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Interview: Miriam Koch
10.06.201211:05 Uhr
"Der AUA-Betriebsrat blockiert nur"

"Der AUA-Betriebsrat blockiert nur"

  • FORMAT-Interview. Bisher hat der Tyrolean-Betriebsrat keine Interviews gegeben. Jetzt attackieren die Tyroleans den Austrian-Betriebsrat frontal.

Die Belegschaftsvertreter der Tyrolean sind ab 1. Juli formal für das gesamte Flugpersonal der AUA zuständig. Wolfgang Schlair und Alexandra Patzal im FORMAT-Interview.

FORMAT: Mit 1. Juli wird der Flugbetrieb der AUA auf die Tyrolean übergehen. Wird der Tyrolean-Betriebsrat dann auch für die AUA-Piloten zuständig sein?

Wolfgang Schlair: Ab dem Zeitpunkt des Betriebsübergangs sind wir gesetzlich für die gesamte Belegschaft zuständig. Wir streben aber eine gemeinsame Lösung bis zum Abschluss des Konzern-Kollektivvertrags an.

FORMAT: Bis wann könnte es denn den neuen Konzern-KV geben?

Alexandra Patzal: Wenn es nach uns geht, bis 1. Juli. Wir wollen endlich wieder Ruhe ins Unternehmen bringen, das Chaos beenden und nach vorn schauen.

FORMAT: Aber bisher laufen die Verhandlungen noch nicht erfolgversprechend, obwohl eine Mediatorin von der Gewerkschaft eingeschaltet wurde …

Schlair: Das Team des AUA-Betriebsrats blockiert, geht unvorbereitet in Sitzungen und hat den Ist-Zustand leider immer noch nicht akzeptiert. Das kostet uns alle wertvolle Zeit. Ich glaube, der AUA-Betriebsrat ist auch nicht an einer baldigen Lösung interessiert, dort denkt man über Klagen nach, die man gegen den Betriebsübergang einbringen will.

Patzal: Wir haben Verständnis dafür, dass der AUA-Betriebsrat das Beste für seine Crews herausholen will, aber den Betriebsübergang zu ignorieren, halten wir für kurzsichtig und sinnlos.

FORMAT: Das klingt jetzt nicht so, als würde der AUA-Betriebsrat schlau handeln.

Patzal: Wir sind durch das Agieren des AUA-Betriebsrats und der Gewerkschaft in einer Sackgasse gelandet. Unser KV wurde gekündigt, die Unternehmensrichtlinie, die für die neuen Mitarbeiter gilt, kann einseitig vom Management geändert werden und ist teilweise sehr schwammig formuliert.

FORMAT: Wie ist es denn für einen Betriebsrat, wenn der KV gekündigt wird?

Schlair: Schlimm, denn damit wurde uns die Basis genommen. Wir befinden uns in einer Grauzonqe.

Patzal: Wir können nachvollziehen, dass man mit diesem Schritt droht. Aber für diesen Fall braucht es einen wasserdichten Masterplan, wie es dann weitergeht. Und der hat leider komplett gefehlt. Dieser Schritt war unüberlegt und für die Belegschaft riskant. Wir haben uns den Betriebsübergang auch nicht ausgesucht, aber wir versuchen jetzt, das Beste daraus zu machen.

FORMAT: Sie sind der einzige Betriebsrat Österreichs, der je gegen die Gewerkschaft demonstriert hat.

Schlair: Wir haben im März gegen die Kündigung unseres Kollektivvertrags protestiert. Der Schritt der Gewerkschaft war bisher in Österreich einmalig und gegenüber den Mitarbeitern verantwortungslos. Nachdem wir ja alle Kollegen sind, war das eine sehr ernüchternde Erfahrung. Die Gewerkschaft hat jetzt die Verantwortung, diesen Fehler zu korrigieren.

FORMAT: Können Sie AUA und Tyrolean größenmäßig vergleichen?

Patzal: Die Tyrolean ist jedenfalls längst keine kleine Regionalfluglinie mehr, die nur mit Propellermaschinen zwischen Wien und Innsbruck fliegt. Wir sind mittlerweile für 60 Prozent der Abflüge im AUA-Konzern zuständig. Wir fliegen über 100 Destinationen an, von Nordafrika bis Russland, und das unfallfrei und wirtschaftlich seit 32 Jahren. Wenn man vergleicht: Die AUA hat 40 Flugzeuge, die Tyrolean 38. In der Tyrolean gibt es rund 450 Piloten, in der AUA etwa 500.

FORMAT: Wo sehen Sie denn die Knackpunkte für den Betriebsübergang?

Schlair: Die Tyrolean hat optimale Teilzeitmöglichkeiten. Eltern von kleinen Kindern können sich bei uns fixe Arbeitstage aussuchen, auf die ihre Dienste fallen. Wir wurden bereits als besonders familienfreundliches Unternehmen ausgezeichnet, und das soll auch so bleiben. Ein weiterer Knackpunkt ist die Senioritätsliste.

FORMAT: Dass ältere Mitarbeiter mehr Rechte haben?

Schlair: Die Senioritätsliste regelt bei uns die Karriere: Wer länger im Unternehmen ist, verdient mehr, wird beim Urlaub bevorzugt, kann früher aufsteigen und etwa Kabinenchef werden.

FORMAT: Und wo ist das Problem?

Patzal: Vordienstzeiten im Konzern wurden bisher nicht angerechnet, das muss sich ändern. Für unsinnig halten wir es auch, Tyrolean-Piloten einer neuerlichen Selektion zu unterziehen. Warum sollen sie nochmals zur Prüfung antreten, nur weil die AUA ein anderes Verfahren hat als wir? Wir sind qualifiziert, und das beweisen wir tagtäglich.

FORMAT: Es gibt Vorwürfe, der Tyrolean-Betriebsrat würde zu managementfreundlich agieren.

Patzal: Wir kennen diesen Vorwurf, aber der ist völlig daneben. Wir sind keine Vorstandsfreunde, nur weil wir auch Kriterien der Wirtschaftlichkeit im Blick haben. Wir sind ein verantwortungsvoller Betriebsrat und haben die Interessen unserer Crews im Sinn.

FORMAT: Wie ist denn im Moment Ihr Verhältnis zum AUA-Betriebsrat?

Schlair: Es gibt noch immer eine intakte Gesprächsbasis, aber unsere Zugänge sind verschieden.

FORMAT: Wird es für Sie ein ungemütlicher Sommer, weil so viele AUA-Piloten das Unternehmen verlassen haben?

Patzal: Ich denke, über zu viel Freizeit werden wir uns nicht beklagen müssen.

Schlair: In jedem Fall werden die Kunden mit Sicherheit keinen Unterschied merken, ob sie jetzt ein AUA-Pilot oder ein Tyrolean-Pilot sicher ans Ziel fliegt.


Zur Person:

Wolfgang Schlair, 35, ist stellvertretender Betriebsratsvorsitzender der Tyrolean-Flug-crew und selbst Kapitän. Der gebürtige Gmundner ist seit 2010 als Belegschaftsvertreter aktiv.

Alexandra Patzal, 35, ist seit 2010 Sprecherin des Tyrolean-Betriebsrats. Sie kennt sowohl die AUA als auch die Tyrolean: Ihre Karriere startete sie als Stewardess bei der AUA, mittlerweile ist die gebürtige Wienerin Kopilotin bei der Tyrolean.

 
Safetyfirst, 10. 06. '12 12:29
Betriebsrat
Das ist anmassend, die aua leute haben einen eigenen Betriebsrat, und wer soll die aua leute vertreten, die, "tieroljaan", sicher die gruenen robin hoods werdens richten! Das ist ein Kasperltheater! Sicher wollns jetzt einen kkv damit die klafgen des os betriebsrates nichtig werden, sind denn alle blind!
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