News aus Wirtschaft und Finanzen

1.6.2012 06:54

"Spanien ist effektiv insolvent"

  • Das britische Finanzhaus Lloyds Bank spricht Klartext und hält Spanien und in Kürze auch Italien für Zahlungsunfähig.

Charles Diebel, Chef für Marktstrategie bei Llodys Bank Corporate Markets, erklärt, dass die derzeitigen Renditen spanischer Anleihen eine Insolvenz einpreisen, und Italien folge “nicht weit dahinter”. Gleichzeitig stellte er aber fest, dass Spanien mit Blick auf den Euro schlichtweg “too big to fail” sei.

Diebel beobachtet nach eigenen Angaben derzeit eine größere Flucht der Investoren aus der Euroraum-Peripherie als bei anderen Wellen in der Vergangenheit.

In der vergangenen Woche hatte die spanische Bankia-Gruppe erklärt, sie benötige für ihre Restrukturierung weitere rund 19 Mrd. Euro vom Staat. Angefragt werden sollen die Mittel beim spanischen Banken-Rettungsfonds FROB. Investoren sorgen sich um den Zustand der gesamten spanischen Bankenbranche. Standard & Poor’s (S&P) hatte zudem am späten Freitag die Bonitätsnote von Bankia auf “Ramsch“-Niveau gesenkt. Zur Begründung verwies die Ratingagentur auf die Abschwächung der spanischen Wirtschaft.

IWF hilft (noch) nicht

Der Internationale Währungsfonds (IWF) bereitet nach eigenen Angaben kein Hilfspaket für Spanien vor. Auch das Land selbst wies Spekulationen zurück, wonach es sich um Finanzhilfe bemüht habe.
Gleichzeitig sind die Kreditkosten für Spanien auf den höchsten Stand seit der Einführung des Euro gestiegen.

“Es gab keine Anfrage für finanzielle Unterstützung von Spanien, und der IWF entwirft auch keine Pläne für eine finanzielle Unterstützung von Spanien”, erklärte Gerry Rice, Director für auswärtige Beziehungen beim Währungsfonds, gegenüber Journalisten in Washington. Er wies damit Berichte des Wall Street Journal zurück, wonach die Europa-Sparte des IWF Krisenpläne für einen Rettungskredit für Spanien vorbereite - und zwar für den Fall, dass es dem Land nicht gelingen könnte, die notwendigen Mittel für die Rettung der Bankia-Gruppe aufzubringen.

Es sei “unsinnig”, zu behaupten, dass Spanien mit dem IWF rede, erklärte auch der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos bei einer Konferenz in Sitges bei Barcelona. “Der IWF-Sprecher hat gesagt, dass keine Rettung von Spanien erwogen werde. Ich habe über diese Bemerkung hinaus nichts zu dem Thema zu sagen”, sagte Carmen Martinez Castro, die stellvertretende Kommunikationsministerin des Landes, im Telefoninterview.

Bloomberg/hahn

1.6.2012 06:54
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