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02.06.201217:57 Uhr
US-Arbeitsmarkt sorgt für lange Gesichter

US-Arbeitsmarkt sorgt für lange Gesichter

  • Schwache Entwicklung des US-Arbeitsmarkts schürt Sorgen, dass die Weltwirtschaft an Fahrt verliert. Börsen reagieren verschnupft.

In der größten Volkswirtschaft entstanden im Mai nur 69.000 neue Jobs und damit so wenig wie seit einem Jahr nicht mehr. Experten hatten im Schnitt mit einem doppelt so großen Plus von 150.000 gerechnet.

Zudem schuf die US-Wirtschaft im März und April knapp 50.000 Stellen weniger als zunächst angenommen, wie das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Die Arbeitslosenquote stieg im Mai auf 8,2 von 8,1 Prozent.

"Es liegt immer klarer auf der Hand, dass wir uns mitten in einer Abkühlung der globalen Wirtschaft befinden", sagte Analyst Tom Porcelli von RBC Capital Markets. "Von China über Europa bis zu den USA - alle Daten zeigen eine spürbare Verlangsamung", betonte auch John Kilduff von Again Capital.

Druck auf Obama wächst

Die Entwicklung am Arbeitsmarkt spielt eine wichtige Rolle im Präsidentschaftswahlkampf zwischen Amtsinhaber Barack Obama und Herausforderer Mitt Romney. Zu Beginn von Obamas Amtszeit kletterte die Arbeitslosenquote auf zehn Prozent. Seither ging sie zwar spürbar zurück, liegt aber immer noch um zwei Prozentpunkte über dem Schnitt der vergangenen 50 Jahre. Romney wirft Obama vor, zu wenig für neue Jobs zu tun.

Nach einer Faustformel muss die Wirtschaft monatlich rund 125.000 Jobs schaffen, um die Arbeitslosenquote auch nur konstant zu halten. Im Mai entstanden im Privatsektor aber nur 82.000 neue Stellen, während der Staat im Zuge von Sparprogrammen 13.000 Arbeitsplätze strich.

Einige Ökonomen gehen davon aus, dass die US-Notenbank nun wieder ihr Programm zum Ankauf von Staatsanleihen neu auflegen könnte, um der Wirtschaft unter die Arme zu greifen.

Börsen sorgenvoll

"Ein überraschend guter Arbeitsmarktbericht hätte zumindest zu einer gewissen Beruhigung an den globalen Kapitalmärkten beitragen können", sagte Postbank-Analyst Thilo Heidrich. Stattdessen hätten die Daten die Unsicherheit noch erhöht. Der Aktienindex DAX weitete seine Verluste deutlich aus und der Euro rutschte kurzzeitig unter die Marke von 1,23 Dollar. Die Gemeinschaftswährung markierte mit 1,2286 Dollar ein neues Zwei-Jahres-Tief, stieg dann aber wieder über 1,24 Dollar. "Neben dem Dauer-Krisenherd in Form der europäischen Staatsschuldenkrise könnten bald wieder verstärkt US-Konjunktursorgen für Schlagzeilen sorgen", warnte Heidrich.

Die Finanzmärkte mussten zuvor schon schlechte Nachrichten aus Europa verdauen. Denn die Industrie der Euro-Zone schlittert immer tiefer in die Krise. Dem Abwärtstrend kann sich auch Deutschland nicht mehr entziehen - zumal China als wichtiger Handelspartner ebenfalls merklich schwächelt. Der Einkaufsmanagerindex für die Euro-Zone fiel im Mai um 0,8 auf 45,1 Punkte. Das ist der schlechteste Wert seit Mitte 2009, wie das Markit-Institut zur Umfrage unter 3000 Firmen mitteilte.

Reuters

 
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