Wirtschaft

Reginald Benisch, Bernhard Ecker und Caroline Millonig
26.03.201310:40 Uhr
trend Top 500! Österreichs erfolgreichste Unternehmen

trend Top 500! Österreichs erfolgreichste Unternehmen

2011 war ein Jahr der hektischen Suche nach einer neuen Ordnung. Dementsprechend glich die Reise einer Fahrt mit der Hochschaubahn. Österreichs Unternehmen waren erstaunlich gut unterwegs.

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Hier gehts zu den erfolgreichsten Unternehmen Österreichs:


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Über Langeweile konnte man sich 2011 nicht beschweren: erst der arabische Frühling, dann Japans Tsunami und die Atomkatastrophe von Fukushima, zwischendurch wilde Turbulenzen an den Aktienbörsen und Rohstoffmärkten – und dann noch das ständige Auf und Ab der Ängste und Hoffnungen rund um den Euro.

Dass Österreichs Wirtschaft 2011 um drei Prozent wuchs und die Zahl der Arbeitslosen um über vier Prozent zurückging, war in diesem Umfeld ein ausgezeichnetes Ergebnis – und es wurde in hohem Maß von den TOP-500-Unternehmen Österreichs getragen: Deren Umsätze sind gegenüber 2010 um 12,24 Prozent auf 434 Milliarden Euro gestiegen, die Zahl ihrer Mitarbeiter um 3,4 Prozent auf fast eineinhalb Millionen. Summa summarum kamen die größten Unternehmen des Landes also recht gut über die Runden – auch wenn einzelne von überraschenden Ereignissen getroffen wurden, wie zum Beispiel den Revolutionen im arabischen Raum, die die Diktatoren in Tunesien, Ägypten und Libyen wegspülten.

Die Baustoffdynastie Asamer etwa musste ihre drei Zementwerke in Libyen während der Kämpfe gegen die Gaddafi-Truppen schließen. Und auch wenn die Fabriken rund um Benghazi inzwischen wieder laufen, haben die Turbulenzen in den Asamer-Umsätzen (minus 9,9 Prozent, Rang 170) Spuren hinterlassen. Auch ein Teil der AUA-Umsatzrückgänge ist auf die Einstellung der Flüge nach Tripolis und den Einbruch der Nachfrage nach Destinationen in Ägypten, Syrien und Tunesien zurückzuführen. Und selbst Riesen wie der Ölkonzern OMV und der Baukonzern Strabag waren betroffen, aber sie konnten die Schwierigkeiten besser verdauen.

Absturz im Sommer

Doch selbst für Unternehmen, die von lokalen Ereignissen verschont blieben, war das Jahr 2011 keine so ungetrübte Veranstaltung, wie das drei Prozent Wachstum suggerieren mögen. „Im Sommer ist die Konjunktur abrupt nach unten weggebrochen“, erinnert sich Erste-Sparinvest-Chefökonom Gerhard Winzer. Unternehmer und Top-Manager hätten angesichts neuer Kassandrameldungen zum Thema Griechenland und wegen aufflackernder Rezessionsängste den Mut verloren – „Investitionsprojekte wurden kurzerhand verschoben“.

Trotzdem: Einige Branchen glänzten durch besonders gute Performance – vor allem die Anlagen- und Maschinenbauer, der Stahlsektor und die Automobilzulieferer. Und in Summe verzeichneten die meisten Unternehmen übers Jahr satte Zuwächse – wenngleich aus unterschiedlichsten Gründen.

Manche verdanken ihre Umsatzzuwächse vor allem erfolgreichen Akquisitionen (siehe Tabelle „Das höchste Wachstum“). So geht das Plus von 57 Prozent beim Papier- und Zellstoffkonzern Heinzel in erster Linie auf die Integration der Europapier- Gruppe und die damit verbundene Ausweitung des Papiergroßhandels zurück. Anders beim Faserproduzenten Lenzing und der Breitenfeld AG, dem steirischen Hersteller von Edelstahl und Ferrolegierungen: In beiden Fällen ist das Wachstum durchaus organisch, davor hatte man die Kapazität erweitert, 2011 profitierte man von der Konjunkturerholung.

Preis-Profiteure

Und dann fallen natürlich die Umsatzsprünge von Unternehmen auf, die von gestiegenen Rohstoffpreisen profitieren – allen voran die OMV und die in Wien domizilierte Gazprom Neft Trading, die im TOP-500-Ranking vom fünften auf den zweiten Platz vorrückte, bis hin zu gut drei Dutzend Metall- und Energie-Handelsgesellschaften auf den mittleren und hinteren Rängen.

Bei der Entwicklung der Margen ergibt sich ein uneinheitliches Bild (siehe Tabelle „EBIT“). Auf den ersten Blick verblüffen die Traumzahlen der heimischen Immobilien- AGs, doch in dieser Branche schlagen die von den IFRS-Bilanzierungsregeln erzwungenen jährlichen Neubewertungen der Assets besonders brutal auf das EBIT durch – einmal geht es steil bergab, dann wieder rasant nach oben. Dabei gilt der Betriebsgewinn (EBIT = Earnings before Interest and Taxes) eigentlich als nicht sehr volatile Messgröße. Zur Berechnung werden laufende Aufwendungen wie Personalkosten und Materialeinsatz vom Umsatz abgezogen. Außerordentliches wird hier nicht berücksichtigt, genauso wenig wie das Finanzergebnis und die Steuern. Auch wenn es sich beim EBIT bloß um eine Zwischensumme handelt, ist die EBIT-Marge eine interessante Kennzahl, die viel darüber aussagt, wie profitabel das Kerngeschäft eines Unternehmens läuft. Fazit: Die Margenentwicklung bei Schoeller-Bleckmann Oilfields, Lenzing und austriamicrosystems verdient eher Beachtung als jene der Immo-AGs.

Vorsprung

Zu den typischen Merkmalen vieler heimischer Unternehmen zählt, dass sie sich oft in kleinen, aber feinen Nischen etablieren und dort eine dominante Position erobern – und zwar zumeist als Technologieführer, der es versteht, seinen Vorsprung durch gezielte Forschung und Entwicklung, aber auch durch ständige Verbesserung der Prozesse abzusichern. Neben Voestalpine zählen auch AVLList, Kapsch TraffiCom, Palfinger, Rosenbauer und Andritz zu den prominentesten Be-herrschern profitabler Nischen.

Eine weitere wichtige Energiequelle der heimischen Wirtschaft, die auch in schwie-rigen Zeiten dafür sorgt, dass die Motoren verlässlich schnurren, ist die hohe Produktivität.

Nach dem Industriebericht der EU vom Oktober 2011 lag Österreich in der Rangliste der 27 Mitgliedsstaaten hinter Irland und den Niederlanden auf Rang drei. Und das bedeutet, so Wirtschaftskammer-General Christoph Leitl: „In heimischen Betrieben wird effizienter gearbeitet als anderswo.“ Deshalb können österreichische Erzeugnisse trotz hoher Steuern und exorbitanter Lohnkosten international oft mithalten: Die Preise entsprechen der Qualität der Produkte und Dienstleistungen – nach Abzug der Stückkosten bleibt dem heimischen Unternehmen auch in flauen Zeiten fast immer noch eine passable Marge übrig.

Bei Durchsicht der Eigentumsverhältnisse der Top-Unternehmen fällt auch noch ein anderer Stabilitätsfaktor auf: Die in Börsen- und Private-Equity-Hochzeiten manchmal als aussterbende Gattung angesehenen Familienunternehmen sind eine zähere Spezies als gedacht. Und sie schlagen sich in ihren Nischen weltweit oft besser als Firmen, die von zwar global aufgestellten, aber oft auch gesichtslosen Eigentümern kontrolliert werden.

Allein auf den ersten 70 Rängen der trend TOP 500 gibt es zehn Unternehmen, die zu 100 Prozent in Familienhänden sind, darunter Rohstoffhändler wie Alumet in Vorarlberg, Glücksspielriesen wie Novomatic in Niederösterreich oder die Tiroler Kristall-Dynastie Swarovski. Vorarlberg und Tirol haben die höchste Dichte dieses Unternehmenstyps: die Alpla-Werke der Familie Lehner in Hard, die Plansee Holding der Familie Schwarzkopf in Breitenwang, die Holz-Dynastie Egger in Sankt Johann in Tirol oder die Beschlägefirma Blum in Höchst sind scheinbar unerschütterliche Fixgrößen der österreichischen Wirtschaft.

Aufräumen

So unterschiedlich die Branchen, so klar sind die Gemeinsamkeiten: Familienunternehmen halten ihre Entscheidungsgremien und Organisationsstrukturen schlank, denken in Generationen, scheuen aber auch nicht mehr davor zurück, familienfremde Manager ins Haus zu holen – und kommunizieren höchst selektiv mit der Öffentlichkeit. Die Zähigkeit ist deshalb oft nur mit Zeitverzögerung in den Bilanzen nachzulesen: Die Swarovski- Gruppe etwa ist nach einem Einbruch in der Krise und dem Auftauchen neuer Konkurrenten dabei, ihre Produktion weltweit neu aufzustellen. Mit Erfolg: Allein die in der Auslandsholding zusammengefassten Aktivitäten haben 2011 fast 100 Millionen Euro Gewinn in die Kassen gespült, ein Plus von 65 Prozent.

Um turbulente Phasen sicher und ohne Blessuren zu meistern, bewährt sich indes ein anderes Symbol unternehmerischer Stärke, das in der Vergangenheit immer wieder gerne unterschätzt wurde: Der Eigenkapitalanteil in der Bilanz. Noch vor wenigen Jahren galt Leverage (vereinfacht gesagt: die möglichst hohe Fremdfinanzierung) als überaus sexy, heute ist der Begriff ein Schimpfwort: Wer zu Boomzeiten möglichst viel Eigenkapital durch billige Kredite ersetzte, um damit die Rendite auf dieses Eigenkapital ordentlich zu hebeln („Leverage“), hatte mit Ausbruch der Finanzkrise Mühe zu überleben. Heute ist jedermann klar, dass man sich in Zeiten von Bankenkrisen, Kreditklemmen und Rezessionen am besten mit einem dicken Eigenkapitalpolster schützt – und möglichst auch Liquiditätsreserven anhäuft.

Letztere sind heutzutage ein Segen, da Bankkredite zwischendurch immer wieder knapp werden können. Tendenziell gehe die Bereitschaft zur Kreditvergabe in Europa eher zurück, heißt es, was auf schlechte Stresstest-Resultate, aber auch auf Basel- III-Zwänge zur Konsolidierung der Bankbilanzen zurückzuführen sei. Was aber offensichtlich nicht auf alle zutrifft. „Wir haben unsere Kreditlinien nicht verändert“, beteuert Bank-Austria-Vorstand Rainer Hauser. Allerdings sei die Nachfrage zurückgegangen, weil viele Unternehmen ihre Investitionen vorsichtiger planen, lieber aus dem Cash Flow finanzieren oder sich mittels Corporate Bonds Geld direkt vom Markt holen.

Die Zurückhaltung bei den Investitionen seit Sommer 2011 habe sich übrigens heuer noch verschärft, konstatiert Volkswirt Winzer. Stagnierende oder schrumpfende Auftragspolster sorgen für Verunsicherung, eine Lösung der Krise im Euroraum scheint ebenfalls nicht in Sicht.

Zudem kamen im Vorjahr in Österreich auch noch ein paar hausgemachte Probleme zum Vorschein, die sich in Boomphasen, in denen sich alle fieberhaft nach neuen Chancen recken, leichter verdecken lassen. Offenbar gibt es in manchen Wirtschaftsbereichen immer noch unrühmliche Verflechtungen mit der Politik, die dann nicht selten zu dubiosen Zahlungsflüssen führen – mit dem Ziel, die Rahmenbedingungen für die eigenen Geschäfte zu verbessern.

Altlasten

2011 war ein Jahr, in dem vieles aufbrach, was vorher nicht sichtbar gewesen war: Eine Vielzahl an Skandalen erschütterte die Republik, die Aufarbeitung durch Parlament und Justiz ist noch in vollem Gange. Als eines der zentralen Unternehmen im Geldverteilungskarussell entpuppte sich die Telekom Austria, an der der Staat via ÖIAG-Holding mit 28 Prozent beteiligt ist. Inwieweit die Mitte 2011 geplatzte Affäre um Aktienkursmanipulationen von TA-Führungskräften aus dem 2004 und die danach bekannt gewordenen Enthüllungen dem Unternehmen geschadet haben, ist schwer festzustellen. Die Umsatzrückgänge des börsennotierten Konzerns (Rang 15) sind vor allem auf niedrigere Einnahmen durch gesenkte Roaminggebühren und Probleme bei osteuropäischen Töchtern zurückzuführen.

Jedenfalls haben viele der TOP-500-Unternehmen begonnen, ihre Vergangenheit gründlich aufzuarbeiten. Und ähnlich wie politische Parteien – dort längst überfällig – verpassen sich immer mehr Firmen Wohlverhaltensregeln, die eine neue Sauberkeitskultur schaffen sollen: Neben der TA gilt das etwa für die ÖBB, die so dem Korruptionsimage ihrer Güterverkehrstochter beizukommen versuchen, und auch für die Voestalpine, deren eindrucksvolle operative Bilanz der letzten Jahre durch die Enttarnung eines deutschen Schienenkartells Mitte 2011 getrübt wurde: Für das erwartete Bußgeld und die Schließung eines Werks in Deutschland wurden in der soeben präsentierten Jahresbilanz 205 Millionen Euro rückgestellt.

Die Suche nach der neuen Ordnung ist noch nicht vorbei – weder in der Eurozone noch in der arabischen Welt, noch in Österreich. Es gibt für tüchtige heimische Unternehmen genug Chancen, sich im nächsten TOP-500-Ranking noch besser zu positionieren.

Sämtliche Angaben wurden von der trend-Redaktion mittels Fragebogen direkt bei den jeweiligen Unternehmen erhoben oder durch eigene Recherchen, gegebenenfalls mit Unterstützung des Kreditschutzverbandes von 1870 (KSV1870 Information GmbH), ermittelt.

– Reginald Benisch, Bernhard Ecker und Caroline Millonig

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