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Reuters
12.06.201207:46 Uhr

An der Wall Street dreht der Wind Richtung Süden

Die zugesagten Milliardenhilfen für marode spanische Banken haben der Wall Street am Montag keine Ruhe verschafft. Nach Gewinnen zum Handelsauftakt zeigten sich Investoren bei einem genaueren Blick auf die Bedingungen für die Unterstützung enttäuscht.

Vor allem Finanztitel standen auf den Verkaufszetteln. Wenige Tage vor der für Griechenlands Euro-Zukunft entscheidenden Parlamentswahl dominierten in New York damit erneut Sorgen um die Zukunft der Gemeinschaftswährung. Schwache Konjunkturdaten aus China fachten den Pessimismus bei Händlern zusätzlich an.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte zum Handelsschluss mit einem Minus von 1,1 Prozent bei 12.411 Punkten. Im Handelsverlauf pendelte das Marktbarometer zwischen 12.398 und 12.650 Zählern. Der breiter gefasste S&P-500-Index schloss bei 1308 Punkten, ein Abschlag von 1,3 Prozent. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 1,7 Prozent und ging mit 2809 Punkten aus dem Handel. Der Dax in Frankfurt gewann 0,2 Prozent auf 6141 Zähler.

Die Zuwächse an den internationalen Finanzmärkten nach dem Hilferuf Spaniens entpuppten sich als Strohfeuer. Die spanische Regierung hatte am Wochenende nach langem Widerstand bekanntgegeben, doch Finanzhilfen aus den Euro-Rettungsfonds zur Rekapitalisierung von angeschlagenen Banken zu beantragen. Dem Land sollen bis zu 100 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden.

Bei genauerem Hinsehen zeige sich, dass der Deal der Spanier eine taktische und keine allumfassende, ultimative Hilfe der Europäischen Zentralbank sei, sagte James Dailey, Portfolio-Manager von TEAM Financial Asset Management. Angesichts der Schwere der Probleme würde nun allen klarwerden, dass die Hilfe nicht ausreiche.

Der Umfang des Paketes verdeutliche die Anstrengungen der Eurozone, das System zu stabilisieren, ergänzte der Analyst Robert Pavlik von Banyan Partners. Allerdings werde damit das Problem nur verschoben. Zudem zeigten die Hilfen, wie nervös die EU vor der Parlamentswahl in Griechenland sei. Die Griechen wählen am 17. Juni. Bei einem Sieg der Gegner des Sparkurses könnte das hoch verschuldete Land gezwungen sein, die Eurozone zu verlassen.

Investoren trennten sich von Finanztiteln. So fielen Papiere der Citigroup um 4,6 Prozent. Am Freitag war bekanntgeworden, dass Citi-Aktionäre zumindest in diesem Jahr nicht darauf hoffen können, eine höhere Ausschüttung je Anteilsschein zu bekommen. Aktien von Morgan Stanley und AIG verloren 2,5 beziehungsweise 3,1 Prozent.

Die Aktien von Citi-Konkurrent Goldman Sachs konnten sich dem Markttrend ebenfalls nicht entziehen und verloren 1,8 Prozent. Die Bank steht offenbar kurz vor dem Verkauf ihres Hedgefonds-Verwaltungsgeschäfts an den heimischen Rivalen State Street. Das fusionierte Geschäft wäre für die Verwaltung von Fonds im Volumen von fast 700 Milliarden Dollar zuständig.

Die Vorstellung eines eigenen Kartendienstes, der verbesserten Sprach-Software Siri und eines Laptops mit dem hochauflösenden Display des iPad konnte der Apple -Aktie keinen Schwung verleihen. Das Papier schloss 1,6 Prozent im Minus.

Auch Papiere des Lastwagenbauers Navistar standen im Interesse der Anleger. Einem Zeitungsbericht zufolge prüft Volkswagen wie Fiat einen Einstieg bei dem Unternehmen. Navistar-Aktien stiegen 1,3 Prozent.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 740 Millionen Aktien den Besitzer. 614 Werte legten zu, 2398 gaben nach und 94 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,48 Milliarden Aktien 565 im Plus, 1928 im Minus und 109 unverändert.

 
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