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Reuters/hahn
07.06.201218:32 Uhr

Das bewegt die Märkte: Ben Bernanke sorgt für Ernüchterung

Fed-Chef Ben Bernanke hat Investoren am Donnerstag die Freude über eine überraschende Zinssenkung in China ordentlich vergällt. Entgegen der Erwartung vieler gab er am Nachmittag keinerlei Hinweise darauf, dass eine erneute geldpolitische Lockerung kurz bevorstehen könnte.

Die Gewinne an den Aktienmärkten schrumpften daraufhin zusammen: Der Dax rettete sich noch mit einem Plus von 0,8 Prozent bei 6144 Punkten aus dem Handel, nachdem er in Reaktion auf die chinesische Zinssenkung bis auf 6230 Punkte gestiegen war.

Der EuroStoxx50 schloss 0,3 Prozent im Plus, er hatte im Tagesverlauf zeitweise 1,6 Prozent höher gelegen. Die Indizes der Wall Street waren zu Handelsschluss in Europa weitgehend stabil. Der Dow Jones lag 0,6 Prozent höher, die Technologiebörse Nasdaq notierte unverändert.

"Bernanke hat die Wende an den Märkten gebracht", sagte ein Händler. "Die Hoffnung war, dass er - wenn er kein QE3 in Aussicht stellt - Positives zu verkünden hat. Aber man kann nicht einmal zwischen den Zeilen lesen, dass eine Trendwende erreicht wäre." Nach der Rede des Notenbankchefs sei man genauso schlau wie vorher, sagte Chefvolkswirt Michael Moran von Daiwa Securities America: "Er hat keinen Hinweis gegeben, ob nun zusätzliche Stützungsmaßnahmen nötig sind oder nicht."

Zentralbankchef Bernanke bekräftigte zwar vor dem Wirtschaftsausschuss des US-Kongresses die generelle Bereitschaft der Notenbank, Maßnahmen zum Schutz des Finanzsystems und der US-Wirtschaft zu ergreifen. Er sagte zudem, die bisherige Wirtschaftskraft der USA reiche noch nicht, um bedeutende Fortschritte auf dem Arbeitsmarkt zu erzielen. Allerdings gab er keinen Hinweis auf kurz bevorstehende Stützungsmaßnahmen. Es sei nichts entschieden, so der Fed-Chef.

In Reaktion auf die Rede ließ auch der Euro Federn und fiel auf 1,2560 (Tageshoch: 1,2625) Dollar zurück. Am Rentenmarkt halbierte der als sicherer Hafen geltende Bund-Future seine Verluste auf 60 Ticks bei 143,07 Zählern. Am Rohstoffmarkt gab der Ölpreis nach. Brent-Öl kostete zum Börsenschluss in Europa etwas weniger als 100 (Tageshoch: 102,34) Dollar je Barrel.

China pusht

Dabei war der Tag für Investoren bis zur Bernanke-Rede gut gelaufen - China hat zur Ankurbelung der Wirtschaft zum ersten Mal seit nahezu vier Jahren seinen Leitzins gesenkt. "Eine Zinssenkung um 25 Basispunkte ist zwar nicht massiv, aber sie hilft und signalisiert, dass die Notenbanken bereitstehen, bei Bedarf die Wirtschaft zu stützen", sagte Analyst Keith Bowman von Hargreaves Lansdown. Der Leitzins der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft liegt nunmehr bei 6,31 Prozent.

Zudem verdichteten sich die Hinweise darauf, dass Deutschland mit Vertretern der Europäischen Union intensiv an einer Lösung für die maroden spanischen Banken arbeitet. Eine erfolgreich verlaufene Auktion spanischer Anleihen trug zur positiven Stimmung bei: Madrid sammelte rund 2,1 Milliarden Euro ein und damit mehr als angepeilt. Zudem überstieg die Nachfrage das Angebot deutlich. Die Rendite der zehnjährigen spanischen Anleihen fiel spürbar, die Titel warfen am Abend 6,105 Prozent ab nach 6,3 Prozent im späten Vortagesgeschäft.

Auch am spanischen Aktienmarkt schmolz der frühe Gewinn am Nachmittag zusammen, der Madrider Leitindex beendete den Handel 0,3 Prozent höher.

Bankwerte und Autos im Fokus

Deutlich besser als der Markt hielten sich die Bankwerte. Getrieben von der Hoffnung auf eine Lösung für die maroden spanischen Institute gewann der europäische Sektorindex zwei Prozent. Hierzulande waren Commerzbank mit einem Plus von 5,7 Prozent größter Dax-Gewinner, Deutsche Bank zogen um ein Prozent an.

Autowerte profitierten von der neu erwachten Konjunkturhoffnung für China, der Sektorindex legte um 1,4 Prozent zu. Zu den am stärksten gefragten Werten zählten VW und BMW mit einem Plus von 1,1 beziehungsweise 1,8 Prozent. Im Nebenwerteindex MDax kletterten Continental sogar um 4,3 Prozent.

 
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