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Bernhard Ecker
11.06.201210:10 Uhr
Das sind die besten Manager Österreichs

Das sind die besten Manager Österreichs

  • trend-Ranking der am meisten geschätzten Wirtschaftskapitäne des Landes: Was sie bewegt und warum sie bewundert werden. Plus: Kurzportäts der Top 10.

Reihum werden die Wunden der Vergangenheit geleckt, und die Gegenwart ist unsicherer denn je. Im diesjährigen trend-Top-CEO-Ranking liegen deshalb Andritz-Chef Wolfgang Leitner und Voestalpine-Boss Wolfgang Eder weit voran – Horte der Stabilität in der österreichischen Wirtschaftswelt. Der dritte Stockerlplatz birgt hingegen eine kleine Sensation: Dort landete der ÖBB-Chef.

Es dauerte nur wenige Stunden an jenem Montag, bis die Entzauberung eines ganzen Berufsstands perfekt war. Am 10. Oktober 2011 war Erste-Bank-General Andreas Treichl vor die Presse getreten und hatte völlig überraschend verkündet, dass sein Institut wegen Sonderabschreibungen einen Jahresverlust von über 700 Millionen Euro erwarte. War man anfangs noch geneigt, das als gut inszenierten Auftakt zum Großreinemachen der heimischen Banken zu sehen, so stellte sich kurz danach heraus, dass die Erste Bank ein über fünf Milliarden Euro schweres Volumen an hoch riskanten Kreditversicherungen bisher schlicht nicht in der Bilanz ausgewiesen hatte. Tarnen, Täuschen, Tricksen – das waren die Lieblingsvokabel der Kommentatoren in den Tagen nach dem 10. Oktober.

Ausgerechnet Treichl, der Mann, der Monate davor für seine Politikerschelte („zu blöd, zu feig, zu unverständig“) noch reichlich Applaus von seinesgleichen bekommen hatte, Treichl, der Star-Banker, war plötzlich der Buhmann – und mit ihm das Image der Finanzinstitute beim Teufel. Das belegt auch das diesjährige trend-Manager-Ranking eindrucksvoll: Die Chefs der 500 größten heimischen Unternehmen haben zum zehnten Mal jene aus ihrer Reihe gewählt, die sie derzeit als die besten Manager einschätzen – und erstmals seit 2003 befindet sich kein Banker unter den Top 10. Die sorgsam verbreitete Lesart, dass die wahrhaft Schuldigen an der Krise die Zocker aus dem angelsächsischen Investmentbanking gewesen seien, lässt sich offenbar so nicht mehr aufrechterhalten.

Während Treichl nach neun Top-Platzierungen in Folge, davon sechs Stockerlplätzen, dieses Jahr überhaupt nicht mehr aufscheint, sind die Gewinner erstmals unverändert geblieben: Das Votum fiel auch diesmal eindeutig für Wolfgang Leitner aus, Haupteigentümer und Chef des Grazer Maschinenbauers Andritz. Und das Ergebnis wäre noch überwältigender gewesen, wäre die Deadline für die Stimmabgabe nicht vor der Bekanntgabe des jüngsten Andritz-Deals Ende Mai gelegen: der beabsichtigten Übernahme des deutschen Metallpressen-Herstellers Schuler um rund 590 Millionen Euro. Aber auch so entfiel jede fünfte Stimme auf den zurückhaltenden Manager – 2011 war es sogar jede vierte gewesen.

Relativ den Abstand zu Leitner verkleinert hat die alte, neue Nummer zwei, Voestalpine-Chef Wolfgang Eder, auf den diesmal 15 Prozent der Stimmen entfielen. Er ist ebenso wie Leitner damit zum siebten Mal im alljährlichen trend-Managerbarometer vertreten.

Neo-Idole

Dahinter gibt es insgesamt sechs Neueinsteiger – so viele wie noch nie. Logische Schlussfolgerung: Mit den Bankern ist ein Teil der alten Heroen vom Sockel gestürzt, und das lässt Raum für neue Managertypen. Am sensationellsten ist dabei die Wahl von ÖBB-Chef Christian Kern auf Rang drei. Noch nie stand in den letzten zehn Jahren ein Generaldirektor der Bundesbahnen so hoch in der Gunst der Manager- Kollegen.

Dass der vom Verbund gekommene 46-Jährige innerhalb kürzester Zeit die entscheidenden Stellschrauben im Bundesbahn- Moloch zu drehen gelernt hat, dem neuen Wettbewerb auf der Westbahn imagemäßig trotzt und die dunklen Flecken der Vergangenheit thematisiert, hat viele beeindruckt, die bisher ÖBB als Kürzel für Politikmisswirtschaft sahen. Mit Post-Vorstandschef Georg Pölzl auf Rang fünf ist ein weiterer „Neo-Verstaatlichtenmanager“ erstaunlich weit vorn.

Weitere neue Gesichter im Ranking sind Henkel-CEE-Präsident Günter Thumser, der Baumarkt- und Sozialunternehmer Martin Essl, der junge Palfinger-Boss Herbert Ortner und Infineon-Austria-Vorstand Monika Kircher-Kohl – sie alle feiern dieses Jahr Premiere im trend-Top-CEO-Ranking.

Natürlich wird mit der Wahl nicht nur Respekt vor den abgelieferten operativen Kennzahlen zum Ausdruck gebracht. Es geht um mehr: um Image, um Themenpräsenz, da und dort auch um das sich abzeichnende Lebenswerk.

Expansionsstorys

Die turbulente Vergangenheit schwingt jedenfalls ständig mit. Anders als die Finanzbranche, die noch die Wunden der letzten Jahre leckt, ist sie bei den Siegern schon verdaut. Selbst bei Andritz-Boss Leitner, der seinem Unternehmen immerhin schon seit 1987 als Finanzvorstand und seit 1994 als CEO den Stempel aufdrückt und es 2001 an die Börse gebracht hat, wird sie allerdings thematisiert. Immofinanz-Boss Eduard Zehetner etwa hat ihm seine Stimme gegeben, „weil er in 18 Jahren aus einem halbverstaatlichten ‚Beinahepleitekonzern‘ einen führenden Anlagenbauer auf dem Weltmarkt gemacht hat“. Mit zahllosen kleineren, aber auch einigen größeren Akquisitionen wie der VA Tech Hydro, dem Kesselbauer AE&E aus dem kollabierten Reich des Industriellen Mirko Kovats oder der aktuellen Schuler-Übernahme hat Leitner in den letzten Jahren systematisch einen Konzern gebaut, der in seinen Geschäftsfeldern weltweit führend ist.

„Bei solchen Übernahmen stecken stets viele Teufel im Detail, aber er konzentriert sich immer aufs Wesentliche“, sagt Leitners Freund aus Studientagen, Ex-Wirtschaftsminister und Pharmaunternehmer Martin Bartenstein. Auch „Kontinuität“, „klare Zielsetzung“ und „unternehmerische Persönlichkeit“ des Grazers werden in den Bewertungen ausdrücklich gelobt.

Fast wortgleich sind die Begründungen der Eder-Wähler, und auch hier schwingt stets die Kenntnis der wechselvollen Voest-Geschichte mit – der General hat soeben öffentlichkeitswirksam verlautbart, dass sein Konzern im Grunde kein Stahlunternehmen mehr ist, sondern schon zwei Drittel des Umsatzes mit Verarbeitung und Technologie macht.

Nicht einmal die Tatsache, dass Voestalpine- Mitarbeiter in Deutschland bei Preisabsprachen für Bahnschienen mitgewirkt haben, was die Bilanz des Geschäftsjahrs 2011/12 merklich getrübt hat, scheint Eder geschadet zu haben – der Stahl-Boss wird längst nicht nur als Konzernlenker, sondern als Stimme der Industrie wahrgenommen. „Eder beteiligt sich am politischen Diskurs und hilft damit, auf die Schwächen der derzeitigen Politik hinzuweisen – er bietet gleichzeitig aber auch Lösungsvorschläge an“, notiert einer seiner Bewunderer, selbst eine bekannte Persönlichkeit aus der österreichischen Industriellenwelt.

Diese immer offensivere Rolle in der Öffentlichkeit unterscheidet ihn am markantesten vom notorisch zurückhaltenden Leitner, dem Eder auch selbst seine Stimme gegeben hat. Ansonsten sind sie durchaus ähnliche, unternehmerische Managertypen – ihre Wahl spiegelt auch die immer stärkere Sehnsucht nach verlässlichen Ankerpunkten in einer unsicher gewordenen Wirtschaftswelt wider.

Auch Günter Thumser, Numero vier, ist im letzten Jahr nicht durch ein Großereignis oder besonders spektakuläre Schlagzeilen aufgefallen, sondern durch Kontinuität: Er hat in seinen sieben Jahren an der Spitze von Henkel CEE seinen Einflussbereich stets vergrößert, inzwischen gehören neben den mittel- und osteuropäischen Staaten auch kaukasische Länder wie Tadschikistan und Turkmenistan zu seinem Waschmittel-, Klebstoff- und Kosmetikreich. „Und wenn man weiß, dass Konzernholdings typischerweise die Tendenz haben, alles an sich zu ziehen, ist das eine umso größere Leistung“, sagt sein „Fan“ Peter J. Oswald, der seinerseits von Wien aus das Europageschäft des Papierkonzerns Mondi steuert. Anders als viele andere CEOs ist Thumser für ihn auch „jemand, der nach wie vor tief ins operative Geschäft involviert ist“.

Das gilt auch für Herbert Ortner unbedingt, den mit 43 Jahren jüngsten Manager der diesjährigen Top 10. Er hatte auch gar keine andere Wahl, als zu beweisen, dass er etwas vom Geschäft versteht: Ortner trat in die großen Fußstapfen seines Vorgängers beim Salzburger Kranspezialisten Palfinger, des heutigen Verbund-Generals Wolfgang Anzengruber, kurz bevor die Welt zu wackeln begann: im Juni 2008. Die Umsatzrückgänge waren mit minus 35 Prozent in seinem ersten Geschäftsjahr teilweise dramatisch, die Verluste hielt er jedoch in Grenzen – und setzte rechtzeitig die richtigen Maßnahmen für seine Mitarbeiter. Als expliziten Bewunderer von Ortner outet sich deshalb T-Mobile-Boss Robert Chvátal, wie dieser Jahrgang 1968: „Er hat 2009/10, obwohl börsennotiert, bewusst einen kleinen Verlust hingenommen und keine Dividende ausgeschüttet, damit das Unternehmen keine Kündigungen vornehmen muss und mit Kurzarbeit durch die schwierigen Jahre kommt“, zieht Chvátal den Hut.

Social Entrepreneur

Diese soziale Tangente ist bei Martin Essl, ebenfalls das erste Mal und auf Rang acht platziert, besonders ausgeprägt. Er repräsentiert den Unternehmertyp, der ein von der Vorgeneration aufgebautes Unternehmen erfolgreich weiterführt, aber für ganz andere Dinge bewundert wird: Der Stifter des Essl Social Prize erinnert seine Manager-Kollegen beständig an die Welt da draußen, in der es von Menschen wimmelt, die keinen fairen Chancenzugang haben. Das „beeindruckende Engagement für Mitarbeiter und Gesellschaft“, nennt einer, dessen Name nicht genannt werden soll, seine Gründe, diesmal Essl zu wählen.

Unter die Kategorie „Lebenswerk“ fällt wohl die Wahl von Günter Geyer, dem einzigen Vertreter der Finanzbranche. Denn seit 1. Juni ist der 68-jährige Ex-Chef der Vienna Insurance Group (VIG), zu der die Wiener Städtische Versicherung gehört, in Pension. Seinem Nachfolger Peter Hagen übergibt er einen Konzern, der 2011 noch einmal mit einem Rekordergebnis glänzen konnte.

Exakt so alt wie die Versicherungs-Eminenz Geyer ist jener Unternehmer, der seit vielen, vielen Jahren in einer eigenen Liga spielt: Dietrich Mateschitz hat sein Lebenswerk, den Aufbau von Red Bull zu einer weltumspannenden Marke, schon in trockenen Tüchern – und doch ist noch kein Ende in Sicht: Ob globales Red Bull TV oder hartnäckige Expansionspläne nach Fernost, die Ideen gehen ihm scheinbar nie aus. „Ein unglaubliches Projekt“ nennt ÖBB-Chef Christian Kern die Mateschitz-Story, der er selbst „größte Bewunderung“ entgegenbringt. Was auch viel über Kerns eigenen Zug zum Tor aussagt.

Mit Rang sieben liegt der Ober-Bulle, der das Wort „Pension“ nicht zu seinem Vokabular zählt, im trend-Ranking auf den ersten Blick vergleichsweise bescheiden. Doch seine Leistung ist seit Langem wohl derart unumstritten, dass manche der Gerechtigkeit halber dann und wann ihr Kreuzerl anderswo machen. Triumphe wie der zweite Formel-1-Weltmeistertitel wecken die Erinnerung an diese völlig unösterreichische Story vom Energydrink-Start-up zum weltweit agierenden Konzern mit sensationeller Marketing-Strahlkraft wieder wach. Dass Mateschitz immer auch „seinem Bauchgefühl vertraut“, wie es einer seiner Bewunderer formuliert, hat Red Bull dorthin katapultiert, wo es heute ist.

Innovationsfigur

Bemerkenswert ist auch die Nummer zehn, Monika Kircher-Kohl, erst zweite Frau in zehn Jahren Top-CEO-Ranking. Bisher war nur Brigitte Ederer, die inzwischen Konzern-Personalvorstand bei Siemens in München ist, in den noblen Kreis ihrer männlichen Manager-Kollegen gewählt worden. Noch erstaunlicher aber ist, dass Infineon-Austria-Vorstand Kircher- Kohl nicht schon früher in die Top- Tabelle Einzug gehalten hat.

Sie ist als Kämpferin für den Innovationsstandort Villach und als dessen ehemalige SPÖ-Vizebürgermeisterin eine bekannte Person. „Aber sie hat sich nie selbst in den Vordergrund gestellt, sondern ist nur für die Allgemeininteressen in die Öffentlichkeit gegangen“, wie Jochen Pildner-Steinburg, Chef der Grazer Armaturenwerke, meint, der bei der diesjährigen Wahl zwischen dem Steirer Leitner und Kircher- Kohl geschwankt hat – und am Ende die Kärntnerin gewählt hat. Nach turbulenten Jahren im Halbleiterkonzern scheint der Standort Österreich mit seinen starken F&E-Präsenzen gut abgesichert zu sein, „sie fährt jetzt ihre Ernte ein“, schätzt Pildner-Steinburg.

Und das macht zweifelsohne auch der „Most Admired Manager“ der Jahre 2011 und 2012, Wolfgang Leitner, weiterhin in seinem Stil: analytisch, ruhig, unspektakulär. Wem er seine eigene Stimme gegeben hat, behält der Steirer für sich. Bekannt ist aber, dass Leitner seinen Landsmann und Unternehmerkollegen Dietrich Mateschitz für eine „Ausnahmeerscheinung“ hält. Daneben meint er stets diplomatisch, „dass von den CEOs der österreichischen Top 500 wahrscheinlich 300 auszeichnungswürdig sind“.

Österreichs Manager-Ranking: Die Top 10

Die Top 500! Österreichs erfolgreichste Unternehmen

 
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