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Silvia Jelincic
04.06.201202:01 Uhr
Telekom Autria: Neues Geld aus Russland

Telekom Autria: Neues Geld aus Russland

  • Die russische Milliardärin Jelena Baturina unterstützt Investor Ronny Pecik mit frischem Kapital.

Die Moskauer Milliardärin Jelena Baturina (Bild) gibt Ronny Pecik frisches Kapital, um die Sperrminorität an der Telekom Austria zu erwerben. Mit dem bisherigen Partner, Naguib Sawiris, herrscht Krieg.

Es war ein hartes Stück Arbeit. Monatelang suchte Ronny Pecik nach einer neuen Geldquelle für den Ausbau seines Telekom-Engagements. Sogar bei seinem ehemaligen Geschäftspartner Georg Stumpf, mit dem er jahrelang im Clinch lag, klopfte Pecik an, doch der Immobilien-Zampano zeigte kein Interesse.

Schließlich konnte der für sein Verkaufstalent bekannte 50-jährige Ex-Investmentbanker doch noch landen - und zwar bei der russischen Milliardärin Jelena Baturina. Deren Vermögen schätzt das US-Magazin "Forbes“ auf 2,9 Milliarden Dollar (vor der Wirtschaftskrise waren es sieben Milliarden Dollar).

Die Gattin des Moskauer Ex-Bürgermeisters Juri Luschkow und der gebürtige Kroate sollen einander in Kitzbühel kennengelernt haben, wo Baturina ein Hotel und einen Golfclub betreibt. Nun hat die 49-Jährige mit einem höheren zweistelligen Millionenbetrag Pecik die Aufstockung des Telekom-Anteils auf die Sperrminorität ermöglicht. Der Investor hält im Moment bei 20,12 Prozent der Aktien. Aktueller Börsenwert der fehlenden fünf Prozent: rund 158 Millionen Euro.

Baturinas Sprecher Markus Bischof sagt: "Derzeit gibt es dazu keine Stellungnahme.“ Aber laut verlässlichen Quellen ist der Deal schon perfekt.

Wütender Sawiris

Eigentlich sollte das zusätzliche Geld von Peciks bisherigem Telekom-Finanzpartner Naguib Sawiris kommen. Doch die Geschäftsbeziehung der beiden steht an der Kippe: Pecik hatte dem ägyptischen Milliardär mehr Mitsprache versprochen, zum Beispiel, wenn es um einen Weiterverkauf der Telekom-Aktien geht. Sawiris, so war der Plan noch vor wenigen Wochen, hätte so wie Pecik wirtschaftlich Bevollmächtigter im Deal werden sollen. Entsprechende Verträge sollten zu Gunsten von Sawiris abgeändert werden. Doch der Ägypter musste wutentbrannt feststellen, dass Pecik anderes im Sinn hat. Beide wollen ihren Disput nicht kommentieren. Anders als geplant, sitzt derzeit bekanntlich nur Pecik im Aufsichtsrat der Telekom.

Auf ihn will Sawiris den Druck nun erhöhen. Der Ägypter versucht, über die Banken Zugriff auf das gemeinsame Telekom-Aktienpaket zu erhalten. Sawiris geht davon aus, dass Pecik die Zinsen für den Kredit aus eigener Kraft nicht tilgen kann. Mit 30. Juni werden rund drei Millionen Euro fällig (pro Quartal sind es zirka neun Millionen). Mit Jelena Baturinas Unterstützung könnte Pecik Zeit gewinnen.

Auch für Sawiris steht viel am Spiel. Die Luft in Ägypten wird für den koptischen Christen und Ex-Mubarak-Vertrauten immer dünner, was sich auch nach den Präsidentschaftswahlen nicht ändern wird. Sawiris, der fließend Deutsch spricht, will endgültig nach Europa ziehen. Das Telekom-Engagement wäre eine willkommene Beschäftigung, auch wenn er die Anteile nur zwischenzeitlich halten und binnen zweier Jahren an die norwegische Telenor-Gruppe abgeben möchte.

Verpasster Deal

Pecik liegt auch mit einem anderen Ex-Partner im Clinch. Mit Mirko Kovats stand er erst letzte Woche wegen 1,6 Millionen Euro vor Gericht. Diese Summe fordert Kovats noch für eine ehemals gemeinsame Yacht der beiden zurück: "Ich weiß, dass Pecik Geld braucht, aber von mir kriegt er es nicht freiwillig. Ich will mein Geld zurück.“

Ans Eingemachte geht es auch bei der Telekom Austria. Einer der Hintergründe für den schon öffentlich geäußerten Unmut Peciks über das amtierende Management ist eine verpasste Gelegenheit. Der TA wurde nämlich kürzlich die Vivacom angeboten, der ehemals staatliche Festnetz-Betreiber in Bulgarien, wo die Österreicher schon mit dem Mobilfunker MTel vertreten sind. Pecik war offenbar ein Verfechter des Deals und macht das Desinteresse von Finanzvorstand Hans Tschuden dafür verantwortlich, dass nun andere zum Zug kommen (siehe Kasten). Als Aufsichtsrat will er härter durchgreifen.

 
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