Internationale Wirtschaftsnachrichten

13.06.201215:36 Uhr
Syrien lässt Geld in Russland drucken

Syrien lässt Geld in Russland drucken

Die von Bürgerkriegswirren geschwächte syrische Wirtschaft wird nach Informationen aus Finanzkreisen mit neu gedrucktem Geld aus Russland aufgefrischt.

Wie mehrere Bankenvertreter der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch in Damaskus bestätigten, sind in der Hauptstadt und in Aleppo versuchsweise neue Geldnoten aus russischer Produktion in Umlauf gebracht worden. Bei der Aktion handele es sich nicht um einen bloßen Austausch verschlissener Scheine, sondern um zusätzliche Geldspritzen zum Bezahlen der Gehälter von Staatsbediensteten. Der Schritt droht die Inflation in Syrien zu verschärfen, die bereits bei 30 Prozent liegt.

Der Regierung von Präsident Baschar al-Assad sind in dem seit 15 Monaten anhaltenden Aufstand zunehmend die Einnahmequellen weggebrochen. Insbesondere die Öl-Exporte sind von den internationalen Sanktionen betroffen. Um weitere Unruhe in der Bevölkerung zu vermeiden, werden den Bankern zufolge die Gehälter der zwei Millionen Staatsbediensteten - von insgesamt 4,5 Millionen landesweit Beschäftigten - vordringlich behandelt. Ein hochrangiger Geschäftsmann mit Verbindung zu den Finanzbehörden sagte, das Defizit wachse schnell. "Und um es zu finanzieren haben sie beschlossen, Geld zu drucken." Einer der Banker sprach von einem "letzten Ausweg", zu dem sich die Regierung nach monatelanger Diskussion entschlossen habe.

Der scheidende syrische Finanzminister Mohammed al-Dschleilati hatte in der vergangenen Woche erklärt, seine Regierung habe bei einem Wirtschaftstreffen Ende Mai in Russland über das Drucken von Banknoten gesprochen. In den staatlichen Medien erklärte die Zentralbank später jedoch, es sei kein neues Geld in Umlauf gebracht worden. Bei dem Aufstand gegen Assad sind nach Schätzungen der Vereinten Nationen mehr als 10.000 Menschen getötet worden.

 
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