Body & Soul

Gabriela Schnabel
11.06.201215:21 Uhr
Wasserspiele

Wasserspiele

  • Fashion-Designerin Eva Poleschinski lässt sich in den Tiefen des Meeres inspirieren

Die Designerin Eva Poleschinski, bekannt durch ihr Modelabel [ep_anoui], ist eine begeisterte Taucherin. In den Tiefen des Meeres holt sie sich auch viele Inspirationen für ihre Damen- und Herrenlinie.

Ihre Erscheinung ist weder so extravagant wie die von Vivienne Westwood, noch wirkt sie im Auftritt so exaltiert wie Karl Lagerfeld. Sie verkörpert vielmehr das natürliche Steirermädel, unprätentiös, im legeren Freizeitlook, und geht sparsam mit Make-up um. Das ist Eva Poleschinski, 27, die Jungdesignerin, die mit ihrem Modelabel [ep_anoui], was so viel wie "erblühen“ bedeutet, bereits international Erfolge feierte. Ihre Kollektionen hat sie in Paris, Tokio und bei der Indie Fashion Week in New York präsentiert. Auch hierzulande wird ihr Handwerk mittlerweile sehr geschätzt: Poleschinski gewann den Steinecker Wedding Award und wurde im Vorjahr als beste Designerin bei den Vienna Awards nominiert. Im Jänner gibt die gebürtige Hartbergerin mit ihrer Herbst/Winter-Kollektion "l’air de vivre“ ihr Debüt bei der Fashion Week in Berlin. Dabei zielte die "Tüftlerin“ bei ihren Designs auf das Spiel der beiden Elemente Wasser und Eis miteinander ab und verdeutlichte die starken Kontraste. "Leder symbolisiert die Oberfläche von Eis, während fließende Seide für die wellenartige Bewegung des Wassers steht“, beschreibt die Modeartistin ihre jüngsten Stoffkreationen.

Eiszeit für Mode

Die Inspirationen für ihre neuen Stoffdesigns holt sich die Hobbytaucherin am liebsten aus den Tiefen des Meeres bei den Seychellen. "Was mich so fasziniert, sind das intensive Farbenspiel und die Reflexe der Sonne, die sich unter Wasser spiegeln und die es in dieser Brillanz kaum woanders gibt“, schwärmt Poleschinski. Diese Eindrücke setzte die Designerin mit Installationen für ihre Winterkollektion in Berlin um: Einzelne Kleidungsstücke wurden in Eisblöcken (siehe Fotos links) eingefroren, die dann langsam schmolzen.

Markenzeichen Pailletten. Fadesse am Runway ist Poleschinskis Sache eben nicht. Sie hat ihre Vorstellungen, weiß genau, was sie will. "Ich mag Ziele, um den Weg zu beginnen, nehme mir dann aber auch die Freiheit, sie zu ändern“, sagt Poleschinski. So studierte die Steirerin erst Jus und Betriebswirtschaft, bevor es sie an die internationale Modeschule Esmod nach München zog. In dieser Zeit sammelte sie schon praktische Erfahrungen bei Emanuel Ungaro in Palm Beach oder bei AbaetA in New York, und 2008 gründete sie ihr Modelabel [ep_anoui]. Poleschinski hat ein Faible für Materialmix und die Natur. Kernelemente ihrer Kollektionen sind selbst designte Paillettenstoffe, die sie individuell verfremdet (durch Schmelzen oder Vergolden etc.). Je-de Kollektion für Damen und Herren umfasst etwa 60 Teile. Die Designerin kreiert die Stücke in ihrem Atelier in der Wiener Florianigasse mit ihren "Urelfen“ (1 fixer Mitarbeiter, 3 Praktikanten). Ihr Arbeitspensum ist enorm: Sie beliefert neben dem österreichischen Markt und Deutschland auch bereits Spanien, Amerika und Saudi-Arabien.

In den Tiefen des Meeres

Trotz ihrer Jugend weiß Poleschinski, wie wichtig es ist, sich entsprechend Ausgleich zu verschaffen. Wenn ihr die Decke auf den Kopf zu fallen droht, düst sie kurz entschlossen in die Steiermark zu ihrer Familie: "Mein Herz ist grün und wird es immer bleiben.“ Braucht sie längere Schöpfungspausen, dann sticht sie in See. Und zwar auf dem Katamaran ihres guten Freundes Martin Ernstbrunner, der derzeit die Welt umsegelt. "Da kann ich bewusst leben, ohne Computer und Handy. Das ist meine Steckdosenzeit“, beschreibt Poleschenski, wie sie neue Kraft tankt. Im Jänner ging sie auf den Seychellen an Bord und tauchte drei Wochen lang in die Tiefen des Meeres ab. "Urglücklich“ war die Urlauberin, als sie Bekanntschaft mit den Riffhaien machte, weil "sich die so ästhetisch bewegen“. Und den besonderen Kick holt sich die Hobbytaucherin, wenn sie versunkene Schiffswracks erkundet. "Da geht das Herzerl schon ein bisserl schneller.“ Doch ernsthafter Gefahr setzt sich Poleschinski nie aus. Schon bei ihrem ersten Tauchkurs im Alter von 15 Jahren hatte sie sich fest vorgenommen, dass sie nur mit einem Buddy als Tauchpartner das Meer erkunden wird. Bald ist es wieder so weit. Im August geht Poleschinski wieder auf Tauchstation. "Ich freue mich schon auf die Schwerelosigkeit und darauf, dass meine visuelle Wahrnehmung wieder neue Reize erhält.“ Die kann sie auf jeden Fall brauchen, denn die nächste Kollektion steht unter dem Motto "Traumwelten“.

 
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