steuerprüfung bis zum Finanzstrafverfahren. Denn irgendwer muss am Ende die Steuern zahlen.

Das Finanzamt ist nicht zimperlich, was Marina Giori-Lhota schmerzlich zu spüren bekam. Buwog-Staatsanwalt Gerald Denk wollte das famose Schwiemu-G’schichterl abklopfen: Für die Schwiegermutter habe er insgesamt 500.000 Euro Cash im Geldkoffer von der Schweiz nach Österreich gebracht, erzählte KHG. Das Vermögen wurde zunächst in Meinl-Fonds und dann via Briefkastenfirma Ferint AG in Hypo-Alpe-Adria-Genussscheine investiert. Der Hypo-Deal brachte über 250.000 Euro Profit – für Giori-Lhota.

Die Schwiegermutter fällt um

Fast ein Jahr drückte sich die reiche Dame mit dem Angehörigen-Privileg vor der Aussage. Dann schaltete sich die Großbetriebsprüfung Innsbruck ein. Die Finanz forderte am 15. November 2011 eine Erklärung von ihr und drohte mit dem Entzug von Steuerprivilegien. Das wirkte. Nur drei Tage später verfasste Giori-Lhota einen Brief, der KHG besonders wehtat. „Zu keinem Zeitpunkt (war ich) wirtschaftlich Berechtigte des auf Ferint AG lautenden Depots bei der Meinl Bank. “ Die von KHG bei Meinl vorgelegten Formulare mit ihrem Namen wurden „ohne mein Zutun“ erstellt, schreibt Giori-Lhota. „Da ich nicht die wirtschaftlich Berechtigte des Depots bin bzw. war, waren allfällige Erträge aus diesem Wertpapierdepot nicht in meine Schweizer Steuererklärung aufzunehmen.

Doch es kommt noch besser. Die Meinl Bank hält gegenüber der Großbetriebsprüfung Wien am 11. Mai 2012 schriftlich fest, was nach der Umschichtung von Meinl-Fonds in Hypo-Papiere noch geschah: „Auf dem Konto der Ferint AG (wurden) zwischen 14. Juli 2005 und 12. Februar 2010 insgesamt 64.710,42 Euro an steuerlich relevanten Spekulationsgewinnen erzielt. Wem diese allenfalls in Österreich steuerpflichtigen Spekulationsgeschäfte zuzurechnen sind, entzieht sich unserer Kenntnis. “ Der Hypo-Einstieg erfolgte Ende 2006, der Exit 2007. Ausgezahlt wurde der Hypo-Gewinn von 263.000 Euro aber erst 2008. „Ob die von der Berlin & Co Capital Sarl gehaltenen Aktien an der Hypo Alpe-Adria Bank steuerlich allenfalls direkt den dahinterstehenden Genussscheininvestoren zuzurechnen waren (oder) die Überweisung des Abschichtungsguthabens für die Genussscheine lediglich hinausgeschoben wurde, um den Ablauf der einjährigen Spekulationsfrist abzuwarten, können wir nicht beurteilen“, schreibt die Meinl Bank. Das muss das Finanzamt nun prüfen. Die Spekulationsgewinne wurden laut FORMAT-Recherchen nicht deklariert.

Sollte die Finanz der Aussage von Giori-Lhota glauben, dann wäre Grasser die halbe Hypo-Mille plus Erträge zuzurechnen. Ein Einkommen, das der perfekte Ex-Finanzminister aber nie versteuert hat.

 
Laleidama, 22. 06. '12 07:39
und wann
klicken nun wirklich die Handschellen...???..nach dem super-heißen Slommer..???
pixel