Internationale Wirtschaftsnachrichten

Reuters/hahn
17.06.201208:44 Uhr
"Europas Politiker handeln immer einen Tag zu spät"

"Europas Politiker handeln immer einen Tag zu spät"

  • Kurz vor Beginn des G20-Gipfels in Mexiko hat Weltbankpräsident Robert Zoellick die Regierungschefs der Euro-Zone für ihr bisheriges Krisenmanagement gerügt und rasche Reformen angemahnt.

Die Euro-Schuldenkrise und der Streit um das richtige Krisenmanagement dürften auch den G20-Gipfel am Montag und Dienstag in Mexiko dominieren.

"Europas Politiker handeln immer einen Tag zu spät und versprechen einen Euro zu wenig", sagte Zoellick in einem am Sonntag veröffentlichten Interview des "Spiegel". Zur Bekämpfung der Schuldenkrise habe die Europäische Zentralbank zwar wiederholt für neue Liquidität gesorgt und dadurch Zeit erkauft. Die strukturellen Probleme würden dadurch aber nicht gelöst. Weiteres Zögern sei gefährlich, warnte Zoellick.

Die Euro-Schuldenkrise und der Streit um das richtige Krisenmanagement dürften den G20-Gipfel am Montag und Dienstag in Mexiko dominieren. Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich zuletzt verstärkt gegen Forderungen zur Wehr gesetzt, zur Bekämpfung der Schuldenkrise auch neue Instrumente wie etwa gemeinsame Anleihen der Euro-Länder oder einen Schuldentilgunsfonds einzusetzen.

Zoellick fordert Euro-Bonds

"Wenn Europa weiter so schwächelt, wird es an globalem Einfluss verlieren. Dessen müssen sich Europas Führer bewusst sein", sagte Zoellick dem Magazin. Zur Finanzierung der Rettungspakete gebe es schließlich genug Ideen: "Es gibt den Vorschlag, Euro-Bonds für Schulden von bis zu 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auszugeben. Alles, was die Länder darüber hinaus ausgeben, ginge auf ihre eigene Rechnung." Europa könnte in diesem Fall von den Amerika lernen, fügte der gebürtige US-Amerikaner und ehemalige Goldman-Sachs-Manager hinzu. So hätten die Vereinigten Staaten nach dem Unabhängigkeitskrieg ein einziges Mal die Schulden aller Einzelstaaten übernommen, seitdem seien sie auf sich allein gestellt. "Europa könnte ein ähnliches System einführen", sagte Zoellick.

Der Weltbankchef betonte, letztlich sei vor allem das Tempo im Kampf gegen die Schuldenkrise entscheidend: "Es kommt mir nicht so sehr darauf an, welches Modell die Europäer wählen. Sie sollen sich nur für eines entscheiden. Und zwar schnell." Die deutsche Regierung solle dabei vorangehen, doch in anderer Form als bislang. "Deutschland muss weiterhin auf fiskalen und strukturellen Reformen in einem vereinigten Europa bestehen", sagte Zoellick. Aber die Regierung in Berlin müsse auch klar sagen, wie es Staaten, die mitten in Reformen steckten, helfen wolle. "Deutschland leistet ja eigentlich sehr viel. Doch es stünde besser da, wenn es im Voraus genauer erläuterte, was für Hilfen es im Gegenzug für Reformen anbietet."

 
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