Geld

Franz C. Bauer
08.06.201216:09 Uhr
Trotz Facebook-Flop bleiben IT-Aktien interessant

Trotz Facebook-Flop bleiben IT-Aktien interessant

  • Für Anleger interessant ist der Wettkampf der Mobilwelten. Einen Sonderstatus konnte sich Apple erarbeiten.

Der mäßig erfolgreiche Facebook-Börsenstart hat auch andere Informationstechnologie-Unternehmen mitgezogen. Doch Aktien von Apple, Google, eBay oder Microsoft bleiben für Anleger langfristig interessant.

Bisweilen unterlaufen selbst renommierten Nachrichtenmagazinen seltsame Fehler. „901 Millionen gefällt das“, titelte der „Spiegel“ Anfang Mai. Die Coverstory, in Vorbereitung des Börsengangs des sozialen Netzwerks Facebook geschrieben, übernahm damit gleich auf Seite eins einen weit verbreiteten Irrtum: nämlich dass tatsächlich 900 Millionen Menschen weltweit via Computer und Facebook-Account miteinander verbunden sind. Eine Zahl, die auch den optimistischen Preis von 38 Dollar rechtfertigen soll, den Facebook-Altaktionäre, allen voran Gründer und Chef Mark Zuckerberg, für die im Rahmen des Börsengangs erfolgte Abgabe eines Teils ihrer Aktien verlangten.

Doch diese Zahl ist schlichtweg falsch. Tatsächlich dürfte Facebook um einige hundert Millionen weniger „echte“ Nutzer haben. Was bleibt, ist zwar immer noch eine respektable Zahl, aber ganz sicher wesentlich weniger als die dick aufgetragene Milliarde, die weltweit kursiert. „Zahlreiche User verfügen über mehrere Existenzen, zum Beispiel, wenn sie Internetgames spielen“, erklärt Leopold Salcher, Analyst bei Raiffeisen Capital Management. So genannte „Avatare“ – Doppel-, Dreifachoder auch Zehnfachexistenzen, die ganz einfach durch eine Anmeldung unter verschiedenen Namen und Mailadressen erzeugt werden können – helfen beispielsweise, bei beliebten Internetspielen Vorteile zu erlangen.

Avatare schaffen sich freilich oft auch User an, die auf elektronischen Freiersfüßen wandeln. Wär doch peinlich, wenn die Ehefrau entdecken würde, dass sich der Holde im Internet erstens als ledig und zweitens leicht verjüngt präsentiert. Auch Programmierer, die Angebote für die Facebook-Plattform schneidern, loggen sich unter verschiedenen Adressen ein.

Zweifel

Dass institutionelle ebenso wie Privatanleger leise Zweifel am Geschäftsmodell hegen, ließ sich gleich zum Börsenstart am hektischen Kursverlauf ablesen: Der Eröffnungskurs lag gleich einmal um zwölf Prozent über den ohnedies ehrgeizigen 38 Dollar, die das Papier bei der Zeichnung gekostet hatte, doch binnen einer halben Stunde stürzte der Kurs auf den Emissionspreis zurück, kletterte abermals um rund zehn Prozent und schloss bei einem mickrigen Plus von 0,61 Prozent. Das mäßige Abschneiden drückte auch bei anderen Aktien der IT-Branche – etwa Google und Microsoft – auf den Kurs. Läutet Facebook das Platzen einer Technologieblase ein, wie sie Anlegern 2001 Milliardenverluste beschert hatte? „Das glaube ich nicht. Die IT-Branche heute kann man nicht mit der Situation vor zehn Jahren vergleichen. Das ist ein entwickelter Wirtschaftszweig mit überwiegend solider Finanzierung und funktionierenden Geschäftsmodellen“, beruhigt Bernhard Ruttenstorfer, Manager des Espa-Stock-Techno-Fonds.

„Man muss bei den Technologieaktien allerdings differenzieren – und vor allem die Frage stellen: Gibt es nicht andere Unternehmen, die ebenfalls gute Geschäftsmodelle haben, aber günstiger bewertet sind?“, rät Moritz Rehmann, Fondsmanager des Gamax Funds Junior, eines Fonds, der in Unternehmen investiert, die vorwiegend jüngere Konsumenten ansprechen. Probleme sieht der Fondsmanager bei reinen Hardware-Unternehmen. „Auf welchem Gerät eine Benutzeroberfläche läuft, ist nicht so wichtig, die Geräte sind austauschbar“, so Rehmann.

Die Chiphersteller hingegen profitieren vom Trend zur mobilen Kommunikation: AMD, weil dieser Hersteller Bauteile für mobile Anwendungen liefert, und Intel, weil Intel-Chips in praktisch alle Server eingebaut werden. Und das Server-Geschäft brummt schon seit geraumer Zeit. „Pro 600 neue Smartphones oder 120 Tablet-PCs muss ein zusätzlicher Server ans Netz – das sichert das Geschäft von Intel“, weiß Rehmann.

Mobiler Wettstreit

Für Anleger interessant ist der Wettkampf der Mobilwelten. Einen Sonderstatus konnte sich Apple erarbeiten. „Apple ist Hardware mit Komplettlösung“, beschreibt Leopold Salcher, Technologieanalyst bei Raiffeisen Capital Management, das Geschäftsmodell. Die mobilen Geräte iPhone und iPad harmonieren perfekt mit den Laptop- und Desktop-Serien des Herstellers, der auf Exklusivität setzt: Wer sich für Apple entscheidet, kann kaum fremde Software nutzen. Doch Apple konnte sich als „Lifestyle“-Produkt positionieren und damit höhere Preise rechtfertigen. Die entgegengesetzte Strategie verfolgt Microsoft. Die Softwareschmiede, die mit Nokia die Landung im Mobilbereich versucht, ist für Programmierer offen, dementsprechend breit ist das Angebot. Als erfolgreichste Suchmaschine punkten kann Google, das über das Betriebssystem Android mit einem Fuß in der Mobilwelt steht.

Am absteigenden Ast befindet sich hingegen der Pionier der mobilen Kommunikation: Der BlackBerry des kanadischen Anbieters Research in Motion (RIM), einst Technologieführer bei Smartphones, kämpft gegen rückläufigen Absatz. Rund hingegen läuft das Geschäft mit e-Commerce, also Internethandel. Amazon als professioneller Anbieter und eBay als Plattform für Privatangebote, die aber auch von kommerziellen Shops verwendet wird, schaffen stetige Zuwachsraten. „Der Technologiesektor bietet auch abseits von Facebook eine Fülle interessanter Investmentchancen“, resümiert Fondsmanager Rehmann. Erfolg oder Misserfolg des Facebook-Börsengangs ändern daran seiner Meinung nach wenig.

 
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