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Reuters/hahn
11.06.201218:05 Uhr

Das bewegt die Märkte: Wie gewonnen, so zerronnen

Die Erleichterung an den Finanzmärkten über den Hilferuf Spaniens hielt nur kurz vor: Viele Anleger blieben am Montag skeptisch, ob die von den Euro-Partnern in Aussicht gestellten Finanzhilfen von bis zu 100 Milliarden Euro für die maroden spanischen Banken ausreichen, um die Schuldenkrise insgesamt in den Griff zu bekommen.

Der Dax schloss nur 0,2 Prozent im Plus bei 6141,05 Punkten, nachdem er kurz nach Handelsbeginn bis auf 6287 Zähler gestiegen war. Die Umsätze im deutschen Leitindex blieben mit knapp unter drei Milliarden Euro dünn. Der Euro drehte am Nachmittag ins Minus und notierte bei 1,25 Dollar. Im Handelsverlauf war er zeitweise bis auf 1,2668 Dollar gestiegen. Die Kurse der zehnjährigen Staatsanleihen Spaniens und auch Italiens rutschten nach einem kurzen Erholungsmoment wieder ab, im Gegenzug stiegen die Renditen.

Mit der Rettung der spanischen Banken sei zwar ein wesentlicher Schritt zur Krisenbewältigung getan, es seien aber noch längst nicht alle Probleme gelöst, sagte Deka-Chefvolkswirt Ulrich Kater zu Reuters. "Die Aufräumarbeiten bei den Banken beginnen jetzt erst - sie müssen konsequent Abschreibungen auf faule Kredite vornehmen und sich einer stärkeren Aufsicht unterstellen. Das darf man nicht schleifen lassen, sonst versickert das Geld. Vor allem aber geht es darum, jetzt auch die realwirtschaftliche Entwicklung in Spanien voranzubringen."

Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise wies auf die unverändert hohe Arbeitslosigkeit in Spanien als ein weiter ungelöstes Problem hin. "Hier muss mit den Reformen weitergemacht werden." Die Banken-Problematik dürfte mit den neuen Maßnahmen aber eigentlich gelöst sein, sagte Heise zu Reuters.

Spanien soll zur Stützung seiner Banken, die unter faulen Immobilienkrediten leiden, aus den Euro-Rettungsfonds bis zu 100 Milliarden Euro erhalten. Die genaue Summe und die Modalitäten der Zahlung sind aber noch unklar. Aus EU-Kreisen verlautete, dass das Geld besser aus dem provisorischen Rettungsschirm EFSF statt aus dem Nachfolgefonds ESM fließen sollte.

Der EuroStoxx50 beendete den Tag 0,4 Prozent im Minus bei 2136 Punkten und damit mehr als 60 Punkte unter seinem Tageshoch. Auch der spanische Leitindex Ibex drehte ins Minus und schloss 0,5 Prozent niedriger. "Im Endeffekt war jedem klar, dass wir die hohen Anfangsgewinne nicht lange halten können", sagte ein Händler. "Jetzt machen viele Investoren lieber das, was sie in letzter Zeit immer häufiger getan haben: Gar nichts." Die Preise für Rohöl gaben nach US-Börseneröffnung ebenfalls nach. Lediglich Kupfer verteuerte sich um 1,7 Prozent.

Finanzwerte können Gewinne nicht halten

Viele Börsianer stellten sich die Frage, ob Italien nun verstärkt ins Visier der Märkte gerät. Für Nervosität sorgten die Aussagen des italienischen Industrieministers. Sein Land habe bereits alles Notwendige getan, um sich aus eigener Kraft aus der Euro-Krise zu retten, sagte Corrado Passera. Er sieht Italien daher nicht als den nächsten Kandidaten für den Euro-Rettungsschirm. "Das haben Vertreter von Irland, Portugal und Spanien auch schon gesagt - und sie waren es dann doch. Daher fürchtet der Markt, dass bei Italien jetzt auch noch was im Busch ist", sagte ein Händler. Dass das italienische Bruttoinlandsprodukt von Januar bis März um 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zurückging, sorgte ebenfalls für Verstimmungen an den Märkten. Vor allem die zurückhaltenden Verbraucher machten der Konjunktur in Italien zu schaffen.

Wie der Gesamtmarkt erlebten auch die europäischen Bankentitel den Handelsschluss nicht mehr in der Pluszone. Der Branchenindex beendete den Tag mit einem Abschlag von 0,7 Prozent. Sein spanisches Pendant, der zeitweise um knapp zehn Prozent geklettert war, schloss 0,2 Prozent im Minus. Deutsche Bank und Commerzbank büßten ihre Gewinne ebenfalls ein und verzeichneten ein Minus von 0,5 beziehungsweise 1,6 Prozent.

 
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