Wohnen

Reuters
05.06.201213:50 Uhr
Versicherer drängen auf den Immo-Markt

Versicherer drängen auf den Immo-Markt

  • Deutsche Versicherer wollen im Schnitt 300 Millionen in Immobilien stecken.

Untersuchung von Ernst & Young zeigt, dass Unternehmen die Immobilienquote steigern - doch sie finden nicht immer die passenden Objekte.

Die Versicherer drängen mit Macht in den Immobilienmarkt, finden aber immer weniger Anlageziele. Das ist das Ergebnis des diesjährigen "Trendbarometers" der Beratungsgesellschaft Ernst & Young. Insgesamt wurden im März und April 25 Versicherer befragt, darunter kleinere Firmen genauso wie Branchengrößen. Der Studie zufolge würde jedes Unternehmen 2012 im Durchschnitt gerne knapp 300 Millionen Euro in Immobilien in Deutschland und europäische Kernmärkte investieren, was die Immobilienquote auf 6,7 von zuletzt 6,3 Prozent nach oben schrauben würde, wie Dietmar Fischer, Partner bei Ernst & Young Real Estate, am Dienstag in Frankfurt erklärte. Da sich aber alle auf gut vermietete Einzelhandels- und Büroobjekte in Top-Lagen sowie zunehmend auch auf Wohnungsbestände fokussieren, wird es eng, die Preise steigen. "Vor diesem Eindruck haben viele Unternehmen bei der Voraussage für 2012 die Handbremse etwas angezogen", betonte Fischer.

Die Studie bestätigt, was sich seit längerem abzeichnet: Im Niedrigzinsumfeld sehen sich die Versicherer unter Druck, ihren Anlegern die versprochenen Zinsen etwa auf Lebensversicherungen abzuliefern. Sie sind daher auf der Suche nach Alternativen zu Bundesanleihen. Aktien bleiben in der Euro-Schuldenkrise aber ein zu volatiles Investment, langfristig vermietete Immobilien dagegen versprechen verlässliche Einnahmen.

Vor allem deshalb stehen bei den Versicherern Direktinvestitionen in Immobilien weiter ganz oben auf der Wunschliste. Hier bietet der deutsche Markt durchaus Chancen - dank der Krise bei den Offenen Immobilienfonds, von denen etliche abgewickelt werden. Allein die beiden Flaggschiffe SEB ImmoInvest und CS Euroreal werfen in den kommenden fünf Jahren Gewerbeimmobilien im Wert von rund zwölf Milliarden Euro auf den Markt. Dass diese Schwemme zu sinkenden Preisen führt, erwartet aber nur ein Drittel der befragten Versicherer.

Wohnungspakete sind begehrt

Auch bei den großen Wohnungspaketen, die hierzulande gerade den Besitzer wechseln, mischt die Assekuranz zunehmend mit: So machte zu Jahresbeginn beim milliardenschweren Verkauf der LBBW-Wohnungen ein Konsortium um die Augsburger Immobiliengesellschaft Patrizia und etliche Pensionskassen das Rennen. Ähnliche Bieter bringen sich für das Wohnungspaket der BayernLB in Süddeutschland in Stellung.

Aber auch indirekte Immobilieninvestitionen gewinnen für die Versicherer weiter an Bedeutung - etwa in Form von klassischen Immobilienfinanzierungen oder als Eigenkapitalgeber in Fonds. Die Versicherer schließen damit eine Lücke, die viele Banken hinterlassen haben, die sich aus der Immobilienfinanzierung zurückziehen, weil sie ihre Bilanzen schrumpfen müssen. Die Immobilienbranche wiederum freut das: Sie hatte mit der Verschärfung der Schuldenkrise befürchtet, dass auch die Finanzierungsquellen wieder austrocknen - ähnlich wie unmittelbar nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers im Herbst 2008. Doch eine Kreditklemme ist auf dem Immobilienmarkt bislang nicht eingetreten.

 
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